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Der COVID-19 Sommer 2021 in Patagonien

Pozones de Caleufú am Rio Traful
Pozones de Caleufú am Rio Traful

Der Lockdown ist beendet. Zumindest im Moment. Die Argentinier haben Sommerferien und so hat Präsident Alberto Fernandez Lockerungen erlaubt. Das heisst jetzt aber nicht, dass wir uns frei im Land bewegen können. Wir benötigen ein 'Certificado Verano'. Das ist ein Dokument auf welchem wir bestätigen müssen, dass wir keine COVID-Symptome haben und auch nicht positiv getestet wurden. Darüber hinaus gibt es je nach Provinz, in welche wir reisen möchten weitere Dokumente, welche wir ausfüllen müssen. Wir nehmen diese kleine Hürde auf uns und machen uns nach 9 Monaten und 5 Tagen in Chilecito auf den Weg in den Süden. Wir wissen nicht, wie lange wir reisen können. Aber wir geniessen jeden Tag und nehmen möglichst viel von diesem wunderschönen Stückchen Erde mit. 


Der Boden ist steinhart: die Eisenrohre werden einbetoniert

22.12.2020: wir verlassen Chilecito

Nach 9 Monaten und 5 Tagen verlassen wir Chilecito mit gemischten Gefühlen. Einerseits fühlten wir uns hier sehr wohl und wir wissen nicht, wie lange wir reisen können, bevor die 2. Welle Argentinien erreicht, geschweige denn wo wir dann hängen bleiben werden. Andererseits freuen wir uns sehr, wieder reisen zu dürfen und den Sommer in Patagonien verbringen zu können. Wir fahren mit unserer Freundin Leonor nach La Falda in der Provinz Córdoba wo wir ihre Familie besuchen und zusammen Weihnachten feiern. Zusammen mit Leonor, Tia Lili und Tio Pancho geniessen wir die wiedergewonnene Freiheit.

Silvester 2020/21 in Patagonien mit Majanta und Explorersouls
Silvester 2020/21 in Patagonien mit Majanta und Explorersouls

31.12.2020: Overlander-Treffen in Patagonien

Wir verbringen das Neue Jahr mit Marita und Jan (Majanta) und  Patty und Stefan (Explorersouls) am wunderschönen Lago Queñi und tauschen Lockdown-Räubergeschichten aus 😊. Die vier haben den Lockdown ebenfalls in Argentinien ausgesessen und haben einiges zu erzählen. Der Lago und die Termas de Queñi liegen etwa 60 km von San Martín de los Andes und 10 km von Chile entfernt inmitten eines dichten Waldes. Die Fahrt zum Lago Queñi war vor allem für Patty und Stefan  etwas abenteuerlich. Die Strasse zwischen Hua Hum und dem Queñi-See besteht aus sehr lockerer Erde ohne Schotter, mit steilen Anstiegen und Furten. Kurz vor dem Free-Camping müssen wir einen breiten Fluss überqueren. Da es am Tag zuvor heftig geregnet hat, war der Wasserstand dementsprechend hoch. 

Die Quellen von Queñi
Die Quellen von Queñi

Für Piccolo kein Problem, doch unsere Freunde von Explorersouls haben kein 4x4-Fahrzeug. Der nette Guardaparque hat spontan angeboten, ihren Paco über den Fluss zu ziehen. Das hat wunderbar geklappt, aber bei Patty und Stefan etwas Herzklopfen verursacht. 

 

Die Tage sind sehr spannend und unterhaltsam und wir geniessen es sehr, uns wieder einmal 'Live' mit Gleichgesinnten auszutauschen. Rund 1h Fussmarsch vom Campingplatz entfernt befindet sich ein heisser Fluss der in den Lago Queñi fliesst. Zwei kleine Wasserfälle mit heissem Wasser bilden zusammen natürliche Pools die zum Relaxen einladen. Aber Achtung: das Wasser ist z.T. sehr heiss. Der Spaziergang durch den Bambus-Wald zu den Quellen von Queñi  ist wunderschön und ist sehr zu empfehlen. 

 

 

 

 

Happy Birthday Pit
Happy Birthday Pit

08.01.2021: Happy Birthday Pit!!

 

Nach fast einer Woche am Lago Queñi  fahren wir zurück nach San Martín de los Andes. Gerade rechtzeitig, um für Pits Geburtstag einzukaufen. Wir feiern mit Patty und Stefan im kleinen Kreis und geniessen mit den beiden noch ein paar Tage in San Martín.

 

San Martín de los Andes ist eine schmucke Stadt mitten im Seengebiet und zieht im Sommer viele reiche Argentinier (und auch Ausländer) an. Die Kleinstadt mit ihren vielen Holzhäusern und edlen Geschäften erinnert etwas an den Schweizer Nobelort-Gstaad. Hier kann man richtig schön Shoppen und viel Geld ausgeben. Für uns war das nach 9 Monaten Chilecito fast ein Kulturschock. Im Norden von Argentinien kriegt man zwar alles, was man zum Leben braucht aber das ist auch schon alles. 

Pozones de Caleufú
Pozones de Caleufú

11.01.2021: Pozones de Caleufú

Wir befinden uns im Seengebiet von Patagonien. Das heisst, in dieser Gegend befinden sich unzählige wunderschöne Seen und Flüsse. Einer davon ist der Rio Caleufú mit den Pozones del Caleufú ein paar Kilometer südlich von San Martín de los Andes an der RP 63 in der Provinz Neuquén. Hier an der Kreuzung der Flüsse Hua Hum und Meliquin entspringt der Caleufú. Das Wasser fliesst über erodierte Steine und bildet Pools, in denen man tauchen und schwimmen kann. Ein wunderschöner und noch unberührter Ort. 

 

 

 

Traumstrände am Lago Traful
Traumstrände am Lago Traful

12.01.2021: Traumstrände am Lago Traful

Gleich in der Nähe der Pozones del Caleufú befindet sich an der RP 65 der Lago Traful mit seinen wunderschönen türkisblauen Stränden. Von seinem bekannten Aussichtspunkt hat man einen unglaublichen Blick über den See und die Strände. Am See liegt das kleine Dorf Villa Traful sowie unzählige Campingplätze. Die Haupttätigkeit hier am See ist vermutlich das Angeln, denn am Ufer findet man immer wieder Herren, die geduldig auf den dicken Fisch warten. Wir haben es uns ein paar Tage auf dem Camping Agreste Arroyo Cataratas gemütlich gemacht und haben den See und den nahegelegenen Wasserfall genossen. 

Prost vom Lago Traful
Prost vom Lago Traful

Gleich neben dem Campingplatz startet der Sendero Huella Andina nach Villa la Angostura. Der Track ist 26 km lang und dauert 2 Tage (Tag 1: 7h, Tag 2: 5h). Von November bis April kann die Strecke ohne Guide bewandert werden. In  der Mitte befindet sich ein Refugio, in welchem man übernachten kann. Gerne wären wir die Strecke gewandert. Doch leider fahren in Zeiten von Corona keine Busse von Villa la Angostura zurück nach Villa Traful. 

Ausblick in Villa la Angostura auf den Lago Nahuel Huapi
Ausblick in Villa la Angostura auf den Lago Nahuel Huapi

16.01.2021: Wir sind im Seengebiet

Wir sind schon wieder seit 4 Wochen unterwegs. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Im Moment sind wir im Seengebiet in der Nähe von Bariloche. Man sagt über diese Region, es sei die Schweiz von Argentinien. Stimmt irgendwie. Viele Berge und Bariloche ist die Schoggi-Hochburg von Argentinien. Das Reisen in Patagonien ist bis jetzt problemlos möglich. Kontrollen finden nur sehr selten statt und meistens genügt die Beantwortung der Frage, wo wir hin wollen. Obwohl die ausländischen Touristen in diesem Jahr ausfallen, sind trotzdem sehr viele Leute anzutreffen. 

Aufstieg auf den Cerro 0'Connor
Aufstieg auf den Cerro 0'Connor

17.01.2021: Aufstieg auf den Cerro o'Connor

Am Lago Nahuel Huapi liegt das kleine Dorf Puerto Manzano, gleich neben dem bekannten Feriendorf Villa la Angostura. Hier in der Gegend hat es uns eindeutig zu viele Leute, also beschliessen wir, uns in die Berge zu verkriechen. Wir erkundigen uns im Touristen-Büro nach Wanderungen in der Gegend und entscheiden uns für den Cerro o'Connor. Der Aufstieg ist ziemlich steil und führt anfangs durch den dichten Wald. Nach etwa der Hälfte führt der Weg aus dem Wald hinaus und über Steine und Sand hinauf auf den Gipfel. 

Cerro 0'Connor mit Blick auf den Lago Nahuel Huapi
Cerro 0'Connor mit Blick auf den Lago Nahuel Huapi

Die Aussicht von oben ist einmalig. Mit etwas Wetterglück sieht man auf den Cerro Tronador, den Vulkan Osorno in Chile und die nahegelegene Stadt Bariloche. Der Abstieg war einfach. Unten angekommen fragen wir einen Einheimischen, ob wir auf dem Wanderparkplatz oberhalb des Dorfes Puerto Manzano übernachten dürfen. Selbstverständlich!

 

Distanz: 10 km (hin und zurück) 

Dauer: 5 - 6h

Höhe: 1'890 m.ü.m

Höhenmeter: rund 1'000 m

 

Steil hinauf auf den Cerro Piltriquitrón
Steil hinauf auf den Cerro Piltriquitrón

23.01.2021: es geht noch steiler - Hinauf auf den Cerro Piltriquitrón in El Bolsón

Sein Name ist für uns kaum aussprechbar. Pil-tri-qui-trón. Klingt aber wunderbar in den Ohren und bedeutet in der Mapiche-Sprache "an den Wolken hängen". Ein paar Kilometer vom Stadtzentrum El Bolsón führt eine Schotterstrasse den Hang hinauf. Man braucht kein 4x4-Fahrzeug, aber die Strasse ist in einem traurigen Zustand. Auf 1'200 m befindet sich der Wanderparkplatz, von wo die Wanderung beginnt.

Auf dem Cerro Piltriquitrón
Auf dem Cerro Piltriquitrón

Zuerst führt der Weg durch den Wald an Holzschnitzereien vorbei, dem Bosque Tallado. Nach einer Stunde durch den Wald erreichen wir das schmucke Refugio Piltriquitrón, von wo wir einen unglaublichen Ausblick auf die Anden haben. Auf den Cerro Tronador, den Cerro Tres Picos, das wunderschöne Tal des Azul-Flusses und bei guter Sicht sogar auf den Vulkan Osorno auf chilenischem Gebiet. Hinter dem Refugio führt der Weg hinauf auf den Gipfel. Das letzte Stück ist sehr steil und steinig. Oben angekommen wird man aber mit einem atemberaubenden Blick auf die Anden und den Lago Puelo belohnt. 

Der steile Gipfel des Cerro Piltriquitrón : da sind wir hoch gekrochen
Der steile Gipfel des Cerro Piltriquitrón : da sind wir hoch gekrochen

Der Cerro Piltriquitrón ist unser bisheriger Favorit. Wir sind gespannt, was noch folgen wird.

 

Distanz: 13 km (hin und zurück) 

Dauer: 5 - 6 h

Höhe: 2'260 m.ü.m 

Höhenmeter: 1'087 m 

 

Das Hippie-Städtchen El Bolsón  mit seinen Cafés, Restaurants und kleinen Läden ist übrigens ganz nett. Ein Besuch lohnt sich.

 Badeferien in Patagonien: Nationalpark los Alerces
Badeferien in Patagonien: Nationalpark los Alerces

30.01.2021: Strandferien im Nationalpark los Alerces

Nachdem wir uns von der Wanderung zum Cerro Piltriquitrón erholt haben, ging unsere Reise weiter Richtung Süden. Unser nächstes Ziel war der Nationalpark Los Alerces, rund 50km von Esquel entfernt. Der viertgrösste Nationalpark Argentiniens grenzt im Westen an die Anden. Er zeichnet sich aus durch Jahrhundert Jahre alte 'Alerces', einer langlebigen Zypressenart. Die vielen Flüsse und Seen machen den Park im Sommer sehr attraktiv für Badeurlaub. Zudem kommen zahlreiche Besucher hierher zum Fischen. Leider haben wir immer noch keine Fischerrute dabei...

 

 

Cerro Cocinero im Nationalpark los Alerces
Cerro Cocinero im Nationalpark los Alerces

Wir haben allerdings nicht nur Badeferien gemacht, sondern sind auch auf den Cerro Cocinero gestiegen. Der Weg führt fast ausschliesslich durch den Zypressenwald, der vor ein paar Jahren einen heftigen Waldbrand erlitten hat. Der Wanderweg geht stetig aufwärts bis man am Ende auf einer hübschen Alp ankommt. Rund herum sind Berge, wir befinden uns in einem Bergkessel. Daher vermutlich auch der Name Cocinero.

 

Distanz: 7.5 km (hin und zurück) 

Dauer: 5 h

Höhe: 1'488 m.ü.m 

Höhenmeter: 889 m 

 

Übernachtungsplatz beim Lago Belgrano im Nationalpark Perito Moreno
Übernachtungsplatz beim Lago Belgrano im Nationalpark Perito Moreno

05.02.2021: weiter Richtung Süden? 

Unsere Highlight dieser Patagonien-Tour wäre eigentlich der Nationalpark Perito Moreno. Dieser liegt etwas abseits, weshalb sich auch in Nicht-Corona-Zeiten nur gerade etwas über 1'000 Touristen pro Jahr hier her verirren. Ein Geheimtip für Patagonien Reisende. Das haben wir jedenfalls von anderen Reisenden gehört, da wollen wir unbedingt hin. Auf der Webseite des Nationalparks heisst es, es werden nur Einheimische rein gelassen. Zudem ist die Provinz Santa Cruz, in welcher sich der Nationalpark befindet, eine der strengsten Provinzen. Man muss diverse Papiere ausfüllen und eine gebuchte Unterkunft vorweisen, heisst es auf deren Webseite.

Morgenstimmung: Blick auf den Cerro San Lorenzo
Morgenstimmung: Blick auf den Cerro San Lorenzo

Weiter haben wir von anderen Reisenden gehört, dass man nur zum Tanken anhalten darf. Die Dörfer sind komplett abgeriegelt von Touristen. Wir überlegen lange, ob wir den Weg auf uns nehmen wollen. Immerhin sind es noch knapp 1'000 Kilometer. Und wenn sie uns nicht rein lassen? Wir beschliessen, die Dokumente auszufüllen und schreiben eine E-Mail an das Nationalpark-Sekretariat. Vielleicht machen sie eine Ausnahme und lassen uns trotzdem rein. Wir sind schliesslich fast die einzigen ausländischen Touristen hier. Einen Tag später erhalten wir ein Bestätigung, dass wir in den Nationalpark dürfen. Der Park ist für alle Touristen offen, die Webseite war nicht aktuell.... Jetzt ist klar, wir fahren da runter.

 

Besuch von Guanacas im Nationapark Perito Moreno
Besuch von Guanacas im Nationapark Perito Moreno

Diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. EIn paar Kilometer nach der Überschreitung der Provinzgrenze zu Santa Cruz folgt der erste Kontrollposten. Die nette Polizistin möchte unsere Dokumente sehen und erkundigt sich, wohin wir fahren. Wir zeigen ihr die Papiere vom Nationalpark. Alles o.k., wir können weiter fahren. Bei in der nächsten Stadt Perito Moreno füllen wir unseren Dieseltank und den Kühlschrank. Der Park ist abgelegen und einzukaufen gibt es da nichts. Wir übernachten unterwegs noch einmal und fahren am nächsten Tag in den Park. Türkisblaue Seen, schneebedeckte Bergspitzen, eiskalte Gletscherflüsse, ein rauhes Landschaftsbild, Guanacos, Pumas, tausende Vögel und.... eine unfassbare Stille erwartet uns.

 

Geschafft: wir stehen auf dem Cerro Leon
Geschafft: wir stehen auf dem Cerro Leon

Das ist der Nationalpark Perito Moreno. Ein Wanderparadies ein paar hundert Kilometer nördlich des bekannten Touristenortes El Chaltén, aber hier gibt es kaum Touristen. Wir verbringen hier 10 Tage und machen ausgiebige Wandertouren. Das Highlight ist die 2-Tageswanderung zum Refugio San Lorenzo und dem nahegelegenen Gletscher beim Cerro San Lorenzo. Bei strahlendem Sonnenschein verbringen wir im Nationalpark 10 traumhafte Tage.... ja, wir haben uns ein bisschen in ihn verliebt. 

 

Mehr Details zum Park und Infos zu den Wanderungen findet Ihr im Blog der Schweizer Overlander SwissNomads

 

Tankstelle in Tres Lagos
Tankstelle in Tres Lagos

14.02.2021: unser Kühlschrank ist leer

Nach 10 Tagen im Nationalpark Perito Moreno brauchen wir dringend Essensnachschub. Wir fahren in die nächstgelegene Stadt Gobernador Gregores, welche 220 km entfernt ist und möchten Tanken und Einkaufen. Bei der Einfahrt zur Stadt werden wir von einer Polizistin kontrolliert. Wir dürfen nur bis zu Tankstelle fahren, einkaufen dürfen wir nicht. Die Läden sind für Nicht-Einheimische geschlossen. Dass unsere Essensvorräte alle sind, interessiert sie nicht. Wir diskutieren nicht lange und beschliessen, erst mal zur Tankstelle zu fahren. 

 

Unterwegs nach El Chaltén
Unterwegs nach El Chaltén

Hm, eigentlich könnten wir ja zum Supermarkt fahren, denn ab hier kontrolliert niemand mehr. Typisch Argentinien.

Gesagt getan: wir parken hinter dem Supermarkt, denn wir wollen nicht auffallen. Ich stelle mich in die Schlange vor dem Laden und werde schon bald reingelassen. Ich fülle meinen Einkaufswagen, habe aber dabei ein ziemlich komisches Gefühl. Ich bilde mir ein, dass mich die Leute im Laden richtiggehend anstarren. Egal, ich bezahlte meine Einkäufe und verlasse den Laden mit vollem Einkaufswagen. Jetzt nur noch schnell einladen und weg hier...

 

 




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