
Suriname ist das kleinste Land in Südamerika. Eingeklemmt zwischen Guyana, Französisch-Guayana und Brasilien wirkt es wie ein kultureller Mikrokosmos: es ist ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Indigene Völker, Kreolen, Inder und Javaner und natürlich Holländer leben hier alle friedlich nebeneinander. Diese Vielfalt spiegelt sich in der Sprache, der Küche und den Traditionen wider. Die Amtssprache ist Niederländisch, doch auf den Strassen hört man auch Sranan Tongo, Hindi, Javanisch und Englisch.
Über 80% des Landes sind mit Regenwald bedeckt. Mit unserem VW T5 erkundeten wir koloniale Städte, verlassene Zuckerfabriken, surreale Seen und dichte Regenwälder. In den zwei Wochen in denen wir in Suriname unterwegs waren trafen wir Zeitzeugen, sangen Karaoke mit Seglern, liessen uns von der tropischen Gelassenheit treiben und genossen die würzigen Rotis.
In diesem Blogbeitrag teilen wir mit Euch unsere Highlights, die schönsten Orte, spannende Begegnungen und wertvolle Informationen für eine Reise mit dem eigenen Auto nach Suriname.

Paramaribo – Kolonialcharme trifft Chinatown
Suriname hat etwas über 600'000 Einwohner. Rund 250'000 davon leben in der Hauptstadt Paramaribo. Zwischen den charmanten, hölzernen Kolonialhäusern die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören pulsiert das Leben. Die Stadt ist wirklich multikulti. Noch nie haben wir so viele verschiedene Kulturen und Sprachen auf einem Haufen erlebt, sehr spannend 😃. Die Supermärkte werden zu 95% von den Chinesen dominiert. Mit Ausnahme von einer Handvoll Läden mit einigen holländischen Produkten ist alles in Chinesischer Hand.

Kulinarisch ist Suriname ein Fest – von würzigem Roti über javanisches Nasi Goreng bis zu kreolischen Eintöpfen. Eines hat uns sehr begeistert: Roti. Ein traditionelles Fladenbrot vom indischen Subkontinent. Es wird üblicherweise mit gekochtem Gemüse oder Currys gegessen. Roti gehört zu Suriname wie Raclette oder Fondue zur Schweiz 🇨🇭. Wir kannten das leckere Gericht bisher noch nicht obwohl man das angeblich auch in den Niederlanden isst. Ob mit Fleisch oder Vegetarisch – wir lieben es👌😋.

Mariënburg – Zuckerfabrik mit Zeitzeugen
Die verfallene Zuckerfabrik in Mariënburg ist mehr als nur rostige Hallen. Sie war einst das industrielle Herz des Landes, heute ein stilles Denkmal kolonialer Geschichte. Als wir auf das Gelände fuhren wartete bereits ein Guide auf uns. Wir waren wohl seit langem die ersten Touristen. Der über 70jährige Surinamese arbeitete 15 Jahre lang in der Fabrik bis diese geschlossen wurde. Da er keine Rente bekommt verdient er sich ein paar Dollars durch Führungen durch das alte Gelände. Er führte uns mit bewegenden Geschichten und viel Herzblut durch die Anlage.

1882 wurde von der Niederländischen Handelsgesellschaft (NHM) eine der modernsten Zuckerfabriken der Karibik errichtet. Die Fabrik entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Kaffeeplantage und war Teil eines gross angelegten Plans: Zuckerrohr aus umliegenden Plantagen sollte zentral verarbeitet werden. Dafür wurde sogar die erste Eisenbahnlinie Surinames gebaut – zwölf Kilometer lang.

Nach der Abschaffung der Sklaverei 1863 fehlten Arbeitskräfte. Die Lösung: Vertragsarbeit. Tausende Menschen aus Indien und später aus Java (Indonesien) wurden nach Suriname gebracht. Sie lebten und arbeiteten unter harten Bedingungen, oft in Baracken direkt neben der Fabrik. Die Spannungen entluden sich in einem Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde – ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Ortes.

Neben Zucker wurde in Mariënburg auch Rum hergestellt, später sogar Kristallzucker. Doch mit der Zeit geriet die Fabrik unter wirtschaftlichen Druck: sinkende Weltmarktpreise, veraltete Technik und ineffiziente Prozesse führten 1986 zur endgültigen Schliessung. Der berühmte Mariënburg Rum wird hier übrigens noch immer hergestellt – mit stolzen 81 % Alkoholgehalt.
Mariënburg Zuckerfarbrik: 5.87262, -55.048396

Brokopondo-Stausee
Mitten im tropischen Herzen Surinames liegt der Brokopondo-Stausee. Das Gewässer ist ein riesiger künstlicher See. Er entstand in den 60er Jahren durch den Bau des Avobakka Staudamms im Suriname-Fluss und wurde hauptsächlich zur Energiegewinnung errichtet. Mit einer Fläche von rund 1'560 km² ist er einer der grössten Stauseen weltweit. Die Flutung des Gebiets liess eine gespenstische Szenerie zurück: Baumstümpfe ragen bis heute wie Mahnmale aus dem Wasser, denn die Wälder wurden vor der Flutung nicht gerodet.

Tausende von Bewohnern mussten ihre Dörfer verlassen und wurden in neu gegründeten Orten wie Brownsweg und Nieuw Koffiekamp angesiedelt. Das Wasserkraftwerk erzeugt Strom für die Aluminiumproduktion und ist auch die Trinkwasserquelle für die Einwohner von Suriname. Und natürlich dient er den Einheimischen in Brokopondo als Badewanne und Waschmaschine. Irgendwo müssen sie sich und die Kleider ja waschen 🤷♀️.

Der Brokopondo-Stausee ist ein einzigartiges Naturschutzgebiet, das Teile eines überfluteten Dschungels beherbergt. Die toten Bäume im Brokopondo-Stausee wurden durch die Überflutung beim Bau des Staudamms konserviert. Das Süsswasser des Sees verhindert, dass das Holz fault. Dadurch bleibt es über lange Zeit erhalten und behält seine hohe Qualität. Das Holz wird geborgen und als Stauseeholz bezeichnet. Es ist sehr gefragt, da es besonders widerstandsfähig gegen Fäulnis ist und sich ideal für den Aussenbereich eignet.

Ston Eiland
Mitten im Brokopondo-Stausee liegt Ston Eiland, eine Halbinsel, die heute als Erholungsort dient. Hier kann man angeln, schwimmen, in einfachen Hütten oder im eigenen Auto übernachten. Morgens hört man Brüllaffen. Eine meditative aber auch surreale Atmosphäre. Was den Ort so ungewöhnlich und einzigartig macht sind die vielen kleinen Inseln und die Bäume im See. Nackte Baumstämme ragen direkt aus dem Wasser.
Ston Eiland: 4.98984, -55.14735

Pokigron - das Ende der Strasse
In Pokigron endete die Strasse. Weiter ins Inland von Suriname kommt man nur noch mit dem Boot. Touristen werden von hier mit den Booten in die Lodges entlang des Flusses gebracht. Wir bevorzugen es in unsererm eigenen Auto zu schlafen, verzichteten auf den Ausflug zu einer Lodge und suchten uns einen Übernachtungsplatz. Irgendwo im Wald neben einer unbefestigten Strasse fanden wir einen Schattenplatz. Die Fahrt dorthin war bereits etwas abenteuerlich.

Am Platz fühlten wir uns dann auch nicht ganz so wohl denn es fuhren immer wieder Jungs auf dem Motorrad oder Quad inkl. Schrotflinte an uns vorbei 😬. Einen anderen Platz zu suchen war aufgrund der fortgeschrittenen Zeit keine Option also blieben wir. Die Nacht ware sehr angenehm und am Morgen weckten uns die Geräusche der Brüllaffen.
Im nächsten Dorf erkundigten wir uns dann, wieso hier alle mit der Schrotflinte unterwegs sind. Diese dient angeblich dazu, Affen zu jagen die anschliessend gegrillt werden. Ob das wohl stimmt 🤔?

Peperpot Naturreservat
Das Peperpot Naturreservat ist das Naherholungsgebiet der Einwohner von Paramaribo. Es liegt nur wenige Kilometer ausserhalb des Stadtzentrums. Einst Kaffeeplantage, heute ein grünes Refugium. Die gut ausgebauten Wege und die Ruhe des Parks boten einen willkommenen Kontrast zur lebhaften Hauptstadt.

Wir erkundeten das Naturreservat mit dem Fahrrad – vorbei an neugierigen Affen, bunten Vögeln und flatternden Schmetterlingen. Ein Tagesausflug, der entschleunigt und eine gute Alternative zu einem mehrtätigen Ausflug in den Dschungel.
Peperpot Naturreservat: 5.79443, -55.12216

River Breeze Domburg
Ein Hafen, ein paar Segelboote, ein Parkplatz für Overlander, die River Breeze Bar, ein Swimmimgpool und wunderschöne Sonnenaufgänge. Hier blieben wir eine Weile und liessen erst mal die Erlebnisse der letzten Wochen sacken. Das River Breeze ist der Treffpunkt der Weltumsegler und der wenigen Overlandern die sich nach Suriname verirren. Speziell war der Karaoke-Abend mit der Seglertruppe sowie der Sundowner auf dem Katamaran der Schweizer Segler Corinne und Michel.

Domburg selber hatte auch schon bessere Tage. Das Dorfzentrum ist geprägt von verlassenen Imbiss-Buden und einem kleinen Minimarkt. Sonst ist hier nicht viel los.
Trotzdem, das River Breeze ist ein Ort zum Entspannen und Weltenbummler zu treffen.
River Breeze Domburg: 5.70236, -55.08128

New Nickerie - das Reiszentrum
In der Gegend um New Nickerie befindet sich das 'Reiszentrum' von Suriname. Hier wird Reis für das ganze Land aber auch für den Export produziert. New Nickerie ist mit rund 13'000 Einwohnern die drittgrösste Stadt in Suriname. New Nickerie ist die letzte Stadt vor der Grenze nach Guyana. Nichts Besonderes, aber wenn man noch etwas Zeit hat bevor man sich am Hafen für den Grenzübertritt in die Schlange stellt. Die Fähre nach Guyana fährt in der Regel nur einmal pro Tag, bei grossem Andrang mehrmals.

Da sie schnell voll ist, stellten wir uns am Abend bereits in die Schlange und übernachteten vor Ort. Schon praktisch, wenn man das Bett dabei hat. Am nächsten Morgen ging es dann kurz nach 8h los. Wir mussten zuerst den Pass ausstempeln und danach das TIP für Piccolo abmelden. Dann hiess es vorerst einmal warten. Um 10.30h durfte Pit mit Piccolo auf die Fähre fahren, ich musste zu Fuss nach Guyana... nein, aber auf die Fähre 😏.
Fazit
Suriname ist kein typisches Reiseziel – und genau das macht es so besonders. Es ist vielleicht das kulturell vielfältigste Land Südamerikas. Durch die komplexe Kolonialgeschichte leben hier Menschen mit indischen, javanesischen (indonesischen), chinesischen, afrikanischen (Kreolen und Maroons), indigenen und europäischen Wurzeln friedlich zusammen. Mit über 90% Regenwaldabdeckung gilt Suriname oft als das waldreichste Land der Welt. Es ist sehr grün, aber auch sehr heiss. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist und die Guyanas bereist, sollte auf jeden Falle einige Tage in Suriname einplanen.
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