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Vanlife in Marokko - Mit dem VW Bus nach Marokko

Mit dem eigenen Camper nach Marokko. Was für ein Abenteuer. Wir wussten nicht auf was wir uns einlassen denn wir waren noch nie in Afrika. Doch es stellte sich bald heraus,  dass wir mit unserem Offroad-Bulli in Marokko viel Spass haben werden. Und wir haben bald gemerkt, dass es in Marokko viel mehr zu sehen gibt als nur Sand. Die Vegetation ändert sich immer wieder. Grüne hügelige Landschaften, Pinienwälder, hohe - im Winter von Schnee bedeckte Berge im Atlas-Gebirge, steile Bergpässe, roten Felsen, Steppen, Palmenoasen, Sanddünen und Atlantikstrände. Marokko ist so vielseitig und abwechslungsreich wie kaum ein anderes Land. Und es ist ein Paradies für alle die gerne ‘wild’ campen. 

Frei stehen wird in Marokko fast überall 'geduldet'. Marokko ist aber auch für Campingplatz-Fahrer ein tolles Reiseziel denn Plätze gibt es unzählige. Es gibt Gegenden (z.B. an der Mittelmeerküste oder am Atlantik) an welchen die Polizei die Freisteher aus Sicherheitsgründen auf den nächsten Campingplatz schicken. Wir hatten allerdings Glück, wir wurden nie weggeschickt. Wir haben allerdings auch immer darauf geachtet dass wir unser Nachtlager nicht direkt an der Strasse aufgeschlagen haben. Zudem haben wir im Norden nie an der Küste übernachtet. Marokko ist für uns - wie Norwegen - DAS Paradies für ‘Autarkcamper’. Und Marokko ist das Land für Offroad-Liebhaber. Man findet hier alles: Sanddünen, enge Gebirgsstrassen, hohe Pässe (mit Schnee im Winter), Flussüberquerungen. Natur und Freiheit pur. Hinzu kommt die Offenheit, Herzlichkeit und die Gastfreundschaft der Marokkaner die das Reisen in diesem Land einzigartig macht.

 

 

In diesem Blog informieren wir Euch über unsere Erfahrungen rund um das ‘Vanlife’ während unserem fast 5-monatigen Auftenthalt in Marokko:

 

Die Hinfahrt

Wir haben uns die Fahrt durch Frankreich/Spanien gespart und sind direkt mit der Fähre der Reederei GNV von Genua nach Tanger Med gefahren. Die Überfahrt dauert 2 Tage. Wenn man die Autokosten, Benzin, Autobahngebühren und die Fähre von Südspanien nach Marokko zusammenzählt entspricht das in etwa den gleichen Kosten wie wir für die Fähre von Genua nach Tanger Med ausgegeben haben. Die Fähre bot nichts Exklusives doch die Zimmer waren sauber. Zudem war das Essen im bedienten Restaurant vorzüglich. Das Self-Service-Restaurant ist nicht zu empfehlen, wurde uns gesagt. Wir selber haben dieses nicht ausprobiert. Der aktuelle Fährpreis findet Ihr hier www.gnv.com. Wir haben direkt über die Webseite der Reederei gebucht.

 

Eine weitere Variante nach Marokko zu gelangen ist die Fahrt über über Frankreich und Spanien. Von Malaga, Algeciras oder Tariffa fahren täglich Fähren nach Tanger, Tanger Med oder Ceuta. Die Überfahrt dauert ca. 1 – 1.5h, je nach Ort und Fähre. Die aktuellen Preise findet Ihr hier www.directferries.de oder www.aferry.de.

Tipp für diejenigen welche ab Südspanien verschiffen: Ticket bei Carlos in Algeciras kaufen. Hin- und Rückfahrt kostet ca. € 200 wobei das Datum für die Rückfahrt offen gelassen werden kann. Das Ticket ist 1 Jahr gültig (siehe Eintrag auf Park4Night).

 

Die Einreise

Schweizer, Deutsche und Österreicher erhalten das Visum bei der Einreise. Dieses ist 90 Tage gültig. Das Auto darf 6 Monate bleiben. Man hat die Möglichkeit, das Visum im Land kurz vor Ablauf um 90 Tage zu verlängern. Mehr geht nicht. Der maximale Aufenthalt pro Jahr beträgt 180 Tage (Stand Dezember 2018).

Die Campingplätze

Campingplätze gibt es auch in Marokko. Mal bessere, mal schlechtere und auch ein paar sehr schöne. Die sanitären Anlagen sind häufig etwas in die Jahre gekommen und können mit dem europäischen Standard nicht verglichen werden. Das gilt aber auch für die Preise. Ein Campingplatz kostet zwischen € 5 und € 10 / Fahrzeug inkl. 2 Personen und warme Dusche (ohne Strom). Teilweise ist auch eine Waschmaschine vor Ort oder die Wäsche kann abgegeben werden und wird bis zum nächsten Tag gewaschen. Kosten für das Wäsche waschen zwischen € 3 und 6 € je nach Platz. Wir waren nicht oft auf Campingplätzen denn wir bevorzugen das wild campen in der Natur. Dennoch haben wir ein paar Lieblings-Campingplätze:

Camping Le Calme, 15km ausserhalb von Essaouira
Der Camping liegt inmitten von Arganienbäumen. Eine schöne Oase um einige Tage zu entspannen. www.campinglecalme.com

Camping Tinnougba Bouizakarne

Der Platz wird von einer sehr herzlichen Berberfamilie geführt. Mama, Papa und Sohn arbeiten mit viel Liebe auf dem Platz und kochen für ihre Gäste. Der Platz ist relativ klein und einfach und er wird stetig erweitert. Aber er hat einen gewissen Charme und die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Besitzer ist einmalig. Camping Tinnougba

Koordinaten: 29.1859, -9.72752)

 

Camping Le Relais in Marrakech

Wohl DER Campingplatz in Marrakech. Gross, hübsch, gepflegt, grosser Pool mit schönem Garten und Liegen, gutes Restaurant, Wäscheservice. In die Stadt sind es 13 km die bequem mit Bus oder Taxi zu erreichen ist. www.relaisdemarrakech.com

 

Camping Zebra in Ouzoud
Der Platz wurde von einem Holländischen Paar aufgebaut und vor Kurzem an Marokkaner

verkauft. Er ist klein, idyllisch und überschaubar und hat die saubersten Toiletten und Duschen von ganz Marokko 😊. Der Platz liegt im Grünen, etwas oberhalb von Ouzoud. Zu den Cascades d’Ouzoud sind es 1.5 km, also gut zu Fuss erreichbar. Das Restaurant hat eine hervorragende Küche. Hoffentlich wird der Platz von den neuen Besitzern so weiter geführt wie wir ihn angetroffen haben. www.campingzebra.com

‘Wild’ campen

Wild campen wird in Marokko an den meisten Orten geduldet. Wir wurden nirgendwo weggeschickt doch wir haben von anderen Reisenden gehört dass am Atlantik und an der Mittelmeerküste häufig Polizeikontrollen statt finden (aus Sicherheitsgründen und zum Wohl der Touristen). Wir suchen uns nach Möglichkeit ein Plätzchen weit abseits der Hauptstrasse, an einer unbefahrenen Strasse, wenn möglich hinter einem Busch, einem Stein oder einer Sanddüne. Doch wir hatten immer Besuch :-). Die vorbei

fahrenden oder spazierenden Marokkaner waren immer sehr nett und fanden es toll, dass wir in ihrer Gegend unser Nachtlager aufgestellt haben. Hin und wieder kam es zu netten Unterhaltungen. Oder die 'Besucher' winkten uns zu, lachten und fuhren weiter. Den vorbei ziehenden Schafhirten bereitet man ein grosse Freude wenn man Zigaretten dabei hat.

 

Bei der Suche nach einem geeigneten Platz helfen diverse Apps. Wir verwendeten dabei iOverlander oder Park4Night. Doch häufig sind wir losgefahren und haben uns einen Platz ausgesucht welcher noch in keiner App vorhanden war. 

 

Wäsche waschen unterwegs

Wir waschen unsere Wäsche meistens von Hand. Auf einem Campingplatz (um unsere Wasserreserven zu schonen) oder wir tanken vorher unsere Wasserkanister und unseren Wäscheeimer voll und suchen uns irgendwo ein ruhiges Plätzchen. Die Wäsche in Marokko trocken zu kriegen ist ein Leichtes. In der Regel ist sie nach 2h trocken (wenn es nicht regnet…). Ab und zu haben wir die Waschmaschine auf dem Campingplatz

benutzt oder den Wäscheservice in Anspruch genommen. Sogar unsere Teppiche

wurden blitz-blank. Die Marokkanerinnen wissen eben wie man Teppiche wäscht 😊.

 

Frischwasser und Dumping

Wasser ist in Marokko knapp. Insbesondere nach einem milden Winter wo kaum Regen und Schnee gefallen sind wie der Winter 2018/19. Deshalb ist sparsam mit Wasser umzugehen. Das Frischwasser haben wir häufig an den Tankstellen geholt. Oft kostenlos, doch ein paar Dirham als Gegenleistung wird sehr geschätzt. In den Bergregionen findet man oft Brunnen von welchen auch die Einheimischen ihr Wasser beziehen. Auch auf den Campingplätzen kriegt man Frischwasser. Das Wasser haben wir jeweils mit Mikropur angereichert um die Bakterien und Viren zu töten. Entsorgungsstellen mit Frischwasser gibt es in Marokko nicht. Das Entsorgen ist nur auf dem Campingplatz möglich. Wir verwenden in unserer Toilette keine Chemie. Gegen den Geschmack bzw. Gestank verwenden wir in unserer Toilette Ätherische Öle.

Im Notfall können wir so das kleine Geschäft auch auf einer öffentlichen Toilette oder im Grünen entsorgen, ist ein hervorragender Dünger. Selbstverständlich achten wir genau wo wir es entsorgen um niemanden damit zu belästigen. Das grosse Geschäft wird im Freien

erledigt, sauber vergraben. Das Papier verbrennen wir oder wir nehmen es mit.

Trinkwasser

Die Marokkaner trinken Wasser aus dem Wasserhahnen oder vom Brunnen. Manchmal riecht es nach Chlor, in gewissen Regionen ist es leicht salzig. Vor allem in den Bergregionen schmeckt es aber ganz ordentlich. Trotzdem haben wir unser Trinkwasser IMMER mit unserem MSR-Wasserfilter gefiltert. Das ist gut gegen die Bakterien und die Viren. Der Geschmack wird dadurch nicht verändert (wir verwenden keinen Kohlefilter). In den wenigen Regionen in denen das Wasser chlorig oder salzig war haben wir Trinkwasser gekauft. Das Wasser kriegt man sehr günstig an jeder Ecke in 5-Liter-Plastikflaschen. Wieso haben wir unser Waser gefiltert und nicht gekauft? In Marokko gibt es kein Entsorgungskonzept. Die leeren Plastikbehälter landen am Strassenrand oder am Strand. Auch wenn uns einige belächelt haben, so haben wir unseren (wenn auch kleinen) Beitrag für die Umwelt geleistet :-).

Duschen

Das Duschen im Freien war bei den angenehmen Temperaturen in Marokko ein Leichtes. Perfekte Dusch-Verhältnisse! Auch wenn wir ab und zu eine Dusche auf dem Campingplatz genossen haben... das Duschen im Freien ist herrlich!

 

Einkaufen

Einkaufen in Marokko macht richtig Spass. In Marokko kauft man auf dem Souk ein. Das sind Wochenmärkte in denen man alles kriegt. Von Esswaren und frischen Gewürzen bis Haushaltartikel, Elektrogeräte, Kleider oder Bettwaren über Schafe, lebende (und tote) Hühner oder manchmal sogar Dromedare. Am Wochenmarkt trifft sich das ganze Dorf und die Bauern kommen mit ihren Eseln aus den abgelegensten Tälern um einzukaufen. Ein Parkplatz für die Esel ist natürlich auch vorhanden. Wenn gerade nicht Markt ist kriegt man in jedem Dorf in kleinen Läden mit Theken täglich frisches Obst und Gemüse, Brot und die wichtigsten Lebensmittel. Supermärkte gibt es nur in den Grossstädten. Doch das Einkaufen in den kleinen Läden haben wir viel mehr genossen.

Die Preise

Ein Schweizer Rentner wird in Marokko seine AHV kaum los werden. 1 CHF sind ca. 12 Dirham. 1 Euro sind ca. 10 Dirham. Hier einige Preisbeispiele:

  • 1 Fladenbrot: 1 - 2 DH
  • 1 kg Mandarinen oder Orangen: 5 - 8 DH
  • 1 kg Gemüse: 10 DH
  • 1 kg Erdbeeren: 10 – 15 DH
  • 5 Liter Wasser: 8 – 10 DH
  • 1 Tee oder Café: 10 – 20 DH
  • 1 Tajine (Gemüseeintopf mit Fleisch): 50 – 80 DH
  • 1 Couscous: 70 – 100 DH
  • 1 Liter Diesel: 8 – 10 DH
  • 3 dl Bier: Alkohol wird in Marokko nur im grossen Supermarkt Carefour verkauft. In einigen Touriorten verkaufen auch Hotels Alkohol über die Gasse. Eine Dose Bier kostet 12 – 30 DH, ein Flasche Wein kriegt man bereits ab 50 DH.

Die Strassen

In Marokko trifft man auf alles. Von sehr gut bis gut bis miserabel, bis Folter. Es ist von allem etwas da. Kreisel fahren funktioniert in Marokko anders. Wir haben bis am Schluss  nicht herausgefunden wann man im Kreisel anhalten muss und wann der Kreisverkehr Vortritt hat. Egal ob mit Mofa, Esel oder Kutsche. Irgendwie haben sie immer gehupt… und dabei immer gelächelt. Geschwindigkeitskontrollen sind in Marokko an der Tagesordnung. Dabei werden Einheimische und Touristen gleich behandelt. Wer zu schnell fährt zahlt.

 

Bei Pannen oder Blechschäden ist man in Marokko genau richtig. Hier wird alles repariert was repariert werden kann. Und das erst noch sehr günstig. Wir haben Leute getroffen die ihren Service hier machen lassen oder das ganze Fahrzeug neu lackiert haben.

Die Menschen

Die Marokkaner sind ein ganz besonderes Volk. Wir brauchten ein paar Tage bis wir die Offenheit und Direktheit der Marokkaner verstanden haben. So wurden wir oft  angesprochen, zum Tee oder sogar zum Essen eingeladen. Wir haben uns häufig

mit den Marokkanern ausgetauscht und hatten ausschliesslich schöne Begegnungen.

Einem so offenen, herzlichen und gastfreundlichen Volk sind wir bisher noch in keinem Land begegnet. Auf der Strasse wird eifrig zugewunken, immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht, immer gut drauf. Das ist sehr ansteckend. Was wir am Anfang als etwas aufdringlich empfanden (nach dem Motto ‘was will uns der jetzt wohl verkaufen’) vermissen wir in Europa sehr. Die meisten Marokkaner haben keine Hintergedanken und sind einfach nur neugierig und glücklich wenn es uns in ihrem Land gefällt. Und die ‘Teppichverkäufer’ lassen einen in der Regel in Ruhe wenn man vom Land schwärmt und berichtet wie lange man schon hier ist. Das endet dann jeweils mit ganz interessanten Gesprächen und man lernt erst noch einiges über die Herstellung der Teppiche, ohne dass man am Schluss so ein Teil mit nach Hause nimmt.

Internet und Telefonie

In Marokko findet man in vielen Cafés und auf den Campingplätzen freies Wlan, wobei die Verbindung auf den Campingplätzen oft schlecht ist. Doch das Internet mit einer marokkanischen SIM-Karte ist sehr günstig. Wir haben uns für Maroc Telecom entschieden da diese offensichtlich die beste Abdeckung haben. Und diese ist wirklich unglaublich gut. In jeder noch so verlassenen Ecke steht ein Funkturm. Wir können die Tage an welchem wir keinen Empfang hatten an einer Hand abzählen. Das GB kostet in Marokko 10 DH (1 €). Das Aufladen geht ganz einfach. In fast jedem Dorf kann man die Rubbelkarten à 10, 20, 50 DH oder in grösseren Städten à 100 DH kaufen. Einfach den Code aufrubeln, die Nr. auf der Karte eingeben und mit *3 (wichtig!) bestätigen. Schon kann man weiter surfen!

Das Telefonieren in die Schweiz mit Maroc Telecom war etwas teuer. So sind wir bei Anrufen auf Festnetz schnell auf Skype umgestiegen. Ansonsten ist natürlich das Telefonieren per WhatsApp die günstigste Lösung. Das braucht kaum Datenvolumen.


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