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Vanlife in Südamerika: mit dem Wohnmobil nach Uruguay

Ein kühler Badesee vor Colonia am Rio de la Plata
Ein kühler Badesee vor Colonia am Rio de la Plata

Uruguay liegt zwischen Brasilien und Argentinien und ist klein und überschaubar, wie die Schweiz. Wir haben uns in Uruguay vom ersten Tag an wohl gefühlt. Der Minderwertigkeitskomplex der Uruguayos gegenüber den Argentiniern ist – wie bei den Schweizern gegenüber den Deutschen - völlig unbegründet 😊. So ist z.B. der Wegbegründer des Tangos - Carlos Gardel - ein Urugayo und kein Argentinier (behaupten zumindest die Urugayos…).  Uruguay ist ein Land, welches mit dem Mietauto oder  dem eigenen Camper leicht zu bereisen ist.

 

Einer von unzähligen wunderschönen Sonnenuntergängen
Einer von unzähligen wunderschönen Sonnenuntergängen

Siehe dazu auch unseren Beitrag Autoverschiffung nach Südamerika. oder unseren Reisebericht über die schönsten Orte von Uruguay  In Uruguay leben 3.5 Millionen Menschen und 12 Millionen Rinder. 90 % der Einwohner sind europäischer Abstammung, Uruguay hat keine indigenen Vorfahren. Bemerkenswert finden wir, dass die Energieversorgung fast ausschliesslich aus erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Biomasse) sichergestellt. Im Jahr 2017 wurden bereits 98 % der Stromerzeugung aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen (Wasserkraft 52 %, Windenergie 26 %, Biomasse 18 %, Solarenergie 2 %). 

 

In diesem Blog berichten wir Euch über unsere Erfahrungen rund um das Reisen mit unserem Bulli während unserem 4monatigen Aufenthalt in Uruguay:

 

Ganz schön weit weg die Schweiz - hier in Nueva Helvecia
Ganz schön weit weg die Schweiz - hier in Nueva Helvecia

Die Einreise

Schweizer, Deutsche und Österreicher erhalten bei der Einreise ein 'Visum' (Stempel im Pass), welcher dazu berechtigt 90 Tage im Land zu bleiben. Das Auto erhält bei der Ankunft ein TIP (temporäres Import Permit), welches 12 Monate Gültigkeit hat. Das Auto kann (Stand heute) also in Uruguay eingestellt werden, falls man zwischendurch einen Heimurlaub planen möchte. Durch eine kurze Ausreise nach Argentinien oder Brasilien gelangt man bei der Rückreise nach Uruguay zu einem neuen Visum bzw. TIP und die Frist beginnt von Neuem zu laufen.

 

Camping Salto de Penitente
Camping Salto de Penitente

Campingplätze vs. 'Wild' campen

In Uruguay gibt es viele 'Municipal' Campingplätze, d.h. Plätze die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, aber ausserhalb der Saison auch oft geschlossen sind. DIe Plätze sind z.T. gratis oder kosten zwischen 6 und 10 €. Sie sind meist sehr einfach gehalten und mit Parillas (Grillstellen) versehen. Die Sanitären Anlagen sind zweckmässig, manchmal mit warmen Duschen, manchmal sind die Duschen auch kalt. 

Hinter den Dünen der Laguna Rocha
Hinter den Dünen der Laguna Rocha

Dann gibt es (vor allem entlang der Atlantikküste) Campingplätze die von Europäern oder Uruguayos geführt werden. Diese kosten zwischen 20 – 25 €.  Die Infrastruktur soll auf diesen Plätzen entsprechend besser sein. Wir haben diese selber aber nie ausprobiert. In Uruguay haben wir fast ausschliesslich 'wild' übernachtet und wurden nie weggeschickt. Dabei haben wir immer darauf geachtet, dass wir uns irgendwo hinter Büschen, einer Düne oder in einem Park verkriechen konnten.  Wir vermeiden es grundsätzlich in bewohnten Gegenden zu übernachten,

Wild campen im Wald
Wild campen im Wald

Manchmal war es schwierig von der Strasse weg zu kommen, denn in Uruguay ist praktisch jedes Stück Land eingezäumt. Wir haben fast ausschliesslich die App iOverlander verwendet um einen Übernachtungsplatz zu finden. Ab und zu machten wir es uns auch am Rande einer verlassenen Strasse gemütlich und fragten vorbeifahrende Einheimischen um Erlaubnis, ob wir hier stehen dürfen, Das war nie ein Problem und wir haben uns immer wohl gefühlt. 

Waschtag im Wald von Salto
Waschtag im Wald von Salto

Wäsche waschen unterwegs

Wenn wir unterwegs sind wasschen wir unsere Wäsche meistens von Hand. Natürlich mit biologisch abbaubarem Waschmittel, welches wir jeweils selber produzieren (Rezepte siehe www.smarticular.com).  Hin und wieder gönnen wir unserer Wäsche eine ‘Intensivreinigung’ (vor allem auch der Bettwäsche). Dann suchen wir uns einen Waschsalon, was in Uruguay in jedem grösseren Ort zu finden ist.

Die Preise liegen bei 5 – 6 €/Ladung.

Frischwasser an der Rambla von Montevideo
Frischwasser an der Rambla von Montevideo

Frischwasser und Dumping

Entsorgungsstellen mit Frischwasser gibt es in Uruguay kaum. Evtl. an den teuren Campingplätzen, nicht aber auf den Municipal Plätzen. Da wir keine Chemie in unserer Toilette verwenden und Nr. 1 von Nr. 2 trennen (wir haben eine Trockentrenntoilette) sind wir komfortabel unterwegs. Nr. 1 entsorgen wir in der öffentlichen Toilette oder wir düngen die Grünflächen von Uruguay, so wie es die Rinder tun, Nr. 2 entsorgen wir im Haushaltabfall oder wir graben im Wald ein tiefes Loch und verbrennen anschliessend das Papier.

 

Trinkwasser filtern wir mit unserem MSR-Filter
Trinkwasser filtern wir mit unserem MSR-Filter

Das Trinkwasser

Das Wasser aus dem Hahnen ist in Uruguay trinkbar (und zwar nur in Uruguay, dem einzigem Land in den Americas zwischen den USA und Patagonien, sagen die Urugayos...). Manchmal schmeckt es nach Chlor, manchmal fanden wir Quellwassen mit gutem Geschmack. Wir haben das Wasser getrunken, wenn es denn nicht nach Chlor geschmeckt hat. Wasser findet kostenlos bei Tankstellen, bei den Municipal Campingplätzen, in öffentlichen Parks oder bei den OSE Wassertürmen, dem offiziellen Wasserwerk von Uruguay. 

Übernachtungplatz am Rio Uruguay
Übernachtungplatz am Rio Uruguay

Auch aus den Flüssen oder Seen haben wir frisches Wasser getankt. Allerdings filtern wir dieses mit unserem MSR-Wasserfilter bevor wir es trinken. Wasser bekommt man selbstverständlich auch in Uruguay in jedem kleinen Laden in 6-Liter-Plastikflaschen. Zwar gibt es in einigen Orten Abfalltrennung, doch wo dieser am Schluss landet wusste niemand so genau. Aus diesem Grund vermeiden wir es grundsätzlich, Wasser in Plastikflaschen zu kaufen.

Duschen im Wald geht tiptop
Duschen im Wald geht tiptop

Duschen

Es war Sommer als wir Uruguay bereist haben. Perfekte Verhältnisse also, um im Freien zu duschen oder sich in einem Fluss oder See abzukühlen. Wir sind Warmduscher und heizen unser Duschwasser vor dem Gebrauch mit unserem Boiler auf. Öffentliche Duschen gibt es in Uruguay kaum. Auf den Municipal Campingplätzen kann man jedoch problemlos duschen, auch wenn man nicht dort übernachtet... 

 

Gauchos sieht man überall in Uruguay
Gauchos sieht man überall in Uruguay

Einkaufen

Zwischen Montevideo und Punta del Este gibt es riesige Supermärkte mit allem, was das Herz begehrt. Danach ist ziemlich Schluss mit den grossen Ladenketten. Weiter östlich, im Landesinnern und im Norden gibt es eher bescheidenere Supermärkte. Was heisst bescheiden: man findet keine Regale mit 50 Sorten Joghurt oder Käse. Aber man findet alles für den täglichen Bedarf, was uns völlig ausgereicht hat. Die Versorgung ist überall gut in Uruguay.

Einkaufen geht auch mit dem Flugzeug :-)
Einkaufen geht auch mit dem Flugzeug :-)

Die günstigste Supermarktkette in Uruguay ist Ta-Ta. Diese gibt es in den grösseren Städten sowie in kleineren Ortschaften im Norden und im Landesinnern. Ansonstsen findet man überall kleine 'Autoservice'. Das sind kleine, privat geführte Lebensmittelläden. Gemüse kauften wir vorwiegend in einer 'Fruteria' ein, welche meistens um die Ecke eines Supermarktes zu finden war. Das Angebot an Früchten und Gemüse richtet sich nach der Saison.  

Markt in Montevideo
Markt in Montevideo

Die Preise

Die Preise in Uruguay haben 'europäischen Standard’. Die Löhne der Urugayos allerdings nicht. 1 CHF sind ca. 37 Urugayanische Pesos. 1 Euro sind ca. 41 Pesos (Stand Feruar 2020). Hier einige Preisbeispiele:

  • 1 Baguette: 54 Pesos
  • 1 kg Kartoffeln: 65 Pesos 
  • 1 kg Äpfel: 60 - 70 Pesos
  • 6 Liter Wasserbido: 80 – 100 Pesos
  • 1 Tee oder Café: 80 – 120 Pesos
  • 1 Mittagessen: 300 – 400 Pesos
  • 1 Pizza: 200 Pesos
  • 1 Liter Diesel: 40 – 60 Pesos, je nach Qualität
  • 3 dl Bier: 50 Pesos
Landstrasse in Uruguay
Landstrasse in Uruguay

Die Strassen

In Uruguay sind die Hauptverkehrsstrassen (Ruta National) geteert und in gutem Zustand. An der Atlantikküste bezahlt man dafür eine Toll-Gebühr. Darüber hinaus gibt es ein paar geteerte Landstrassen die teilweise in sehr gutem Zustand sind oder aber mit heftigen Schlaglöchern versehen sind. In den kleinen Dörfchen an der Atlantikküste ist in der Regel nur die Hauptdurchgangsstrasse geteert. Die übrigen Strassen sind sandig und staubig. Das mit dem Rechtsvortritt haben wir (pder die Urugayos) bis heute nicht verstanden... 

 

Ganz schön weit bis in die Schweiz
Ganz schön weit bis in die Schweiz

Internet und Telefonie

In Uruguy findet man in den Supermärkten oder in den  Restaurant oft kostenloses Wlan. Die Verbindung ist aber meistens nicht die Beste. Wir haben eine uruguayanische SIM-Karte gekauft und konnten damit surfen, wann und wo wir wollten. In Uruguay gibt es drei Anbieter: Movistar, Claro und Antel. Wir haben uns für Movistar entschieden. Für das GB haben wir zwischen 40 und 65 Pesos bezahlt, abhängig von der Dauer (z.B. 3 GB für 120 Pesos während 5 Tagen oder 3 GB für 190 Pesos während 10 Tagen). 

 

La Pulperia in Montevideo - die beste Parilla in der Stadt
La Pulperia in Montevideo - die beste Parilla in der Stadt

Die Abdeckung war im ganzen Land einwandfrei und meistens ziemlich schnell. Die SIM-Karte sind am Busbahnhof oder in jeder Stadt in diversen Läden erhältlich. Die Läden sind in der Regel mit einem entsprechenden Zeichen des Anbieters versehen. Das Aufladen ist einfach, entweder mit der Kreditkarte online oder in einem Laden welcher mit dem Movistar-Zeichen markiert ist, häufig eine Apotheke. Am besten fragt man einfach im ersten Laden nach, wo man die SIM-Karte aufladen kann. 

 

Workaway bei Alicia
Workaway bei Alicia

Die Leute

Früher wurde Uruguay die Schweiz Südamerikas genannt. Und es gibt einige Parallelen. Die Leute sind zurückhaltend und höflich, etwas langsam aber gemütlich (so wie bei uns die Berner). Wenn man die Leute anspricht sind sie aber sehr redeseelig und sehr freundlich. Als Auswärtiger hat man es sehr schwer sich in Uruguay zu integrieren, haben uns einige Europäer und Argentinier erzählt. Das kommt uns doch alles irgendwie bekannt vor....

 

Die Arbeitslosigkeit liegt in Uruguay bei 8 %, das BIP pro Kopf bei 22'400 USD (CH: 83'000, D 48'000 USD). Wenn man bedenkt, dass die Preise in etwa dem Niveau von Deutschland entsprechen versteht man, dass dem Urugayo nicht viel bleibt zum leben. Doch sie machen einen mehrheitlich zufriedenen Eindruck. Am Wochenende feiern sie gerne mit lauter Musik. Sie fahren ihr Auto spazieren und drehen den Sound so richtig auf. Am Strand, am See, auf dem Campingplatz. Egal wo, niemand fühlt sich dadurch gestört. Oder sie sitzen die ganze Nacht im Auto, oder wenn es heiss ist neben dem Auto, trinken Mate oder Bier (in Literflaschen… in Uruguay bestellt man auch in einer Bar das Bier in Literflaschen….) oder rauchen Marihuana.  Schluss damit ist in der Regel erst in den frühen Morgenstunden. Wir hatten einige schlaflose Nächte weil wir durch die laute Musik nicht einschlafen konnten...

 

 

Uruguay ist ein Mate-Land
Uruguay ist ein Mate-Land

 

Uruguay ist ein Mate-Land. Mate ist eine Art Tee, welcher in Südamerika angebaut wird und in vielen Ländern getrunken bzw. zelebriert wird. Mate trinkt man in der Gemeinschaft, aus einem Becher, welcher unter Freunden herumgereicht wird. Viele Urugayos laufen den ganzen Tag mit einer Thermoskanne unter dem Arm und einer Mate-Tasse in der Hand durch die Gegend. Sie gehen damit einkaufen, in den Park, zur Arbeit, an den Strand… überall wird Mate getrunken. Und an den Tankstellen findet man Automaten an welchen man heisses Wasser beziehen kann.

 

 

bei Monica und John in Nueva Helvecia
bei Monica und John in Nueva Helvecia

 

Der Sonntag gehört in Uruguay der Familie. Ganze 'Clans' fahren mit ihren Autos zu einem Picknickplatz, packen ihre Stühle und ihre Kühlbox aus und ordnen sich im Kreis an. Die Kinder spielen, die Erwachsenen trinken Mate oder Bier. Ein ruhiges und gemütliches Völkchen diese Urugayos...

 

Und: Marihuana ist in Uruguay seit ein paar Jahren legalisiert. Das ist unverkennbar, denn an jeder Ecke riecht man die Pflanze. Bienvenido a Uruguay!

 

 


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