
Guyana steht selten ganz oben auf Reiselisten. Dabei ist dieses kleine Land an der Nordküste Südamerikas ein Ort voller Kontraste: dichter Regenwald, koloniale Architektur, indigene Traditionen und moderne Ölindustrie, Naturwunder und lebendige Städte. Ein weiteres Land auf dem Südamerikanischen Subkontinenten welches anders tickt. Englisch als Landessprache, Linksverkehr, britische Geschichte und ein Land im Umbruch.
In diesem Blogbeitrag teilen wir mit Euch unsere Highlights, schöne Orte, spannende Begegnungen und wertvolle Informationen für eine Reise mit dem eigenen Auto nach Guyana.

Ankunft in Moleson Creek
Nach rund 50 Minuten Fährfahrt von Suriname erreichten wir Moleson Creek. Die Einreise dauerte nochmals gute eineinhalb Stunden: Stempel in den Pass, neues TIP für unseren Piccolo, Kontrolle der Gelbfieberimpfung und auch des internationalen Führerausweises. Beides mussten wir bisher in keinem Land Südamerikas vorweisen! Dann durften wir endlich weiterfahren. Welcome to Guyana – Linksverkehr und Englisch als Landessprache 🇬🇧.

Guyana liegt an der Nordküste Südamerikas und ist das einzige englischsprachige Land des Kontinents. Die britische Kolonialzeit hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen – in der Architektur, im Verkehrssystem und in der Sprache. Gleichzeitig ist Guyana ethnisch extrem vielfältig: Menschen mit indischer, afrikanischer, chinesischer und indigener Herkunft prägen das Land. Ähnlich wie in Suriname, aber doch ganz anders.

Lange Zeit gehörte Guyana zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Das änderte sich, als der Ölkonzern ExxonMobil vor der Küste riesige Erdölvorkommen entdeckte. Seit Beginn der Förderung erlebt das Land einen massiven wirtschaftlichen Wandel. Der Einfluss der USA ist heute deutlich spürbar – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Stadtbild. Gleichzeitig sorgen geopolitische Spannungen, etwa Gebietsansprüche Venezuelas, immer wieder für Unruhe. Rund 90 % der Landesfläche sind von Regenwald bedeckt, grosse Teile davon nahezu unberührt.

Georgetown
Die Hauptstadt Guyanas wurde nach King George III benannt. Das Wahrzeichen der Stadt ist die weisse
St. George’s Cathedral, eine der höchsten Holzkirchen der Welt. Was uns sofort aufgefallen ist, sind die grossen Supermärkte, modernen Kinokomplexe und amerikanischen Restaurantketten – sie erinnern eher an die USA als an Südamerika. Der amerikanische Einfluss ist unübersehbar und vermutlich eng mit dem Ölboom verbunden.

Übernachten durften wir auf dem Gelände der Expo etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Tagsüber herrschte dort wegen einer bevorstehenden Ausstellung reger Betrieb, nachts war es aber angenehm ruhig. Wir durften unseren Piccolo auf einer Wiese vor einem gedeckten Ausstellerhäuschen parken. Von hier aus sind wir mit dem Auto in die Stadt gefahren, was ganz angenehm war. Die Stadt ist mit 200'000 Einwohnern überschaubar.

Während der Überfahrt nach Guyana haben wir Vickram kennengelernt. Er erzählte uns voller Stolz, Guyana sei eines der gastfreundlichsten Länder der Welt – und bewies es uns auch. Er und sein Businesspartner luden uns in das (anscheinend) beste asiatische Restaurant des Landes ein. Das Essen war hervorragend, aber noch wertvoller waren die Einblicke, die wir von den beiden bekamen. Es war ein sehr nettes Gespräch über Land und Leute in Guyana, die Welt und über unsere Reisen.

Kaieteur-Wasserfälle – Flug über den Regenwald
Mit unserem Piccolo kommen wir weit, aber nicht überall hin – so zum Beispiel auch nicht zu den Kaieteur-Wasserfällen. Also stiegen wir in eine kleine Cessna und flogen rund eine Stunde über den guyanesischen Regenwald. Der Flug war spektakulär: endlose Wälder, durchbrochen von unzähligen Goldminen, die wie helle Flecken aus dem Grün herausstachen. Die Umgebung der Wasserfälle ist extrem wild und unerschlossen – keine Hotels, keine Souvenirläden, nur tiefer Regenwald und Natur pur.

Die Kaieteur-Fälle gehören zu den höchsten Wasserfällen Amerikas. Der Kaieteur-Fluss stürzt hier in einer einzigen Stufe über 226 Meter in die Tiefe.An den Klippen wachsen riesige Bromelien, Orchideen und Farne und ernähren sich von der ständigen Feuchtigkeit aus Sprühnebel.
Wegen der langen Trockenzeit führte der Wasserfall jedoch wenig Wasser – der Rheinfall hätte aktuell wohl mehr zu bieten gehabt.

Trotzdem waren der kurze Spaziergang zum Fall und die Kulisse sehr beeindruckend. Besonders fasziniert haben uns die winzigen, goldfarbenen Frösche, eine seltene Art, die nur in wenigen Gebieten Guyanas vorkommt.
Es war ein eindrucksvoller Ausflug, vor allem wegen dem Flug über den Guyanischen Regenwald und der unberührten Wildnis.

Regen und Lehmpisten auf dem Weg nach Lethem
Unser nächstes Ziel ist Venezuela. Also mussten wir zurück nach Brasilien, da es keine direkte Verbindung von Guyana nach Venezuela gibt. Die Strasse durch den Regenwald bis zur brasilianischen Grenze, zwischen Georgetown und Lethem kann bei Regen extrem schmierig werden. Idealerweise sollte man sie in der Trockenzeit fahren.
Zunächst fuhren wir Richtung Linden, wo die Strasse noch geteert ist. Doch es schüttete aus Kübeln. Zweifel kamen auf: Sind wir schon zu spät? Es war bereits mitte November...

Wir übernachteten bei Shanes Campground und warteten geduldig bis sich die Sonne wieder zeigte. Pit konsultierte gefühlt alle zwei Stunden die Wetter-App – mal lag sie richtig, mal nicht. Wir beschlossen, einfach mal loszufahren und notfalls anzuhalten, wenn die Piste zu schlammig werden würde. Am ersten Tag erreichten wir bald Kurupukari und noch am selben Tag nahmen wir die Fähre über den Fluss. Das Wetter blieb stabil. Ein paar Kilometer nach der Flussüberquerung fanden wir einen ruhigen Nachtplatz mitten im Grünen.

Lethem – Ende der Amazonas-Runde
Noch 200 Kilometer trennten uns von Lethem. Die Strasse war recht gut befahrbar und nach etwa 100 Kilometern wechselte die Landschaft vom dichten Regenwald in eine offene Steppenlandschaft. Am Nachmittag zogen dunkle Wolken auf und die Piste wechselte zu einer ausgeprägten Wellblechstrecke. Kurz vor Lethem setzte schliesslich doch noch Regen ein. Aber wir kamen trotzdem ohne Probleme durch. Geschafft 😃!!

In Lethem endete unsere zweimonatige Amazonas-Runde welche uns von Porto Velho nach Manaus, weiter über den Amazonas nach Macapá und durch die Guyanas geführt hatte. Es war ein wunderschönes, intensives und unvergessliches Abenteuer. In der Trockenzeit (wir waren von Mitte September bis MItte November im Amazonas unterwegs) ist diese Strecke gut fahrbar – auch wenn unser Piccolo am Ende deutlich rot gepudert aussah.
Fazit
Guyana hat uns überrascht. Mit seiner Mischung aus britischem Erbe, kultureller Vielfalt, ungezähmter Natur und einem Land im wirtschaftlichen Umbruch. Es war ein Ort der Gegensätze – modern und ursprünglich, herausfordernd und herzlich. Da wir etwas spät, nämlich anfangs November und somit anfangs der Regenzeit in Guyana waren haben wir nur 10 Tage hier verbracht. Es hätte noch viel mehr zu sehen gegeben. Aber wir wollten die Lehmpiste nach Lethem möglichst bei trockenem Wetter fahren. Und das ist uns gelungen.
Guyana war der Schlusspunkt eines grossen Kapitels unserer Reise: das Ende unserer Fahrt durch den Amazonas. Ein Kapitel voller Regenwald, Pisten, Begegnungen und Erfahrungen, die bleiben. Ein ganz besonderes Kapitel auf unserer Südamerikareise, welches wir nicht missen möchten und uns in bester Erinnerung bleiben wird.
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🗺️ Klima
🔐 Sicherheit Abseits der Hauptstadt zeigt sich Guyana von seiner ruhigen Seite. In kleineren Orten und ländlichen Regionen begegnet man offenen, freundlichen Menschen und fühlt sich meist sicher und willkommen.
🏕️ Camping &
Wildcampen Freistehen ist grundsätzlich möglich, doch ein Gespräch mit Einheimischen oder ein kurzer Besuch bei der örtlichen Polizei schafft Sicherheit – und oft auch spannende Begegnungen.
🧺 Wäsche &
Wasser Leitungswasser sollte nicht ungefiltert getrunken werden. Filtern oder Abkochen ist empfehlenswert. Entsorgungsmöglichkeiten für Abwasser sind kaum vorhanden, daher ist eine sorgfältige Planung wichtig.
🚿 Duschen &
Hygiene
🛒 Einkaufen &
Preise Der Stabroek Market ist ein Erlebnis für sich – laut, farbenfroh, authentisch. Hier bekommt man frische Lebensmittel und taucht direkt ins lokale Leben ein. Die Preise sind moderat: günstiger als im benachbarten Französisch-Guyana, jedoch nicht ausgesprochen billig. Importierte Produkte können teuer sein.
💳 Geld &
Internet Da wir nur 10 Tage im Land waren haben wir die E-SIM von Sally verwendet. Das Netz ist in Städten gut, in abgelegenen Gebieten jedoch eingeschränkt.
🧑🤝🧑 Menschen &
Kultur Die Menschen sind neugierig, offen und oft sehr hilfsbereit. Da Englisch Amtssprache ist, fällt die Verständigung leicht – und Gespräche entstehen schnell.
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