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COVID-19: gestrandet in Argentinien

Am 17.03.2020 sind wir in Guanchin gestrandet
Am 17.03.2020 sind wir in Guanchin gestrandet

COVID-2019 hat mittlerweile auch Argentinien erreicht. Seit dem 17. März 2020 stehen wir still. Wie erleben wir die Coronakrise hier in Argentinien? Welche Gedanken machen wir uns über eine allfällige Rückkehr in die Schweiz? Wie können wir unser Visum verlängern? Wie sehen unsere Tage hier aus?  Welche Erfahrungen machen wir mit den Einheimischen und der Polizei? Funktioniert das Gesundheitssystem? 

 

Diese und andere Fragen beantworten wir Euch In diesem Blog. Wir berichten aus unserem Corona-Tagebuch und nehmen Euch 'virtuell' mit nach Argentinien. Die Quarantäne ist noch nicht zu Ende. Der Blog wird laufend ergänzt... 

 

 


Aussichtsplattform Guanacos: Nationalpark Sierra de las Quijadas
Aussichtsplattform Guanacos: Nationalpark Sierra de las Quijadas

15.03.2020: im Nationalpark Sierra de las Quijadas

Der Nationalpark Sierra de las Quijadas mit seinen roten Felsen erinnerte uns irgendwie an den Grand Canyon, einfach ein bisschen kleiner. Wir haben wieder einmal die Wanderschuhe geschnürt und sind zur Aussichtsplattform Guanacos marschiert. Im Nationalpark gibt es einen kostenlosen Campingplatz mit WC-Anlage und warmen Duschen. Es ist sehr heiss und wir hatten kostenloses Internet. Also beschliessen wir, noch eine Nacht länger zu bleiben. 

Nationalpark Sierra de las Quijadas
Nationalpark Sierra de las Quijadas

16.03.2020: der Nationalpark wird geschlossen

Wir kochen gerade unser Mittagessen zu, als die Nationalpark-Rangerin vorbei kommt und uns mitteilt, dass der Park  wegen dem Coronavirus geschlossen wird. Alle Nationalparks in Argentinien werden geschlossen. Wir haben zwar gehört, dass fast alle Länder in Südamerika die Grenzen schliessen werden wegen dem Virus, aber dass nun auch die Nationalparks geschlossen werden überrascht uns. Corona war für uns bis zu diesem Tag etwas, was in Asien und neu auch in Europa stattfindet... ein bisschen naiv vielleicht...

Nationalpark Sierra de las Quijadas
Nationalpark Sierra de las Quijadas

In Südamerika war Corona bis dato noch fast kein Thema. Wir dürfen noch in Ruhe unser Mittagessen geniessen und anschliessend machen wir uns auf den Weg. Wir schlagen den direkten Weg Richtung Norden ein und beschliessen, eine Nebenstrasse zu nehmen. Ein bisschen Offroad fahren tut unserem Piccolo gut. Gegen Abend finden wir ein gemütliches Plätzchen weit ab von jeglicher Zivilisation. 

Auf der Nebenstrasse über den Salzsee Lago Pampa de las Salinas nach Chepes
Auf der Nebenstrasse über den Salzsee Lago Pampa de las Salinas nach Chepes

17.03.2020: die Jagd beginnt...

Wir müssen einkaufen, also suchen wir auf der Karte den nächst grösseren Ort. Wir finden auf der Karte Chepes und fahren in diese Richtung. Bei der YPF-Tankstelle parken wir unseren Piccolo und sitzen im Auto. Bei den Tankstellen gibt es oft kostenloses Internet. Wir erkundigen uns über die neusten Auswirkungen des Coronavirus. Plötzlich stehen drei Polizisten mit Sicherheitsabstand neben unserem Auto und wollen unsere Papiere sehen. Sie wirken etwas irritiert und telefonieren, gehen mit unseren Pässen weg, kommen wieder, telefonieren wieder. Wir haben den Eindruck, dass sie nicht so genau wissen was sie mit uns anstellen sollen.

Unterwegs nach Chilecito
Unterwegs nach Chilecito

Anscheinend wurden seit zwei Tagen in Argentinien alle grösseren Strassen kontrolliert und alle Ausländer genau unter die Lupe genommen, erfuhren wir später. Davon haben wir im Nationalpark nichts mitgekriegt. Wer weniger als 14 Tag in Argentinien ist, muss für 14 Tage in Quarantäne (einige wurden festgehalten, andere wurden gebeten, das Dorf auf dem direktem Weg zu verlassen). Zum Glück sind wir bereits seit drei Wochen in Argentinien. So müssen wir nicht in Quarantäne. Die Polizisten bleiben höflich. Sie bitten uns mitzukommen und einen Gesundheitstest zu absolvieren. Beim Kontrollposten ausserhalb des Dorfes stellen uns zwei weitere Polizisten Fragen. Woher wir kommen und wie lange wir schon im Land sind. Sie halten uns den Fiebermesser an die Stirn. Alles gut, wir dürfen weiter fahren. Die Polizisten erklären uns den Weg aus der Stadt sehr genau und entschuldigen sich für die Unannehmlichkeiten. Jetzt realisieren wir, dass es ernst gilt. Wir fahren weiter nach Norden, überlegen und diskutieren lange ob es die richtige Entscheidung ist, hier in Argentinien zu bleiben. Chile oder Uruguay sind die Alternativen, zumal uns Alicia, bei welcher wir unser erstes Workaway-Projekt in Uruguay absolviert haben, Asyl angeboten hat. Bolivien kommt nicht in Frage. Wir entscheiden uns schlussendlich in Argentinien zu bleiben. Es ist ein Bauchentscheid. Ob Argentinien die richtige Entscheidung ist werden wir in ein paar Wochen sehen… 😊. Auf unserem Weg Richtung Norden - war haben auf der Karte Chilecito als grösseren Ort entdeckt - machen wir in einem kleinen Dorf Pause. Wir setzen uns auf die Parkbank und essen eine Kleinigkeit. Nach 5 Minuten bekommen wir Besuch von einem Polizisten.

Krankenwagen bei der Polizeikontrolle in Vichigasta
Krankenwagen bei der Polizeikontrolle in Vichigasta

Unsere Pässe werden kontrolliert und das Datum unserer Einreise nach Argentinien genau unter die Lupe genommen. Wir werden höflich aber bestimmt gebeten, das Dorf zu verlassen. Der Polizist eskortiert uns an die Dorfgrenze, um sicher zu gehen, dass wir das Dorf verlassen. Weiter geht es Richtung Chilecito! Eine Stunde später werden wir wieder angehalten. Diesmal von der Gendarmería, der Nationalen Polizei. Sie kontrollieren unsere Pässe, stellen uns Fragen, telefonieren, geben uns die Pässe wieder zurück, nehmen uns die Pässe wieder ab, telefonieren wieder. 

Gesundheitstest in Vichigasta
Gesundheitstest in Vichigasta

Auch hier hier haben wir den Eindruck, als ob sie nicht so genau wissen was sie mit uns machen sollen. Schlussendlich müssen wir uns einem weiteren Gesundheitstest unterziehen. Wir warten 30 Minuten, bis ein Krankenwagen vorfährt und zwei Personen mit Schutzanzug aussteigen. Dieser Test ist etwas ausführlicher. Fieber messen, Lunge abhören, Zunge rausstrecken, diverse Gesundheitsfragen beantworten. Die Polizisten machen fleissig Fotos von uns mit ihren Handys... Wir haben den Test bestanden und erhalten ein Gesundheitszertifikat. Weiter geht's. Kurz vor Chilecito die nächste Kontrolle.

Polizeikontrolle vor Chilecito
Polizeikontrolle vor Chilecito

Da wir nun ein Zertifikat dabei haben geht die Kontrolle sehr schnell. Es ist bereits Abend und wir beschliessen, den Campingplatz in Chilecito aufzusuchen. Doch leider dürfen wir nicht bleiben, denn wegen der Coronakrise dürfen sie nur eine begrenzte Anzahl Gäste aufnehmen. Wir sind müde und finden noch vor dem Eindunkeln einen Schlafplatz in den  etwas kühleren Bergen (es war diese Tage sehr heiss). In Guanchin, 20km ausserhalb Chilecito installieren wir uns für die nächsten Tage. Wir wollen ein paar Tage bleiben und uns von den nervigen Kontrollen der Polizisten erholen. 

Gestrandet in Guanchin / Argentinien
Gestrandet in Guanchin / Argentinien

18.03.2020: nix mit ausschlafen und erholen

In dieser Nacht haben wir kaum geschlafen. Kurz vor 9h steht eine junge Dame mit einem Sicherheitsabstand von zwei Meter neben unserem Piccolo. Ich schaue aus dem Fenster und sehe, dass die Dame eine Leuchtweste trägt. Ojee, vermutlich will sie uns los werden. Ich gehe raus und tatsächlich… sie teilt uns mit, dass wir hier nicht bleiben dürfen. Ich erzähle ihr von unseren diversen Kontrollen und dem Gesundheitstest und dass wir schon lange in Südamerika sind. 

Dunkle Wolken in Guanchin / Argentinien
Dunkle Wolken in Guanchin / Argentinien

Ich erkläre ihr, dass wir auf dem Campingplatz in Chilecito weggewiesen wurden und wir nicht wissen, wo wir hin gehen sollen. Sie meint etwas mitleidig, dass es ihr leid tut und wir uns an die Polizei wenden müssen. Fünf Minuten später kommt sie zurück mit einem Kollegen, welcher unsere Pässe und das Gesundheitszertifikat kontrolliert. Er meint höflich, wir sollen hier warten. Er schicke eine Person vorbei, welche unsere Personalien aufnehmen wird.  Doch es niemand vorbei an diesem Tag. Also bleiben wir hier stehen und hoffen, dass wir bleiben dürfen. 

Ausgangssperre in Argentinien
Ausgangssperre in Argentinien

19.03.2020: Ausgangssperre bis zum 31.03.

Eine weitere unruhige Nacht liegt hinter uns. In der Zwischenzeit erfahren wir, dass alle Campingplätze und Hotels in Argentinien geschlossen wurden und diverse Overlander von den Plätzen weggeschickt wurden. In Argentinien wird die Ausgangsperre bis zum 31.03. verhängt . Wir überlegen, was wir machen sollen doch uns wird schnell klar, weiter fahren macht keinen Sinn. Gegen Abend kommt der angekündigte Herr vorbei und nimmt unsere Personalien auf, fotografiert unsere Pässe und unser Gesundheitszertifikat. Wir dürfen bleiben! 

Traumhafter Platz in Guanchin
Traumhafter Platz in Guanchin

In der nächsten Nacht schlafen wir wunderbar. Ab jetzt nehmen wir die Situation gelassen. Wir haben einen wunderschönen Platz an einem Bergfluss, frisches Wasser, eine Privatbadi, Bergsicht, 25 – 30 Grad, Sonnenschein. Unser Nachbar stellte sich bei uns vor, der eine oder andere hält bei unserem Platz an und plaudert mit uns oder hupt beim Vorbeifahren. Auch die Polizei patroulliert und winkt. Man kennt uns offensichtlich. Das Dorfzentrum ist 2km entfernt. Dort bekommen wir das Nötigste was aber völlig ausreicht. Bis Ende Monat halten wir es hier locker aus.

Guanchin, das Walnussdorf
Guanchin, das Walnussdorf

20.03.2020: Guanchin, das Walnussdorf

Bei uns auf dem Berg ist Hochbetrieb. Guanchin ist offensichtlich DAS Walnussdorf in La Rioja. Traktore fahren den ganzen Tag mit gefüllten Anhängern von hier ins Dorf um die gesammelten Nüsse auf die Lastwagen zu verteilen. Ein Bus mit Erntehelfern fährt an uns vorbei. Wir winken und die Leute johlen uns zu. Im Dorf gibt es einige Fincas mit Walnussplantagen. Es ist Erntezeit.

Einkaufen in Guanchin
Einkaufen in Guanchin

21.03.2020: zum ersten  Mal einkaufen in Guanchin

Heute spazieren wir ins Dorf zum einkaufen. In Guanchin leben etwa 190 Einwohner. Wir sind etwas angespannt. Werden sie uns bedienen? Es ist ruhig im Dorf. Auf der Strasse sind nur wenig Leute. Im Dorfladen dürfen sich nur 3 Kunden aufhalten, wir warten draussen. Die Leute begegnen sich mit Abstand, auch unter den Einheimischen. Jeder versucht, dem anderen nicht zu Nahe zu kommen. Die Verkäuferin – sie machte einen etwas ängstlichen Eindruck – fragt uns woher wir kommen. Doch wir werden nett bedient. 

Jan und Marita (majanta.net) in Belén
Jan und Marita (majanta.net) in Belén

22.03.2020: wir sind nicht allein

Heute erreicht uns eine Sprachnachricht von Jan und Marita (majanta.net). Wir kennen die beiden (noch) nicht. Der Kontakt entstand über ein der diversen WhatsApp-Gruppen von in Argentinien gestrandeten Overlandern, welche über Facebook-Reise-Foren publiziert wurden. Die beiden stehen 250 km nördlich von uns in Belén auf einem Campingplatz und absolvieren eine "echte" Quarantäne. Da sie noch keine 14 Tage in Argentinien sind, dürfen sie den Platz nicht verlassen und auch nicht selber einkaufen gehen. Das wird von der Defensa Civil, dem örtlichen Zivilschutz erledigt. Die beiden hatten eine unglaubliche  Irrfahrt hinter sich, bis sie hier in Belén aufgenommen wurden. Da haben wir richtig Glück gehabt. Aber lest selber in ihrem Bericht... 

Unsere  Quarantäne-Waschküche
Unsere Quarantäne-Waschküche

24.03.2020: wir machen es uns in Guanchin gemütlich

Die Tage vergehen wie im Flug. Wir kümmern uns täglich um frisches Wasser, reinigen die Toilette (zum Glück haben wir mittlerweile eine Trockentrenntoilette), waschen unsere Wäsche, putzen unseren Piccolo, lernen Spanisch, machen Gymnastikübungen, geniessen eine Abkühlung im Fluss, lesen oder spielen, sortieren unsere Fotos, schneiden die vielen Videos, die wir in den letzten Wochen gedreht haben, sammeln den Müll ein den die Einheimischen liegen gelassen haben…  

#homeiswhereyouparkit
#homeiswhereyouparkit

Und über unsere sehr schlechte Internetverbindung versuchen wir uns auf dem Laufenden zu halten, was um uns herum geschieht. Ehrlich gesagt: hätten wir kein Internet, würden wir hier oben nichts von der Coronakrise mitkriegen. Wir fühlen uns sehr gut aufgehoben hier in Argentinien und sind froh, dass die Regierung so konsequent handelt und die Ausgangssperre lanciert hat.  

Wandern in Guanchin
Wandern in Guanchin

26.03.2020: wir schnüren unsere Wanderschuhe

Die Einheimischen ermuntern uns, ihre Berge zu erkundigen. Aber was ist mit der Ausgangssperre? Die scheinen das hier oben nicht so genau zu nehmen… Wir haben bisher gezögert, doch heute schnüren wir unsere Wanderschuhe und steigen den Berg hinauf. Wohl ist uns dabei allerdings nicht. Was, wenn die Polizei in dieser Zeit vorbeifährt und wir nicht da sind? Egal, wir gehen trotzdem wandern. 200 Meter von unserem Platz entfernt beginnt der 10 km lange Wanderweg. Wir fotografieren die Karte und machen uns auf den Weg. Anfangs ist der Weg gut markiert, doch dann verliert sich die Markierung.

 

 

Guanchin, das Walnussdorf
Guanchin, das Walnussdorf

Weit oben sehen wir eine Person den Hügel hinauf steigen. Dort muss wohl der Weg sein. Wir wandern den Berg hoch, und weiter hoch…. Irgendwann müssten wir doch rechts abbiegen und über die nächste Bergkette wandern. So sieht der Weg zumindest auf der Karte aus. Wir beschliessen umzukehren. Offensichtlich sind wir vom Wanderweg abgekommen und haben einen Pferdepfad erwischt. Auf dem Rückweg kommen wir an einer kleinen Walnussplantage vorbei. Die Äste der Bäume reichen über den Haag hinaus auf den Wanderweg. Pit versucht mit seinen langen Armen ein paar Nüsse zu pflücken und wir nehmen eine kleine Tüte mit nach Hause.  

 

 

Pit hat immer etwas zum schrauben...
Pit hat immer etwas zum schrauben...

31.03.2020: die Ausgangssperre wird verlängert

Wir dürfen/müssen noch ein Weilchen hier bleiben. Die Ausgangssperre wird bis zum 12. April verlängert. In unserem Piccolo haben wir alles was wir brauchen zum leben. Also kein Problem für uns. Was sind schon vier Wochen in unserem Leben... Pit hat immer etwas zum schrauben und ich koche und sortiere Fotos und Videos. Langweilig wird uns nicht.

Wir fahren zum einkaufen nach Chilecito
Wir fahren zum einkaufen nach Chilecito

02.04.2020: Einkaufen in Chilecito

Mit gemischten Gefühlen fahren wir nach Chilecito. Heute versuchen wir, in der 20km entfernten Stadt einzukaufen. Im Dorfladen von Guanchin kriegen wir zwar das Notwenigste. Doch unsere Gasflaschen werden immer leichter und wir möchten Luxusartikel wie Kaffee, Tee oder Olivenöl einkaufen. Wir sind sehr angespannt denn wir wissen nicht, was uns in Chilecito erwartet. Lässt uns die Polizei überhaupt in die Stadt? Dürfen wir als Ausländer einkaufen? Wir fahren bis zum ersten Supermarkt, steigen aus und gehen in den Laden. Keine Kontrolle...

Einkaufen in Chilecito
Einkaufen in Chilecito

Bis auf die Tatsache, dass die Kassiererin einen Mundschutz trägt ist alles normal. Wir füllen unseren Einkaufskorb, gehen zur Kasse. Sogar Wein haben wir eingekauft obwohl wir gehört haben, dass während der Ausgangssperre kein Alkohol verkauft werden darf. Wir steigen ins Auto uns fahren weiter. Unser nächstes Ziel ist der Gashändler. Hinter uns sehen wir auf einmal ein Polizeiauto. Sie fahren hinterher uns her und biegen auch ab als wir abbiegen, halten vor uns an und steigen aus. Die drei Polizisten kommen uns nicht zu nahe. Sie scheinen etwas irritiert zu sein wegen unserem Kontrollschild. 

Schnee in der Famatina
Schnee in der Famatina

‘Ist das Kontrollschild von hier?` fragen sie uns. Wir erklären ihnen, dass wir seit Oktober in Südamerika sind und dass wir ein Gesundheitszertifikat haben. Ich wollte ihm das Zertifikat zeigen doch der Polizist macht einen Schritt zurück. Vermutlich hat er Angst, von den Ausländern angesteckt zu werden 😊. Sie schenken uns einen Mundschutz. Pit packt die Gasflaschen und geht zum Gashändler. Ich bleibe bei den Polizisten. Der eine telefoniert mit seinem Chef. Ich warte. Mittlerweile kam sein Kollege zu mir und plauderte, mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Ich erzähle ihm nochmals, dass wir seit Oktober in Südamerika sind und zeigte ihm Fotos von unserem Gesundheitscheck. Auf dem Foto ist die Krankenschwester mit Schutzanzug zu erkennen. Er erzählt es seinem Kollegen am Telefon und auf einmal wirken sie entspannter, fotografieren unsere Pässe und unser Gesundheitszertifikat. Alles ok, wir dürfen weiter einkaufen. Ich mach mich auf den Weg zu Pit. Vor dem Laden des Gashändlers kontrolliert uns ein weiterer Polizist. Er verlangt unsere Pässe, stellt uns ein paar Fragen, plaudert und lässt uns kurz darauf weiter einkaufen. Vor dem Eingang des nächsten Supermarktes werden unsere Hände desinfiziert. Die Angestellten im Laden tragen alle Helme mit Gesichtsschutz aus Plexiglas. Sehr einfallsreich, finden wir. Der Kauf von Alkohol wurde uns dieses Mal verweigert, doch wir können unseren Essensvorrat für die nächsten Wochen auffüllen. Wir fahren zurück nach Guanchin und begegnen einer weiteren Polizeistreife. Die Polizisten kontrollieren unsere Papiere, stellen ein paar Fragen und schicken uns zur Dorfkrankenschwester, um unsere Temperatur zu messen. Nach einer viertel Stunde ist auch das erledigt.

Unterwegs Richtung Mina del Oro
Unterwegs Richtung Mina del Oro

Da wir schon mal mit Piccolo unterwegs sind, machen wir einen kleinen Ausflug zur nahe gelegenen Mina del Oro. Unsere Boardbatterie ist noch nicht voll und muss schliesslich wieder auf 100 % aufgeladen werden 😊. Übrigens, wir haben in den letzten zwei Wochen unser Auto nie bewegt und haben die Batterie ausschliesslich mit Solarenergie aufgeladen. Wir können also problemlos zwei Wochen autark stehen!

Unterwegs Richtung Mina del Oro
Unterwegs Richtung Mina del Oro

Die Strecke zur Mina del Oro führt hinter unserem Übernachtungsplatz etwa 15 km den Berg hinauf, durch kleine Flüsse und unbefestigte Strassen. Da es die beiden Tage zuvor heftig geregnet hat, ist der zweite Teil der Piste ziemlich schlammig. Wir sind bereits auf 2’500 Meter als wir aufgrund der schlechten Piste umkehren. Wir wollen nicht riskieren, dass wir im Schlamm stecken bleiben und fahren zurück zu unserem Übernachtungsplatz. Schön, dass wir Piccolo wieder einmal bewegen konnten.

 

Flavio mit seinen Jungs Lautaro und Mateo
Flavio mit seinen Jungs Lautaro und Mateo

03.04.2020: die Dorfbewohner kümmern sich um uns

Heute morgen besucht uns die Dorfkrankenschwester Monica und hinterlässt uns ihre Telefonnummer, sollten wir mal  ihre Hilfe brauchen. Wir sind sehr dankbar über diese Geste. Später erhalten wir Besuch von unserer Nachbarin, welche uns frische Tomaten aus ihrem Garten und selbst gesammelte Nüssen vorbei bringt. Flavio, ein Dorfbewohner schaut mit seinen zwei neugierigen Jungs vorbei. Ein weiterer Dorfbewohner bringt uns selbstgebackenes Brot, Baumnüsse und selbstgemachte Dulce de Durazno, eine Art Pfirsichkonfitüre. 

Frohe Ostern aus der Quarantäne
Frohe Ostern aus der Quarantäne

12.04.2020: Ostern, und die Ausgangssperre wird wieder verlängert

Auf weitere 2 Wochen in Guanchin. Wir kommunizieren über WhatsApp mit unseren Liebsten zu Hause. Telefonieren ist bei dieser schlechten Internetverbindung leider nicht möglich. Wir machen einen Spaziergang und sammeln heruntergefallene Nüsse. Später backen wir Zopfhasen und geniessen einen feinen Osterbrunch, backen Cinnamon Rolls in unserem Petromax Topf und bringen unserer Nachbarin ein paar Rolls vorbei. Sie zeigt uns ihr Grundstück, ihre Ziegen, Hühner, Güggel, ihren Gemüse- und Kräutergarten und schenkt uns beim Abschied frische Tomaten, Zucchini und frisch gelegte Eier. Am Abend bekommen wir Besuch von Fernando mit dem blauen Pickup, welcher uns wieder ein frisch gebackenes Brot vorbei bringt. 

Frohe Ostern aus der Quarantäne
Frohe Ostern aus der Quarantäne

Wir sind in Argentinien, in einem fremden Land und in der Welt da draussen wütet der Coronavirus. Es ist für uns ein Privileg, an so einem traumhaften Ort mit so wunderbaren Menschen gestrandet zu sein. Wir  sind einfach nur dankbar, dass wir und unsere Liebsten gesund sind und dass wir hier wohnen dürfen. In unserem Bus haben wir alles was wir brauchen zum Leben. Was wollen wir mehr? 

Wein aus Santa Florentina
Wein aus Santa Florentina

15.04.2020:  wir gönnen Piccolo eine kleine Offroad Tour

Wir fahren heute nach Chilecito zum Einkaufen. Wieder macht sich eine gewisse Anspannung bemerkbar. Wie oft werden wir wohl kontrolliert? In der Stadt tragen die meisten Leute Schutzmasken in allen Farben und Varianten. Die Hauptplätze sind abgesperrt doch es sind viele Leute unterwegs. Da wir im Supermarkt keinen Alkohol kaufen können versuchen wir es in der nahegelegenen Weinhandlung. Und siehe da: der nette Herr verkauft uns ein paar Flaschen Wein. Ich darf sogar von seinem hausgemachten Wein degustieren. Aus dem Kühlschrank nimmt er ein Glas Wein und hält es mir hin. Hm, wer weiss wie viele Leute schon an diesem Glas genippt haben? In Zeiten von Corona wohl keine gute Idee. Ich rieche am Glas und gebe ihm da Glas wieder zurück… Nachdem ich den Wein bezahlt habe fragt mich der nette Herr, ob er ein Interview mit mir machen darf. Er hält mir ein Diktiergerät hin und fängt an, mir Fragen zu stellen. Das Interview soll am nächsten Samstag im Lokalradio ausgestrahlt werden. Ob das wirklich der Fall war, wissen wir nicht… 

Ich begebe mich auf den Weg zur Tankstelle wo Pit auf mich wartet. Auf einmal kommen ein paar Männer in unsere Richtung und fragen uns aus. Woher wir kommen, wie lange wir schon hier sind, wo wir wohnen, ob wir schon kontrolliert worden sind. Wir beantworten ihre Fragen. Kurz darauf verabschieden sie sich und fahren mit einem Auto der 'Minicipaidad' (Stadtverwaltung) davon. Das ist die einzige ‘Kontrolle’ an diesem Tag.

Eine kleine Offroad-Tour während der Quarantäne
Eine kleine Offroad-Tour während der Quarantäne

Es ist ein herrlicher Tag mit viel Sonne und so beschliessen wir, auf indirektem Weg von Chilecito via Santa Florentina über eine Offroad-Strecke nach Guanchin zurück zu fahren. Der Weg vorbei am gelben Fluss Rio Amarillo ist wunderschön. Wir picknicken unterwegs und nutzen die Gelegenheit, um ein bisschen Holz für unsere Feuerstelle zu sammeln. Es tut richtig gut, seit bald einem Monat wieder mal ein bisschen ‘on the road’ zu sein. 

Wir knacken die Nüsse aus Guanchin
Wir knacken die Nüsse aus Guanchin

20.04.2020: wir knacken die Nüsse

In den letzten Wochen haben wir auf unseren Wanderungen immer wieder Nüsse gesammelt und diese an der Sonne trocknen lassen. Es kamen einige Kilos zusammen. Heute ist der grosse Nussknackertag. Die ungeschälten Walnüsse brauchen sehr viel Platz und wir wollen Platz sparen. Wer weiss, vielleicht dürfen wir ja in einer Woche weiter fahren. Netto kamen wir immerhin auf 4.5 Kilo. Lautaro und Mateo kamen während dem Knacken vorbei und halfen beim Essen 😊.

 

 

Prost nach Belén
Prost nach Belén

22.04.2020: eine (virtuelle) Freundschaft entsteht

Wie jeden Abend freuen wir uns auf den ‘Podcast’ aus Belén. Seit einem Monat tauschen wir uns täglich mit Jan & Marita aus. Wir berichten uns gegenseitig über unser Wohlbefinden, wie die Situation am jeweiligen Ort ist und wir erzählen uns von uns oder unseren früheren reisen. Es tut gut zu wissen, dass sich in der Nähe noch andere Overlander befinden, welche die Coronakrise auch hier in Argentinien aussitzen möchten. Im Moment ist die grosse Rückkehraktion mit dem ersten Repatriierungsflug zurück in die Schweiz im Gange. Wir sind positiv überrascht, wie schnell die Schweizer Eidgenossenschaft im Ausland gestrandete Schweizer 'nach Hause' holt. Für uns kommt eine Rückkehr nicht in Frage. Unser Zuhause ist in unserem Bus und wir glauben (im Moment) nicht, dass wir in der Schweiz besser aufgehoben wären.

Traumhafte Aussicht auf den Cierro General Belgrano
Traumhafte Aussicht auf den Cierro General Belgrano

24.04.2020: Verlängerung!

Die Ausgangssperre wird wieder verlängert. Obwohl Argentinien nicht übermässig viele Coronafälle hat, sind die Zahlen steigend. Jan und Marita aus Belén versuchen via ihre Kontakte zur Defensa Civil und zur Gendarmeria unsere ‘Übersiedelung’ von La Rioja nach Catamarca zu organisieren. Da wir in unterschiedlichen Provinzen gestrandet sind können wir nicht einfach so über die Provinzgrenze fahren. Wir schicken ihnen unsere Passkopien und die temporären Import Papiere (TIP) für unseren Piccolo. Eine Zusammenführung wäre schon sehr cool!

Geschwollenes Auge: wegen den Nüssen?
Geschwollenes Auge: wegen den Nüssen?

28.04.2020: Allergisch auf Nüsse!?

Seit ein paar Tagen habe ich (Nicole) Kopfschmerzen. Kommt dazu, dass mein rechtes Auge geschwollen ist. Ob dies wohl eine allergische Reaktion von den Nüssen ist? Weiter verbreitet sich auf der Stirn, der Nase und über dem rechten Auge ein Hautauschlag. Zum Glück haben wir die Telefonnummer von Monica, der Dorfkrankenschwester von Guanchin. Ich schreibe ihr eine WhatsApp und eine Stunde später sitze ich bei ihr im Behandlungsraum. Monica hat in der Zwischenzeit mit einem Arzt aus Sañagosta gesprochen, welcher mir eine Spritze oder Augentropfen empfiehlt. Zudem ist mein Blutdruck etwas hoch. Ich entscheide mich für die Augentropfen und gegen das Bluthochdruckmittel. 

Grillplatz in Guanchin
Grillplatz in Guanchin

29.04.2020: wir bleiben in Guanchin

Heute erhalten wir leider die Absage für unsere 'Zügelaktion' nach Belén. Den Antrag, den Marita und Jan für unsere Übersiedelung nach Catamarca gestellt haben wurde leider abgelehnt. Es dürfen lediglich Wanderarbeiter von La Roja nach Catamarca einreisen. Die Provinzgrenzen zu überqueren ist weiterhin unmöglich. 

Der Krankenwagen bringt uns nach Sañagosta
Der Krankenwagen bringt uns nach Sañagosta

01.05.2020: mit dem Krankenwagern nach Sañagosta

Mein Auge ist immer noch geschwollen. Ich schreibe Monica wieder eine WhatsApp doch heute hat sie frei. Sie verweist mich an den Krankenwagenfahrer Fabian in Guanchin, welcher 24h auf Abruf ist. Er fährt mit uns ins 45 km entfernte Sañagosta zu einer Ärztin. Die Dame schaut mir in den Rachen und stellt rasch die Diagnose. Angina! Hmm, ich habe doch gar keine Halsschmerzen... Ich erhalte Antibiotika, welche ich 5 Tage lang einnehmen muss. Zudem muss ich weiterhin die Augentropfen (mit Corticoid) nehmen und alle zwei Tage bei Monica in Guanchin den Blutdruck messen.

Das Ärztehaus in Sañagosta
Das Ärztehaus in Sañagosta

Meinen ‘Ausschlag’ soll ich mit einer Gesichtscreme behandeln. Nach der Untersuchung fährt uns Fabian mit dem Krankenwagen zurück nach Guanchin und erzählt unterwegs einiges über die Gegend. Pit hörte interessiert zu und ich bin einfach nur froh, bis ich bald wieder Zuhause bin. Ein paar Stunden später fühle ich mich schon viel besser.

Ausblick von der Estacion 2 nach Chilecito
Ausblick von der Estacion 2 nach Chilecito

06.05.2020: es wird Zeit für Plan B

Heute fahren wir nach Chilecito. Wir wollen zur Polizei, denn unser Visum und die temporäre Aufenthaltsbewilligung für das Auto (TIP) laufen am 20. Mai ab. Auf der Fahrt nach Chilectio machen wir uns Gedanken, ob es nicht besser wäre ein Plätzchen in Chilecito zu suchen. Nachts wird es in Guanchin kalt und vor allem sehr feucht. In der Stadt ist es wärmer.

Bei der Gendarmerie erkundigen uns, wo wir unsere Papiere erneuern können. Sie schicken uns zur Stadtverwaltung, welche uns an das  Registro Civil, das Zivilstandsamt verweist.

Plaza Principal von Chilecito
Plaza Principal von Chilecito

Auf der Suche nach dem Amt stehen wir offensichtlich etwas orientierungslos auf der Strasse. Ein Herr spricht uns auf Englisch an und erkundigt sich, ob er uns helfen kann. Wir erzählen ihm unsere Quarantäne-Geschichte und plaudern eine Weile mit ihm. Es stellt sich heraus, dass Norberto der Leiter der Universität von Chilecito ist und bei ihm eine Schweizerin doziert. Er bietet uns seine Hilfe an, worauf Pit spontan antwortet, dass wir in Chilecito einen Ort suchen, wo wir mit unserem Bus wohnen können… oder ein Haus oder eine Wohnung. Da auch in Argentinien das Vermieten von Unterkünften während der Krise verboten ist, können wir ohne ‘Insider-Hilfe’ gar keine Unterkunft mieten.

Leonor, unsere gute Fee... und Bronson
Leonor, unsere gute Fee... und Bronson

Und eigentlich wollen wir ja weiterhin im Bus wohnen. Dann geht alles ganz schnell. Norberto ruft Leonor, seine Schweizer Dozentin an und bald darauf sitzen wir bei ihr im Wohnzimmer. Leonor ist ursprünglich aus Lausanne, wohnt seit 10 Jahren in Chilecito und spricht perfekt Deutsch. Sie hat bereits ein paar Adressen von Leuten rausgesucht, welche privat Objekte vermieten. Eine Stunde später machen wir uns auf den Weg zur ersten Hausbesichtigung und gleich danach besichtigen wir eine Wohnung in der Stadt. Die Wohnung gefällt uns sehr gut, doch wollen wir wirklich von Guanchin in die Stadt ziehen? Ohne Garten? Wir wissen ja nicht, wie lange die Ausgangssperre noch dauert. Zurück in Guanchin schalten wir unsere Handys ein und haben bereits wieder einige neuen Adressen von Leonor. Wir vereinbaren noch am gleichen Abend fünf weitere Besichtigungstermine für den nächsten Tag. 

Unser Cabaña am Rio Amarillo in Santa Florentina
Unser Cabaña am Rio Amarillo in Santa Florentina

07.05.2020: wir ziehen um

Heute besichtigen wir weitere Objekte. Ein Vermieter hat bereits abgesagt, weil er Studenten aus La Rioja einquartieren muss welche die 14tägige Quarantäne hier verbringen müssen, bevor sie nach Hause dürfen. Sie sind hier sehr streng, auch mit den Einheimischen. Jede(r), der von ausserhalb der Provinz heimreist muss zuerst 14 Tage in Quarantäne. Das letzte Objekt, das Cabaña De Montaña Rio Amarillo in Santa Florentina gefällt uns so gut, dass wir gleich einziehen.  

Unser Cabaña am Rio Amarillo in Santa Florentina
Unser Cabaña am Rio Amarillo in Santa Florentina

Santa Florentina ist 10 km von Chilecito entfernt und liegt unterhalb der Sierra de Famatina, der gleichen Bergkette wie diejenige in Guanchin. Wir sind sehr froh, dass wir ein so schönes Objekt gefunden und können uns sehr gut vorstellen, den nächsten Monat hier zu verbringen. 

 

Die Sanitärstation in Guanchin
Die Sanitärstation in Guanchin

08.05.2020: Abschied von Guanchin
Heute habe ich bei Monica zum letzten Mal meine Blutdruckkontrolle. Mein Auge ist nicht besser, im Gegenteil. Auf dem rechten Auge sehe ich wie durch eine Nebelwolke und das Auge ist sehr lichtempfindlich. Monica empfiehlt mir, die Augentropfen wieder zu nehmen. Wir bedanken uns bei ihr für Ihre Hilfe und Pflege und verlassen Guanchin etwas traurig. Trotz Corona-Lockdown hatten wir sieben schöne und spannende Wochen in dieser wunderschönen Gegend und wir nehmen ausschliesslich positive Erinnerungen mit. 

Waren auf die Augenärztin in der Clinica Privada in Chilecito
Waren auf die Augenärztin in der Clinica Privada in Chilecito

11.05.2020: Besuch in der Privatklinik von Chilecito

Der Nebel auf meinem rechten Auge ist fast weg doch die LIchtempfindlichkeit ist noch da. Ich entschliesse mich, einen Augenarzt aufzusuchen. Wir fahren in die Augenklinik von Chilecito doch diese ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Ein Konsultation ist  nur mit telefonischer Voranmeldung möglich. Also beschliessen wir, in die Privatklinik zu fahren. Die Empfangsdame teilt mir mit, dass die Konsultation 1'500 Pesos kostet (ca. CHF 15.00). Sie notiert meinen Namen und bittet mich beim Behandlungszimmer 3 zu warten. Nach einer halben Stunde erscheint die Augenärztin. Ich erzähle ihr meine Krankheitsgeschichte der letzten Wochen. Sie kontrolliert mein Auge, schaut durch das Mikroskop und teilt mir die neue Diagnose mit. Augenherpes, verursacht durch meinen Ausschlag (Herpes) im Gesicht. Sie verschreibt mir neue Tropfen, etwas mildere ohne Cortison. 

 

Übrigens: das ist die erste Konsultation die ich bezahlen muss da es sich um ein Privatspital handelt. Die ganzen bisherigen Untersuchungen inkl. Krankentransport zum Arzt und die Medikamente waren kostenlos. In Argentinien wird die ärztliche Grundversorgung vom Staat bezahlt.  

 

Und: die Verlängerung geht in eine neue Runde: die Ausgangssperre dauert neu bis zum 25. Mai.

 

Estación 2 der einstigen Materialseilbahn zur Mina la Mejicana
Estación 2 der einstigen Materialseilbahn zur Mina la Mejicana

15.05.2020: Chilecito und die einst längste Materialseilbahn der Welt

Bei uns um die Ecke in Santa Florentina befindet sich die Estación 2, die zweite Station der einst längsten Seilbahn der Welt. Die Transportseilbahn wurde am Südhang der Sierra de Famatina gebaut und führte von Chilecito hinauf bis zur Mina Mejicana auf über 4'6000 Meter. Die Seilbahn mit ihren 9 Stationen ist 34 km lang, wurde anfangs des 19. Jh. von einer Deutschen Firma gebaut und wurde von den Engländern finanziert. 

Transportgondeln der Materialseilbahn von Chilecito
Transportgondeln der Materialseilbahn von Chilecito

Sie hatte zum Ziel, Gold, Silber und Eisenzerz von den Minen ins Tal zu transportieren und auf die Eisenbahn in Chileciton zu laden, welche damals nach Cordoba führte. Die Seilbahn war 1905 bis 1920 in Betrieb. Die einzelnen Stationen können heute noch besichtigt werden, die meisten davon allerdings nur zu Fuss. In Chilecito befindet sich ein Museum welches wir unbedingt noch besuchen möchten wenn es denn wieder geöffnet ist. Weitere Infos zur Seilbahn findest Du hier.
Am Abend erhalten wir von Jan und Marita die Nachricht, dass wir jetzt doch nach Belén umziehen dürfen. 

Unser wunderschöner Garten bei den Cabañas De Montaña Rio Amarillo
Unser wunderschöner Garten bei den Cabañas De Montaña Rio Amarillo

Das Krisenkomitee hat unseren Antrag erneut geprüft und erlaubt uns, von der Provinz La Rioja nach Catamarca zu fahren. Einzige Voraussetzung ist, dass wir uns in Belén 28 Tage in Quarantäne begeben müssen. D.h. kein Einkaufen, kein freies Bewegen im Dorf. Wir müssen nicht lange überlegen mit der Entscheidung. Zu schön haben wir es hier in unserem neuen Wohnort in Santa Florentina. Zu viele Freiheiten würden wir aufgeben. Einzig, das langersehnte Treffen mit Jan und Marita wäre endlich Wirklichkeit geworden. Aber wir sind mittlerweile sehr geduldig geworden. Also gedulden wir uns weiterhin…   

Einkaufen bei Hilal in Chilecito
Einkaufen bei Hilal in Chilecito

19.05.2020: Termin bei einem weiteren Augenarzt 

Wir fahren in die Stadt, um bei Hilal einzukaufen und besuchen danach Leonor. Noch immer ist mein Auge sehr lichtempfindlich, worauf Leonor gleich zwei Augenärzte anruft. Sie macht mir einen Termin bei Dr. Albrieu und eine Stunde später kann ich zu ihm. Beim Empfang des SER MED, einem Ärztezentrum, hinterlasse ich meinen Namen und 1'000 Pesos (ca. CHF 10.00). Eine viertel Stunde später sitze ich bei Dr. Albrieu im Behandlungszimmer. 

Gemeinschaftspraxis SER MED
Gemeinschaftspraxis SER MED

Erneut erzähle ich meinen Krankheitsverlauf der letzten Wochen. Dr. Albrieu kontrolliert mein Auge, schaut durch das Mikroskop und meint ‘muy malo’. In meinem Auge haben sich rote Punkte gebildet, Bindehautentzündung lautet die neue Diagnose. Er kontrolliert auch mein zweites Auge und stellt sicher, dass dieses noch nicht befallen ist. Der Doktor verschreibt mir neue Augentropfen, diesmal mit Antibiotika. Und er erzählt mir stolz, dass er zu Hause ein Schweizer Taschenmesser hat, eines mit einer Uhr... 

Jan & Maritta in Belén
Jan & Maritta in Belén

20.05.2020: der tägliche Podacst von und zu Belén 

Seit einem Monat senden wir täglich Podcasts zwischen Belén und Guanchin bzw. Santa Florentina hin und her. Mit Jan & Marita verbindet uns mittlerweile eine sehr spezielle Freundschaft… obwohl wir uns noch nie gesehen haben wissen wir schon sehr viel über die beiden. Wir freuen uns sehr, die beiden persönlich kennen zu lernen.  

Spaziergang zur Estación 3
Spaziergang zur Estación 3

23.05.2020 Spaziergang zur Estación 3

Heute fahren wir zur Estación 3, der dritten Seilbahnstation auf dem Weg zur Mina Mejicana. Vom Parkplatz sind es nur 15 Minuten zur Fuss bis zur Station. Von oben hat man einen wunderbaren Weitblick über unser Tal in Santa Florentina bis nach Chilecito. Was für ein tolles Leben wir doch haben. Wir wissen das (fast) jeden Tag zu schätzen!

 

Eine der vielen Überquerungen des Rio Amarillo
Eine der vielen Überquerungen des Rio Amarillo

25.05.2020: Ausfährtli zur Mina del Oro

Die letzten zwei Tage hat es geregnet und die Bergspitzen sind schneebedeckt. Heute scheint die Sonne und der Himmel ist stahlblau. Ein guter Tag für eine Ausfahrt. Hinter unserem Cabaña geht die Schotterpiste den Berg hinauf bis zur Mina del Oro. Der Weg führt diverse Male durch den Rio Amarillo. Das perfekte Terrain für unseren Piccolo. Wir fahren ca. 20 km den Berg hinauf bis auf 2'800 Meter. Die Strasse endet hier, denn hier kann der Rio Amarillo nur noch über eine Brücke überquert werden. Doch die Brücke fehlt… wir steigen aus und begeben uns zu Fuss über den Fluss und Richtung Mina del Oro.

 

Ab hier geht es zu Fuss zur Mina del Oro
Ab hier geht es zu Fuss zur Mina del Oro

Bei einem Haus fragen wir den Besitzer nach den Weg. Er erklärt uns, dass wir eine Stunde dem Fluss entlang wandern können um bis zur Mina del Oro zu gelangen. Da mein Auge noch sehr lichtempfindlich ist beschliessen wir, die Wanderung auf ein anderes Mal zu verschieben. Wir sind wohl noch eine Weile hier... Die Ausfahrt war trotzdem wunderschön und wir konnten einige tolle Videos aufnehmen.

 

 

Süchtig nach Alfajores
Süchtig nach Alfajores

27.05.2020: weitere Konsultation beim Augenarzt...

Die heutige Kontrolle beim Augenarzt verlief positiv. Ich merkte in den letzten Tagen, wie sich mein Auge verbesserte und sich die Lichtempfindlichkeit etwas zurück bildete. Dr. Albrieu ist dann auch entsprechend zufrieden mit mir. Die Entzündung und auch die Kopfschmerzen sind fast vollständig weg. Mein bester Tag seit einem Monat! 

 

Aussicht von der Estación 4 nach Chilecito
Aussicht von der Estación 4 nach Chilecito

02.06.2020: Wanderung zur Estación 4

Heute ist ein Prachtstag. Wir wandern von der Estación 3 zur Estación 4. Der Aufstieg dauert rund 2h. Oben angekommen werden wir mit einer Flugshow von Condoren belohnt. Eine Famile dreht ihre Runden.... Flugstunden für die Kleinen. Hier oben hat man einen wunderschönen Blick über die Famatina, nach Chilecito sowie zur Estación 5. Da wollen wir dann auch noch hin. 

 

 

 

Asado Argentino mit Daniel, Graciela und Franco
Asado Argentino mit Daniel, Graciela und Franco

05.06.2020: Verlängerung bis zum 28.06.2020

Wir ‘feiern’ die Verlängerung der Ausgangssperre mit einem Asado. Trotz Verlängerung haben wir das Gefühl, dass es vorwärts geht. Wir sind jetzt in Phase 5, der letzten Phase vor der Rückkehr in die Normalität. Der Argentinische Präsident Alberto Ángel Fernández verspricht Lockerungen in den Provinzen mit 0 aktiven Corona-Infizierten. Wir sind gespannt . Wir haben nämlich noch keine Corona-Fälle in der Provinz La Rioja. Das Asado ist sehr lecker und wir verbringen einen wunderschönen Nachmittag mit Franco und seinen Eltern. Pit und Daniel sind hervorragende Grilleure und das Dessert von Graciela ist himmlisch.  Tiramisu mit Caramel- und Mocca-Creme...

 

 

Den Rio Amarillo haben wir mindestens 20x überquert
Den Rio Amarillo haben wir mindestens 20x überquert

08.06.2020: zu Fuss zur Mina del Oro

Unser heutiges Ziel ist die Mina del Oro. Beim letzten Versuch haben wir am Ende der Strasse umgedreht . Heute schnüren wir die Wanderschuhe und nehmen den letzten Teil zu Fuss in Angriff. Beim nahegelegenen Hof fragen wir den Señor wie lange der Fussmarsch dauert. Er meint, 1 h vielleicht ein bisschen mehr…. Unterwegs treffen wir auf zwei Einheimische die Gold schürfen wollen. Jedenfalls trägt der ältere Herr ein Goldwäscherbrett auf sich. Wir wandern weiter und überqueren den Rio Amarillo mindestens 20x.

Ziel erreicht: zu Fuss zur Mina del Oro
Ziel erreicht: zu Fuss zur Mina del Oro

Nach 2.5 h, etwas klettern und jonglieren erreichen wir die Mina del Oro. Eine wunderschöne, aber auch anspruchsvolle Wanderung liegt hinter uns. Wir schauen uns um in den verlassenen Häusern und machen ein paar Aufnahmen mit unserer Drohne, bevor wir unser Picknick geniessen. Die Pause fällt allerdings kurz aus. Wir machen uns bald wieder auf den Rückweg denn es ist schon Nachmittag und wir wissen, welchen Weg wir noch vor uns haben. Nach 1.5 h sind bereits wieder beim Auto, ohne nassen Füsse. Wir sind sehr dankbar, dass wir wieder eine so wunderschöne Wanderung erleben dürfen. Trotz.. oder vielleicht wegen Corona. Mehr Eindrücke dazu findest Du auf unserem YouTube-Video.

Piccolo mit seinem Opa
Piccolo mit seinem Opa

12.06.2020: wir kriegen Besuch

Heute erhalten die Cabaña De Montaña Rio Amarillo einen neuen Gast. Matias, ein Argentinier aus Buenos Aires, welcher auch in Chilecito gestrandet ist zieht hier ein. Er möchte bei Franco beim Aufbau eines Permakultur-Gartens helfen. Matias wohnt normalerweise auch in einem VW Bus, einem T 1.5. Dem Opa von Piccolo.

 

Beim Röntgen in der Clinica San Nicolas
Beim Röntgen in der Clinica San Nicolas

17.06.2020: heute geht's zum Röntgen

Mein Auge ist wieder rot und schmerzt. Ich besuche erneut den Augenarzt Dr. Andrieu. Er kontrolliert mein Auge und meint,  die Bindehautenzündung ist ausgeheilt. Die Augenentzündung könnte von einer Nebenhöhlenentzündung oder von den Zähnen her kommen. Hm, weder das eine noch das andere schmerzt. Er schickt mich zum Röntgen. Das öffentliche (Gratis)-Spital schickt mich in die Privatklinik. Dort bekomme ich einen Termin für 18h gleichentags. Um 18h machen wir uns auf den Weg in die Clinica San Nicolas, um meine Nebenhöhlen zu röntgen. Wir bezahlen die 550 Pesos (ca. CHF 5.50) und fünf Minuten später bin ich auch schon im Röntgensaal. Das Resultat darf ich am nächsten Tag abholen…  

 

Warten auf den Otorrinolaringologen in der Klinik SUM & ERI
Warten auf den Otorrinolaringologen in der Klinik SUM & ERI

19.06.2020: Besuch beim Otorrinolaringologico

Wieder besuche ich Dr. Albrieu. Ab heute muss ich allerdings nicht mehr bezahlen. Ich gehöre wohl schon zu seinen Stammkundinnen 😊. Der Doktor schaut sich den Röntgenbericht an und schickt mich umgehend zum Otorrinolaringologico, auf Deutsch "HNO" Hals-Nasen-Ohrenarzt. Im Bericht steht, dass in der rechten Kieferhöhle eine Verdickung ersichtlich ist. Die Praxis des Kollegen befindet sich gleich gegenüber in der Klinik SUM & ERI. Wir erkundigen uns nach einem Termin und werden gebeten, zwischen  16.30h – 18h wieder zu kommen. 

Um 16.30h besuchen wir den Otorrinolaringologen Dr. Diaz Orona. Die heutige Untersuchung kostet 750 Pesos (ca. CHF 7.50). Er schaut sich den Bericht an und untersucht mich. Alles o.k. Was jetzt? Zurück zu Dr. Albrieu? Es befinden sich da gerade sehr viele Leute im Wartezimmer und so beschliessen wir, das Wochenende abzuwarten. Vielleicht verbessert sich ja die Entzündung.

Übrigens: das Röntgenbild hat sich keiner der beiden angeschaut...

 

Farbenspektakel am Union de los Rios
Farbenspektakel am Union de los Rios

20.06.2020: Party mit Raclette und Asado

Heute laden wir Leonor, Franco und Matias zum Asado ein. Die Party beginnt um 13h mit einer kleinen Schweizer Vorspeise. Es gibt Raclette mit Dambo, einem Argentinischen Käse. Dieser schmeckt richtig gut und zergeht fast so schön wie Schweizer Raclettekäse. Anschliessend grilliert Pit Salchichas und ein Roastbeef auf dem Feuer. 

 

 

 

Am Union de los Rios: Franco, Leonor, Nicole, Matias, Pit
Am Union de los Rios: Franco, Leonor, Nicole, Matias, Pit

Nach diesem ausgiebigen Essen schlendern wir fünf dem Rio entlang Richtung Union de los Rios. Die Jungs machen Feuer und wir geniessen die Ruhe und den magischen Ort. Nach zwei Stunden sind wir wieder zurück und stürzen uns auf die Tiramisu-Torte welche Leonor mitgebracht hat. Es wird kalt und Franco und Matias machen Feuer. Die Jungs spielen Gitarre und Cajon und singen mit Leonor Argentinische Lieder bis in die späten Abendstunden. Ein wunderschöner Tag geht zu Ende. 

Der Medikamentenschrank von Guanchin
Der Medikamentenschrank von Guanchin

23.06.2020: Augenentzündung durch die Zähne?

Seit ein paar Tagen inhaliere ich mit Eukalyptus aus Francos Garten. Mein Auge ist zwar immer noch rot aber es schmerzt nicht mehr. Trotzdem ist es Zeit für einen erneuten Besuch bei Dr Andrieu. Nun will er mich zum Zahnarzt schicken. Er verschreibt mir erneut die Antibiotika-Augentropfen und meint, ich soll ihn nach dem Zahnarztbesuch wieder konsultieren. Das mit dem Zahnarzt lasse ich erst mal sein. Ich werde fleissig weiter inhalieren, mit den Augentropfen weiterfahren und abwarten…

 

 

Siesta während der Wanderung
Siesta während der Wanderung

25.06.202: 100 Tage Quarantäne in Argentinien

Genau vor 100 Tagen sind wir hier gestrandet. Wir haben in dieser Zeit viel über die Argentinier und deren Kultur kennen gelernt und konnten unser Spanisch etwas verbessern (auch wenn es noch ein langer Weg ist mit der Spanischen Sprache). Wir haben Dinge erlebt, die wir ohne Quarantäne nie erlebt hätten. Wir wissen jetzt, dass wir ohne Probleme zwei Wochen (oder mehr) mit unserem Auto autark stehen können und dass wir uns tagelang bzw. wochenlang beschäftigen können. Langweilig wurde uns bisher nie. Wir wissen auch, dass wir als Paar unter diesen nicht ganz einfachen Bedingungen auf kleinstem Raum wunderbar funktionieren und harmonieren. Und wenn uns mal die Decke auf den Kopf fällt (was sehr selten der Fall ist), gibt es immer wieder Lösungen.

100 Tage Quarantäne in Argentinien
100 Tage Quarantäne in Argentinien

Die ‘härteste’ Entscheidung war bisher, Guanchin zu verlassen und von unserem Auto in ein Cabaña zu ziehen. Doch die Vernunft hat am Schluss gesiegt, als ich krank wurde und es in den Bergen immer kühler und feuchter wurde. Jetzt sind wir froh darüber ,wie eigentlich meistens, wenn wir eine Entscheidung treffen. In den 100 Tagen haben wir uns oft gefragt, ob es in der Schweiz besser wäre. Die Frage konnten wir bisher immer mit NEIN beantworten. Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Aber wer weiss das schon 😊. 

Unterwegs auf der Ruta 40
Unterwegs auf der Ruta 40

27.06.2020: die Departementsgrenzen werden geöffnet 

Mitte Juni haben sich vier Departemente in La Rioja dazu entschlossen, ihre Grenzen am Wochenende zu öffnen um den Tourismus zu fördern. Das heisst für uns, wir können am Wochenende ein kleines Ausflügli in Richtung Villa Unión unternehmen. Jupiiiiii! Einige Locals empfehlen uns das 80km entfernte Dorf Aicuña. Auf dem Weg dorthin passieren wir auf der bekannten Ruta 40 die wunderschöne Passstrasse Cuesta de Miranda. Die der ersten Polizeikontrolle dauerte kaum 5 Minuten. 

Polizeikontrolle kurz vor Aicuña
Polizeikontrolle kurz vor Aicuña

Der Polizist fragt uns woher wir kommen, wie lange wir schon hier sind und wo wir wohnen. Er nimmt unsere Personalien auf und winkt uns durch. Wir fahren über den Pass und passieren die Departements-Grenze zu Coronel Felipe Varela, in welchem das Dorf Aicuña liegt. 15 km vor dem Ziel erwartet uns die nächste Polizeikontrolle. Der Polizist stellt uns die üblichen Fragen und wirkt ziemlich unsicher. Er zückt sein Handy und telefoniert. Nach 5 Minuten kommt er zurück und teilt uns mit, dass wir nicht weiterfahren dürfen. Die Grenzöffnung gilt nur für Einwohner. Wir reagieren mit Unverständnis und erklären ihm, dass wir quasi Einwohner sind und seit März hier leben. Auch zeigen wir ihm eine Bestätigung unseres Vermieters, dass wir hier ein Häuschen gemietet haben. Er verschwindet und kommt nach 10 Minuten wieder zurück. Leider nein. Das COE von Villa Unión (Krisenkomitee) hat ihm einen negativen Bescheid übermittelt. 

Die Cuesta de Miranda auf der Ruta 40
Die Cuesta de Miranda auf der Ruta 40

Wir diskutieren weiter bis der Polizist einen erneuten Anlauf nimmt. In der Zwischenzeit misst die Krankenschwester unsere Temperatur. Nach ein paar Minuten dann erneut ein negativer Bescheid. Für heute geben wir auf. Der Polizist entschuldigt sich für diesen Entscheid. Wir fahren zurück Richtung Chilecito und nehmen eine Abkürzung über eine Schotterpiste nach Guanchin, unserem früheren Zuhause. Der Winter ist auch hier angekommen und die Gegend wirkt ziemlich karg und trostlos (ohne uns). Wer weiss, vielleicht ziehen wir wieder dorthin zurück wenn es wieder wärmer wird. Zuhause angekommen verfassen wir eine Instagram-Story mit unserem (ersten) negativen Erlebnis aus Argentinien.

Die Cuesta de Miranda auf der Ruta 40
Die Cuesta de Miranda auf der Ruta 40

Wir markieren das Tourismus-Büro von Chilecito und Villa Unión, die Stadtverwaltung Chilecito (und noch ein paar andere Organisation). Gleichzeitig schreiben wir eine Nachricht an die Institutionen und teilen ihnen mit, dass wir uns diskriminiert behandelt fühlen. Es vergeht keine Stunde, schon erhalten wir eine Nachricht von der Stadtverwaltung von Chilecito. Eine weitere Stunde später bekommen wir eine Einladung für ein Gespräch mit dem Tourismus-Sekretär von Chilecito für den nächsten Tag. Was so eine Instagram-Story alles bewirken kann 😊. 

Zu Besuch bei Matias Vaca, dem Tourismus-Sekretär von Chilecito
Zu Besuch bei Matias Vaca, dem Tourismus-Sekretär von Chilecito

29.06.2020:  wir sind jetzt Chileciteños

Wir treffen uns um 17h mit Matias Vaca, dem Tourismus-Sekretär von Chilecito. Er empfängt uns in seinem Büro und freut sich, uns endlich persönlich kennen zu lernen. Unser Auto hat er schon oft gesehen in der Stadt. Er bedauert, dass wir am Samstag negative Erfahrungen gemacht haben. Er bietet uns Hilfe an und möchte uns eine Bestätigung ausstellen, dass wir seit März in Chilecito ‘wohnen’ und die Quarantäne hier aussitzen. Eine Garantie, dass wir das Departement verlassen können ist das allerdings nicht, denn es ist keine offizielle Wohnsitzbestätigung.  

Unterwegs auf der Ruta 40 entlang der Cuesta de Miranda
Unterwegs auf der Ruta 40 entlang der Cuesta de Miranda

04.07.2020: unser zweiter Versuch, das Departement zu verlassen

Heute starten wir einen neuen Versuch, das Departement zu verlassen. Diesmal wollen wir nach Famatina. Wir machen uns früh am Morgen auf den Weg nach. Unser Ziel ist die Mina La Mejicana, welche auf 4'500 Meter liegt. Mit dabei haben wir unsere ‘Wohnbestätigung’. Kurz vor 8h erreichen wir den Kontrollposten kurz nach der Departements-Grenze. Der Polizeibeamte wirkt etwas irritiert. Er fragt uns die üblichen Fragen und wir zeigen ihm das 'Bestätigungsschreiben' von Chilecito. Er geht in sein Büro und kommt kurz danach wieder zurück.

Auf der Ruta 40 Richtung Aicuña
Auf der Ruta 40 Richtung Aicuña

Er lässt uns weiterfahren meint jedoch, dass wir uns in Famatina auf dem Polizeiposten melden müssen für eine Erlaubnis, zur Mine hoch zu fahren. Kurz nach 8h melden wir uns beim Polizeiposten. Wieder das gleiche Spiel: ‘woher kommt ihr, wo wollt ihr hin und wie lange seit Ihr schon hier?’. Der Polizist zückt sein Telefon und ruft den Bürgermeister an. Dieser lässt uns ausrichten, dass der Tourismus-Verkehr nur am Sonntag gestattet ist. D.h. wir müssen morgen wieder kommen. Wir schauen den Polizisten etwas irritiert an, schauen auf unser Infoschreiben, welches wir von unserer Kollegin erhalten haben und….

Geduldige Damen beim Fieber messen
Geduldige Damen beim Fieber messen

Tatsächlich. Wir haben das Schreiben etwas ungenau gelesen. Also kehren wir um und beschliessen, nach Aicuña zu fahren, wo wir es vor einer Woche schon hin wollten. Jetzt haben wir ja das Schreiben von Turismo Chilecito in der Tasche. Beim Kontrollposten zurück nach Chilecito mussten wir die Temperatur messen, doch die beiden Damen waren sehr freundlich und plauderten. Sie sind schon seit fast 4 Monate hier und arbeiten jeden Tag, was mittlerweile sehr ermüdend sei. Wir fahren weiter bis zur Polizeikontrolle in Los Tambillos. Es ist der Posten, welcher uns letzte Woche das Weiterfahren verweigert hat.

Polizeikontrolle in Los Tambillos
Polizeikontrolle in Los Tambillos

Der Polizist stellt uns die üblichen Fragen und verschwindet. Nach ein paar Minuten kehrt er zurück und meint, wir dürfen nicht durchfahren. Wir zeigen ihm unser Schreiben aber das interessiert ihn nicht. Nach 20minütiger Diskussion sind wir alle (inkl. der Polizist) ziemlich genervt und wir kehren frustriert um. Immerhin, die Eingangskontrolle nach Chilecito verlief dann wieder problemlos. Man kannte uns offensichtlich und die netten Angestellten lassen uns mit dem Kommentar ‘son nuestros’ einreisen. Diese Geste verbessert unsere Laune. Wir fühlen uns wieder willkommen😊. 

Die Arbeit geht uns nicht aus: Holz sägen für unseren Ofen
Die Arbeit geht uns nicht aus: Holz sägen für unseren Ofen

07.07.2020: der erste Corona-Fall erreicht Chilecito 😷.

Es ist soweit... der erste Corona-Fall ist da. Die Leute sind sehr verunsichert und haben Angst. Der Bürgermeister ordnet an, in Phase 1  zurückzukehren. D.h. die Läden und Restaurants sind wieder zu, wir dürfen nur noch im Notfall oder für Lebensmitteleinkäufe auf die Strasse. Zum Glück wohnen wir ausserhalb der Stadt in einer wunderschönen Umgebung und haben trotzdem etwas Auslauf... und Arbeit ist auch genug da 😊. Wie es wohl an Weihnachten hier sein wird? Sicher sehr heiss...

Mittagessen im Agora in Chilecito
Mittagessen im Agora in Chilecito

12.07.2020: Zurück in Phase 5!?

Der zweite Test bei der mit Corona infizierten Frau in Chilecito ist negativ. Ab morgen sind wir wieder zurück in Phase 5…. Obwohl, die Provinz La Rioja ist in Phase 1, da es in der Provinz immer mehr Fälle gibt. Hm, da blicken wir nicht mehr durch… egal. Hauptsache die Läden und Restaurantbesitzer können Ihr Geschäft wieder betreiben! Fragt sich nur wie lange... bis zum nächsten (Verdachts)-Fall ☹? 

Geduld ist gefragt: auf beim Anstehen vor dem Laden in Chilecito
Geduld ist gefragt: auf beim Anstehen vor dem Laden in Chilecito

16.07.2020: Zurück an den Start - Phase 1

Es ist wie in einem schlechten Film. Wir sind wieder zurück in Phase 1. Es gibt zwei neue positive Coronafälle in der Stadt. Die Läden und Restaurants müssen wieder schliessen. Die ohnehin schon sehr angeschlagene Wirtschaft wird gerade total kaputt gemacht. Die Politiker sind total überfordert. Hier gibt es kein soziales Auffangnetz wie bei uns in der Schweiz. Die Leute leben von der Hand in den Mund und müssen Schulden machen. Die letzten Tage waren ein Wechselbad der Gefühle für die Vhileciteños. Es ist wie beim Eile mit Weile spielen.... zurück an den Start. 

4 Monate Quarantäne in Chilecito
4 Monate Quarantäne in Chilecito

17.07.2020: 4 Monate Quarantäne

Seit 4 Monaten verbringen wir nun unsere Quarantäne hier in Chilecito. Wir hatten in dieser Zeit viele tolle Begegnungen die wir nicht missen möchten. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen von den Einwohnern und die Polizei hat uns (mit einer Ausnahme 😉) immer mit Respekt behandelt. Uns ist in dieser Zeit auch bewusst geworden, wie viel mehr wir über ein Land lernen, wenn wir nicht ständig reisen, sondern für längere Zeit an einem Ort leben. Eigentlich ist es ja genau das, was wir uns von unserem aktuellen Lebensstyl erhofft haben. Abtauchen in andere Kulturen, in andere Lebensgewohnheiten, in andere Politsysteme. Nicht nur daran vorbei fahren 🚐. Und nicht zuletzt sind wir sehr dankbar, Schweizer Bürger zu sein... und jederzeit die Möglichkeit zu haben, in das Flugzeug zu steigen und in die Schweiz fliegen zu können.

Quebrada del Agua Negra
Quebrada del Agua Negra

18.07.2020: Ausflug zur Quebrada del Agua Negra

Wir nutzen die strenge Zeit der Ausgangssperre für einen Ausflug in unserer Umgebung mit unseren Freunden Leonor und Matias. Wir machen uns auf die Suche nach dem gelben Wasserfall im Rio Agua Negra. Der Wasserfall ist so klein, dass wir ihn zuerst übersehen, finden ihn dann aber trotzdem noch. Er ist zwar klein, aber sehr schön. Wie die ganze Quebrada del Agua Negra. Wir machen eine Feuer, grillieren Vegi-Burger und geniessen einfach die wunderschöne Landschaft. 

Einkaufen in Chilecito bei einem netten Ehepaar aus Bolivien
Einkaufen in Chilecito bei einem netten Ehepaar aus Bolivien

20.07.2020: Rückkehr in Phase 5

In der Zwischenzeit hat sich der Bürgermeister mit einem Ärzteteam und Vertreter der lokalen Geschäfte zusammengesetzt und ein mögliches weiteres Vorgehen für die Quarantäne diskutiert. Das Resultat des Treffens ist die Rückkehr in Phase 5, mit dem Vorbehalt, dass eine Rückkehr in Phase 1 nicht auszuschliessen ist wenn sich die Fälle erhöhen. Es wird an die Vernunft der Bevölkerung appeliert. Mittlerweile haben wir in Chilecito 5 positive Coronafälle. Wir werden sehen wie es weiter geht. Eine Öffnung der Provinzgrenzen, geschweige der Landesgrenzen ist in weiter Ferne...

Wir bauen ein Haus nach dem Prinzip der Biokonstruktion
Wir bauen ein Haus nach dem Prinzip der Biokonstruktion

21.07.2020: wir bauen ein Haus

Eine Freundin von Leonor hat uns angefragt, ob wir einer älteren Frau beim Bau eines Hauses helfen. Selbstverständlich haben wir sofort zugesagt. Die Dame wohnt mit ihrer Tochter und ihrem zweijährigen Enkel auf einem Feld ausserhalb von Chilecito. Eigentlich sollten wir bereits vor zwei Wochen mit dem Bau beginnen doch wegen den neuen Coronafällen durften wir nicht bis zum Grundstück von Magaly fahren. Die Polizeikontrolle hat uns nicht durchgelassen. Da wir uns im Moment wieder in Phase 5 befinden können wir heute die Baustelle besichtigen. Das Haus, in welchem Magaly heute wohnt wurde aus Holzlatten und alten Ölfässern zusammengebaut. Tücher und Blachen sollen vor dem Wind schützen. Doch bei dem zeitweise starken Wind hier hilft das nur bedingt. Eine Gruppe von Leuten aus Chilecito hilft nun der Familie, ein neues Haus nach dem Prinzip der Biokonstruktion zu bauen. Die Basis dazu bildet ein Holzgerüst, an welchem mit Sand oder Plastikabfall gefüllte PET-Flaschen befestigt werden. Anschliessend wird die Konstruktion mit einem Gemisch aus Erde, Stroh und Wasser 'verputzt'.   Wir fangen heute mit dem Befüllen von PET-Flaschen an und Gustavo, welcher sich mit dieser Technik auskennt beginnt mit dem Aufbau der ersten Mauer. Ein spannendes Projekt.

Ein Wandschrank für den T1.6
Ein Wandschrank für den T1.6

24.07.2020: Opa kriegt einen Schrank

Als Matias, der ebenfalls gestrandete Overlander aus Buenos Aires, der mit dem VW T1.6,  unseren Piccolo betrachtet , bekam er leuchtende Augen... 'So einen Schrank hätte ich auch gerne', meint er. Gesagt getan: Pit misst die Dimensionen, zeichnet kurzerhand einen Plan und schreibt die Stückliste. Danach schickt er Matias auf Einkaufstour. Matias hat das Material gleich am nächsten Tag besorgt. Die Türe liess er beim Schreiner ausschneiden. Am Tag darauf beginnen die Jungs mit der Konstruktion des Schranks. Als versierter Overlander hat Pit das Werkzeug immer zur Hand. Die Teile werden gesägt, entgratet und an die Innenform des VW T1.6 eingepasst. Stück für Stück wird jedes Teil angepasst und zusammengeschraubt. Nach 4 Stunden passt der Schrank perfekt. Einmal mehr zeigt sich, mit einfachen Mitteln ist es möglich, einiges zu Bauen. Das Resultat lässt sich sehen, finden wir...

 

 

Führung durch das Museum der Cable Carril von Chilecito
Führung durch das Museum der Cable Carril von Chilecito

29.07.2020: 116. Geburtstag der Cable Carril in Chilecito

Anlässlich des 116. Geburtstags der einst längsten Transportseilbahn der Welt wurden wir von Chilecito Tourismo eingeladen, das Museum in der Estación 1 und die riesigen Motoren in der Estación 2 zu besichtigen. Die mittlerweile stillgelegte, 34 km lange Seilbahn führt direkt bei unserem aktuellen Zuhause vorbei und geht über 9 Stationen den Südhang der Sierra de Famatina hinauf bis zur Mina Mejicana auf über 4'6000 Meter. 

Das erste portable Telefon.
Das erste portable Telefon.

Im Jahre 1903 wurde die Cable Carril, wie sie hier genannt wird von der Leipziger Firma Adolf Bleichert & Co. gebaut. Die Baupläne im Museum waren dann auch in deutscher Sprache. Spannend, hier kam übrigens das erste portable Telefon zum Einsatz ☎️😃 .

 

Vielen herzlichen Dank an Mati Vaca und seinen Team von Chilecito Turismo für die spannende Führung.

Trockentrenntoilette für Matias
Trockentrenntoilette für Matias

31.07.2020: Matias braucht eine Trockentrenntoilette

Matias möchte im Sommer nach Feuerland. Als wir ihm vom  heftigen Wind und der Kälte im südlichen Teil von Argentinien erzählten, fragt er ob er mit Pit eine Trockentrenntoilette bauen kann. Kein Problem. Nachdem der Schrank eingebaut war skizzierte Pit einen weiteren Plan für die Trockentrenntoilette und erstellte die Stückliste. Auch hier wartet Matias nicht lange und geht gleich auf Einkaufstour. Holz hat er noch vom Bau des Kleiderschranks. Es fehlen noch ein Bidon und ein Trichter für das Flüssige, ein Eimer für das Feste und ein Toilettensitz.

Trockentrenntoilette für Matias
Trockentrenntoilette für Matias

Das Material ist schnell beisammen und die beiden Jungs beginnen mit dem Bau der Toilette. Zuerst wird die Box erstellt, das Holz hat Matias beim Schreiner zuschneiden lassen. Danach wird die Höhe der Sitzfläche ausgemessen und der Toilettensitz montiert. Es folgen das Einpassen des Trichters und Ausschneiden des Lochs für Nr. 2 sowie verschiedene Kleinarbeiten wie Deckel mit Scharnieren befestigen, Fixierung des Bidons etc. Fertig!  Die Trockentrenntoilette 'Argentina Style' ist super geworden, findet Matias.

Wir feiern den 'Dia de la Pachamama'
Wir feiern den 'Dia de la Pachamama'

01.08.2020: wir feiern den 'Dia de la Pachamama'

Heute haben wir an einer Pachamama-Feier teilgenommen. Die Göttin Pachamama gilt einigen indigenen Völkern der Anden Südamerikas als personifizierte Erdmutter, die Leben in vielfacher Hinsicht schenkt, nährt, schützt und zu ritueller Kommunikation fähig ist. Die Feierlichkeiten beginnen am 1. August und dauern den ganzen  August. Die Quechua und Aymara verehren die Pachamama als allmächtige Göttin, die allen Kreaturen das Leben schenkt und sie nährt.  

Pit beim Ritual: er gibt der Mutter Erde etwas zurück
Pit beim Ritual: er gibt der Mutter Erde etwas zurück

Die Zeremonie war sehr eindrücklich und eine sehr schöne Erfahrung. Wir haben Früchte und Getränke mitgebracht, welche wir an Pachamama zurückgegeben haben. Die Feier wurde von der 'Abuela' geleitet und von spezieller Musik der Pachamama begleitet.

 

Nach der Zeremonie gab's eine feine Cazuela mit Poulet, Wein und Gesang von den Einheimischen. Wir haben den Anlass sehr genossen.

1. August Feier in Argentinien mit Käsefondue
1. August Feier in Argentinien mit Käsefondue

...und wir feiern den Schweizer Geburtstag

Am Abend essen wir mit unseren Freunden Leonor, Matias und Ana Lia ein feines Käsefondue, mit sehr leckerem Argentinischen Käse. Wir haben dazu 2/3 Sardo Sei Duro und 1/2 Mozzarella verwendet. Zum Schluss verfeinerten wir das Fonude mit einem Stück Blaukäse. Man muss dazu sagen, dass der Mozzarella hier eine ganz andere Konsistenz hat als bei uns in Europa. Die Kombination war sehr, sehr gut und steht einem Schweizer Fondue in nichts nach. Dazu trinken wir einen feinen Weissen, einen Torrontés Riojana, sowie einen eigens von Ana Lia produzierten Rotwein. Der Tag war wunderschön und eindrücklich. Es ist eine schöne Erfahrung, die Argentinische und die Schweizer Kultur an einem Tag zu zelebrieren. 

Wir wohnen wieder in unserem Piccolo.
Wir wohnen wieder in unserem Piccolo.

06.08.2020: wir ziehen wieder in den  Piccolo

Nach 3 Monaten im Cabaña zieht es uns wieder in den Van. Es wird langsam Frühling in Nordargentinien und die Tage und Nächte werden wieder wärmer. Zeit für eine Veränderung. Wir haben in der Nähe einen Campingplatz gefunden, der eigentlich aufgrund des anhaltenden Lockdowns geschlossen ist, aber auf dem wir in den nächsten Wochen wohnen dürfen. Es ist so schön, wieder draussen zu leben.

5 Monate Lockdown: wir feiern mit einem leckeren Fondue
5 Monate Lockdown: wir feiern mit einem leckeren Fondue

16.08.2020: Verlängerung 🥳

Wir 'feiern' fünf Monate Lockdown mit einem feinen Fondue. Aber die Situation nervt langsam 🙈. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Fälle in Buenos Aires steigen noch immer und somit heisst das auch für uns... warten! Obwohl wir hier kaum Fälle haben. 

Aber eigentlich haben wir ein kleines Luxusproblem. Uns geht es gut. Täglich werden Menschen krank, sterben oder Firmen gehen wegen Corona Konkurs. DAS sind Probleme!

Wir halten durch :-).

Wir basteln Wachstücher
Wir basteln Wachstücher

22.08.2020: Wir basteln Wachstücher 

Eigentlich möchten wir schon lange auf Alu- und Frischhaltefolie verzichten. Doch wir haben es verpasst, in der Schweiz Wachstücher zu kaufen. Und hier in Chilecito kann man diese nicht erwerben. Nun, wir haben jede Menge Zeit. Wieso die Tücher nicht selber basteln? Gesagt getan: heute Nachmittag ist Bastelstunde bei Leonor. Die Zutaten hier in Chilecito zu finden war leicht. Nach einem ausgiebigen Mittagessen und etwas Wein basteln wir die Tücher nach dem  Rezept von Smarticular. Die Anwendung in der Praxis ist top!

 Besuch bei der Dentalhygienikerin in Chilecito
Besuch bei der Dentalhygienikerin in Chilecito

25.08.2020: Wir gönnen uns eine Zahnreinigung 

Heute waren wir bei der Dentalhygienikerin. Wir nutzen die 'Wartezeit' während der Quarantäne und unterstützen das lokale Gewerbe so gut es geht, Die DH ging etwa 3x so schnell wie wir es aus der Schweiz gewohnt sind aber der Preis war auch dementsprechend. Wir bezahlten pro Person umgerechnet etwa CHF 20.00 für die Behandlung. Die Ausführung war sehr gut, inkl. Corona-Schutzglas zwischen uns und der Zahnärztin. Die Geräte waren auf dem neusten Stand, die Reinigung wurde mit Ultraschall durchgeführt. Wir haben die nächste Behandlung in sechs Monaten schon angekündigt, falls wir dann immer noch in der Quarantäne sitzen...

Gemüse pflanzen auf der Finca in Anguinán
Gemüse pflanzen auf der Finca in Anguinán

28.08.2020: Wir helfen auf einer Finca 

Heute nimmt uns Analia mit nach Anguinán. Dort treffen wir auf Daniel, welcher mit vier anderen Einheimischen die 140 ha grosse Finca bewirtschaftet. Auf dem Grundstück gibt es diverse Olivenbäume, Weinreben und einen riesigen Gemüsegarten. Wir begegnen freilaufenden Tieren wie Hühner, Güggel, Pfaue, Enten, Hunde und Katzen. Die kleinen und grossen Schweine sind im Schweinestall untergebracht. Daniel zeigt uns stolz das Gelände und erklärt uns, was zu tun ist. Wir verpflanzen Stangensellerie und Mangold.

Auf der Finca in Anguinán
Auf der Finca in Anguinán

Nach 1.5 h Arbeit ruft bereits das Asado. Die ganze erweiterte Familie von Daniel inkl. Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen versammeln sich auf der Finca. Wir geniessen ein wunderbares Essen mit viel Fleisch und selbst gestampften Wein. Nach dem Essen ziehen sich alle zurück zur Siesta. Und was ist mit weiter arbeiten? Nix da, die Arbeit ist für uns für heute erledigt  :-). Wir pflücken noch ein paar Kilo Oliven die wir zu Hause trocknen lassen und bedanken uns für das wunderbare Asado. Wir kommen wieder!

Kontrolle durch Cr. Cerezo
Kontrolle durch Cr. Cerezo

02.09.2020: Kontrolle beim Augenarzt

Warum nicht auch noch ein Test beim Augenarzt? Wir sind nicht mehr die Jüngsten und es ist durchaus möglich, dass unsere Sehkraft nachgelassen hat (eigentlich wissen wir beide dass es so ist...). Heute haben wir nun den Termin in der Clinica de Ojos bei Dr. Cerezo in Chilecito. Wir haben den Termin Online über die Facebookseite gebucht. Wir melden uns bei der Empfangsdame und bezahlen pro Person 1'500 Pesos (ca. CHF 12.00). 15 Minuten später sind wir auch schon an der Reihe. Der Doktor misst die Sehstärke und macht ein paar Tests. Wie erwartet hat sich die Sehkraft ein bisschen verschlechtert. Danach bin ich an der Reihe.  Da ich mich vor ein paar Wochen mit einer Bindehautentzündung rumgeschlagen haben frage ich den Doktor, ob  alles in Ordnung ist mit meinem rechen Auge. Er kontrolliert mein Auge und tatsächlich. Unter der Linse ist mein Auge immer noch entzündet. Zu früh gefreut.... er verschreibt mir für eine weitere Woche Antibiotikatropfen. Auch meine Sehkraft hat seit der letzten Messung nachgelassen. Wir erhalten beide ein neues Rezept und machen uns auf den Weg in die Stadt zum Optiker. Im dritten Geschäft werden wir fündig und bestellen uns neue Brillen. Wir freuen uns darauf :-).

Nachwuchs auf der Finca: 13 kleine Schweine
Nachwuchs auf der Finca: 13 kleine Schweine

03.09.2020: Nachwuchs auf der Finca

Vor ein paar Tagen hatten sie noch einen dicken Bauch. Jetzt hat die Schweinemama 13 kleine geboren. Sind sie nicht süss die Kleinen? Hier sind sie gerade mal 4 Tage alt. Die Mama sieht noch ziemlich erschöpft aus und die Jungen hängen an ihrer Brust. Ein schönes Bild.

 

Nach dem Besuch beim Nachwuchs heisst es für uns aber wieder arbeiten. Wir jätten im Gemüsegarten, sammeln Müll der sich an den Reben festhängt und lernen wie man Reben schneidet. Ein weiterer spannender Tag auf der Finca. Zum Mittagessen kocht Mama eine Cazuela de pollo con arroz, eine Hühnerpfanne mit Reis und Gemüse. Das Huhn wurde frisch geschlachtet und  lag am Morgen noch auf der Theke. Frischer kann es wohl nicht sein. Lecker war's auf jeden Fall :-).

Felicidades Doctora Leonor
Felicidades Doctora Leonor

10.09.2020: Wir feiern die Doktorin

Heute ist ein grosser Tag für unsere Freundin Leonor. Sie hat ihre Doktor-Thesis vertreten und mit Bravour bestanden.

 

F E L I C I D A D E S 

Doctora de Ordenamiento Territorial y Desarrollo Sostenible

 

 Wir sind dankbar, dass wir Leonor hier in Chilecito kennen lernen durften. Sie ist für uns eine grosse Hilfe und moralische Stütze, eine liebe Freundin und ein Stück Heimat. Schön, dass es Dich gibt und dass Du für uns da bist Leonor.

 

Am Abend haben wir die frischgebackene Doktorin in der Cervezeria Amulfo mit feinem Bier und einem leckeren Hamburger gefeiert.

Wir feiern unser 11-jähriges
Wir feiern unser 11-jähriges

13.09.2020: wir feiern unser 11-jähriges

Dieses Wochenende steht im Zeichen unseres Jubiläums. Eigentlich wollten wir ja in Brasilien sein. Aber wie so oft im Leben kommt alles anders als man denkt....

 

Wir füllen unseren Kühlschrank und fahren in die Berge. Weit können wir nicht, denn wir dürfen uns immer noch nur in unserem Distrikt bewegen. Doch immerhin ein bisschen Weg und wieder einmal Overlander-Feeling geniessen. Etwas unterhalb der Mina del Oro haben wir ein wunderschönes Plätzchen gefunden, welches wir für drei Tage unser Zuhause nennen. Es tut richtig gut, wieder einmal 'unterwegs' zu sein. Auch wenn es nicht allzu weit weg ist.

 

Ganz in der Nähe finden wir einen kleinen Fluss. Wir schnüren unsere Wanderschuhe und machen uns auf, die Gegend zu erkundigen. Entlang des Flusses haben sich kleine Lagunen gebildet die herrlich zum Baden einladen. Aber wir sind ja bekanntlich Warmduscher bzw. Warmbader. Dieses Ereignis heben wir uns für den Sommer auf. Denn vermutlich werden wir diesen auch noch hier in Chilecito verbringen und dann ist ein kühles Bad eine wahre Erfrischung... hier soll es im Sommer über 40 Grad heiss werden..

6 Monate Quarantäne
6 Monate Quarantäne

17.09.2020: 6 Monate Quarantäne

Heute vor 6 Monaten sind wir hier in Chilecito gestrandet. An einem Ort, mit wundervollen Menschen und umgeben von atemberaubender Natur. Wir hätten keinen besseren Platz für den Argentinischen Lockdown finden können. Doch die Situation wird nicht besser. In Chilecito steigen die Fallzahlen täglich, seit gestern dürfen wir nur noch mit Bewilligung zirkulieren. Innerhalb von 15km wurden wir 4x kontrolliert. Die Läden und Restaurants müssen am Wochenende schliessen. Der Verkauf von Alkohol ist für eine Woche verboten. Wir hoffen diese 'Massnahmen' werden greifen.... ?? 🤔🧉

Frühlingsanfang in Südamerika
Frühlingsanfang in Südamerika

22.09.2020: Frühlingsanfang in Südamerika

Als wir am 17.03. hier ankamen war es noch Sommer, der Herbst stand vor der Tür. Jetzt ist bereits wieder Frühling. Wir durchlaufen hier in Chilecito also alle vier Jahreszeiten. Wäre schön, wenn wir diese nur 1x durchlaufen würden... Doch die Situation hat sich wieder verschärft. Seit gestern ist Chilecito wieder zurück in Phase 1. Und zwar härter denn je. Die Restaurants und Läden sind wieder geschlossen. In die Stadt darf man nur noch zum Einkaufen und das nur an jedem zweiten Tag. Die Leute müssen zuhause bleiben und dürfen nicht zirkulieren.

Die Kontrollen werden wieder verschärft
Die Kontrollen werden wieder verschärft

Überall stehen zivile Kontrollen. Unsere Freundin Leonor wollte uns mit dem Fahrrad besuchen doch es war kein Durchkommen. Das bedeutet, wir können uns die nächsten 14 Tage nicht sehen. Oder doch? Wir erinnern uns, dass wir vor ein paar Wochen vom Tourismussekretär von Chilecito eine Fahrbewilligung erhalten haben. Wir zücken also nun bei jeder Kontrolle das Papier und können problemlos passieren. Der Inhalt des Papiers wird nicht kontrolliert. Hauptsache es befindet ein 3D-Code auf dem Papier. Freie Fahrt für uns... zumindest innerhalb des Departementes Chilecito.

DIY Axt: Swiss Quality made in Argentina
DIY Axt: Swiss Quality made in Argentina

01.10.2020: Swiss Quality made in Argentina

Wir suchen schon seit langem einen neuen Stiel für unsere Axt. In Chilecito gibt es dutzende von Handwerkerläden doch wir finden keine passende Grösse für unsere Axt. Also bastelt Pit selber einen Stiel. Ein passendes Holzstück ist schnell gefunden. Auf unserem Campingplatz liegt überall Holz herum. Mit der Machete wird die Rinde entfernt und der Stiel geformt. Anschliessend erfolgt der Feinschliff mit einer Feile. Nun wird die Klinge über dem Gaskocher erhitzt damit das Loch ausgeweitet wird. Der Stiel kann nun problemlos durch die Öffnung geschoben werden. Fertig! Die neue Axt ist ab sofort einsatzbereit und Pit mächtig stolz auf seine neue Axt!

200 Tage Lockdown in Argentinien - wir haben hier alles was wir brauchen.
200 Tage Lockdown in Argentinien - wir haben hier alles was wir brauchen.

03.10.2020: 200 Tage Lockdown

Am 17. März sind wir hier gestrandet. Die letzten 200 Tage waren ein auf und ab der Gefühle. Wir hatten sehr viele schöne Momente... sei es mit den Einheimischen oder nur wir zwei... und wir haben einiges über uns selber und unsere Beziehung gelernt. Wir hatten aber auch Tage, da waren wir ziemlich genervt wegen der aussichtslosen Situation hier in Argentinien. Unverständnis, Frust aber auch Wut kamen immer wieder hoch. Die strikten Massnahmen scheinen den Coronavirus nicht stoppen zu können. Die Zahlen steigen täglich. Für die Argentinier, welche nicht vom Staat bezahlt werden ist es sehr sehr hart. Hotels und Tourismusanbieter haben seit über 6 Monaten keine Gäste mehr. Restaurants und Geschäfte werden immer wieder geschlossen wenn zu viele Coronafälle in der Stadt bekannt werden. Es tut weh zuzuschauen, wie ein so wunderbares Land kaputt gemacht wird. Wir diskutieren hin und wieder über einen Plan B. Doch schlussendlich gelangen wir immer wieder an den selben Punkt: wir haben hier in Chilecito alles was wir brauchen, wir haben Kontakt zu ein paar Einheimischen, wir sind gesund und wir sind an einem wunderschönen Ort gestrandet mit atemberaubender Bergkulisse. Was brauchen wir mehr? Im Moment ist es nirgendwo auf der Welt lustig. Also geniessen wir die Zeit, die uns hier noch bleibt so gut es geht bis Uruguay seine Grenzen öffnet... oder uns Asyl gewährt 😊.

Der Boden ist steinhart: die Eisenrohre werden einbetoniert
Der Boden ist steinhart: die Eisenrohre werden einbetoniert

06.10.2020: wir bauen einen Gewächstunnel

Es ist Frühling in Argentinien und hier in Chilecito wird es ganz schön heiss. Im Sommer soll es über 40 Grad warm werden. Unsere Freundin Leonor hat vor einiger Zeit erwähnt, dass sie gerne ein Gewächshaus in ihrem Garten hätte. Im Sommer soll dies dazu dienen, dem Gemüsegarten Schatten zu verleihen und im Winter soll das Haus das Gemüse vor dem Erfrieren schützen. Gesagt, geplant... an einem Nachmittag nach einem Bier skizzieren Leonor und Pit den Gewächstunnel. Sie besprechen, welches Material benötigt wird und erstellen eine Stückliste. Einige Tage später gehen wir mit Leonor einkaufen.

Der Gewächstunnel schützt vor Sonne und Kälte
Der Gewächstunnel schützt vor Sonne und Kälte

Heute beginnen wir mit dem Bau. Zuerst werden links und rechts der Gemüsebeete Löcher geschaufelt damit kleine Eisenrohre einbetoniert werden können. Diese dienen dazu, die Armierungseisen (Gewächshausstangen) zu befestigen. Nach dem Betonieren werden die Eisen gebogen und links und rechts in die Rohre geführt. Zum Schluss wird das Sonnentuch über das Gerüst gezogen. Fertig! Der Sommer kann kommen. Im Winter kann Leonor das Tuch entfernen und durch einen Plastik ersetzen, welcher das Gemüse vor dem Erfrieren schützen soll. Wir sind gespannt ob das klappt. Aber soooo kalt ist es hier normalerweise im Winter nicht... 

08. - 10.10.2020: Mit Zelt und Rucksack in die Berge

Eigentlich haben wir unsere Zeltkarriere 2015 auf dem W-Trek im chilenischen Nationalpark Torres del Paine beendet. Doch als wir vor einem Jahr den Vortrag von @leahikes über 'Leichtwandern' gehört haben, hat uns die Lust auf Trekking mit Zelt und Schlafsack wieder gepackt. Wenn wir schon nicht mit unserem Auto zur Mina la Mejicana hoch fahren können (diese liegt auf über 4.700 m), dann wollen wir ihr wenigstens entgegen laufen. Wir parken unser Auto auf dem Parkplatz der Estación 3, bis da kann man fahren.

Danach müssen wir zu Fuss weiter. Wir plaudern mit dem Besitzer der nahegelegenen Finca und sagen ihm Bescheid, dass wir unser Auto für eine Nacht hier stehen lassen. Unser Ziel ist die Estación 5, doch er empfiehlt uns, bis zur Estación 6 hoch zu laufen. Es sei nicht mehr weit, nur etwa eine Stunde von der Estación 5.... Naja, erst mal nicht übertreiben. Wir können da immer noch an einem anderen Tag hoch. Wir sind ja bestimmt noch eine Weile hier. Wir wandern also entlang der einst längsten Transportseilbahn der Welt, der Cable Carril von Chilecito in Richtung Mina la Mejicana, welche auf der Estación 9 liegt.

Nach 2.5 h Aufstieg sind wir bei der Estación 4. Diese kennen wir bereits von einem Tagesausflug. Zum Glück können wir unterwegs immer wieder unsere Wasserflaschen auffüllen. So müssen wir nicht für 2 Tage Wasser mitschleppen. Nach einem kurzen Halt und einer Zwischenverpflegung wandern wir weiter in Richtung Estación 5. Es sind weitere 2.5 h bis wir unser Tagesziel erreichen. Die Aussicht auf die Sierra de Famatina ist bombastisch. Pit nimmt im nahegelegenen Bergbach eine kühle Dusche und ich baue das Zelt auf. Wir geniessen die idyllische Abendstimmung und schauen hinauf zur Estación 6. Hmm, wenn wir schon mal hier sind. Wollen wir morgen nicht  doch da hoch laufen? Es ist ja nur noch eine Stunde?  Morgen hin und wieder zurück, nochmals auf der  Estación 5 übernachten und übermorgen absteigen zur 3. Klingt nach einem guten Plan. Wir rationieren unseren Essensvorrat damit dieser für einen zusätzlichen Tag reicht. Heute gehen wir früh zu Bett denn wir sind ziemlich müde. Kaum haben wir das Licht gelöscht, hören wir Geräusche. Wir denken zuerst an eine Kuh... oder ist es eher ein Vogel? Nach einer halben Stunde stehen wir auf und schauen nach. Wir sehen kein Tier. Zurück in unserem geschützten Raum, wo wir unser Zelt aufgestellt haben, schauen wir in den Schrank. Hallo! Wir schauen in zwei dunkle Knopfaugen einer Maus. Im Schrank befinden sich übrig gebliebene Essensvorräte von anderen Wanderern. Ein Festessen für die kleine Maus. Naja, die wohnt schliesslich länger hier als wir. Also versuchen wir, trotz den Geräuschen einzuschlafen. Die Nacht auf der Luftmatratze war etwas hart und durch den Lärm der Maus unruhig.

 

Am nächsten morgen überlegen wir, ob wir wirklich nochmals eine Nacht hier verbringen möchten. Aber es wird schnell klar. Wir würden es bereuen, wenn wir jetzt schon wieder absteigen würden. Also ist der Plan klar. Wir wandern hinauf zur Estación 6. Nach 2 h sind wir oben... das ist wohl eine argentinische Stunde. Aber der Aufstieg hat sich gelohnt. Der Weg ist etwas steinig und z.T. sehr schmal, aber wunderschön. Die Aussicht zur Sierra de Famatina ist  atemberaubend. Wir teilen uns einen Apfel und essen ein paar Nüsse. Wir müssen ja rationieren... Nach der Pause machen wir uns wieder auf den Weg zurück zur Estación 5. Am Abend kochen wir uns Reis und geniessen das Lagerfeuer.  

 

 

Am nächsten Tag wachen wir früh auf und machen uns zeitig auf den Rückweg. Die letzten zwei Tage sind wir keiner Seele begegnet, doch heute (es ist Samstag) treffen wir auf vier Herren im mittleren Alter (also etwa in unserem Alter). Auf der Estación 4 treffen wir zudem auf zwei junge Gauchos, welche unterwegs zu ihren Kühen sind die auf der Alp weiden. Nach 4 h sind wir zurück bei unserem Piccolo und freuen uns  auf die kommende Nacht in unserem Luxusmobil. 

 

Übrigens: unser Rucksack war nicht ganz so leicht wie derjenige von Lea... da haben wir noch Optimierungspotential 🤔. Aber es wanderte sich unerwartet gut mit unserem Gepäck... 




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Kommentare: 7
  • #1

    Heike und Peter (Samstag, 25 Juli 2020 07:28)

    Was für Erfahrungen . Spannend und interessant. Wir „reisen“ mit Euch. LG aus momrntan Dänemark. Wir nutzen die momentane Ruhe für einen Tapetenwechsel mit unserem neuen Bus � Der Herbst wird sicher wieder Einschränkungen bringen. Pasdt weiterhin gut auf Euch auf. Heike, Peter und Harry ❤️❤️❤️

  • #2

    hORs‘SANtier (Samstag, 25 Juli 2020 10:18)

    Hab eure Blog gelesen- whoua ! Da seid ihr mutig gewesen ... hoffe es geht euch beide gut. Bald machen wir ein klein Roadtrip in der Schweiz �� Um unsere Indy ein bisschen zu bewegen ! Alles Gute - und schöne weiter Reise
    Guido

  • #3

    6feet4wheels.com (Samstag, 25 Juli 2020 11:40)

    Herzlichen Dank für euren spannenden Einblick in euren Reisealltag zu Coronazeiten. Schön könnt ihr den Moment so annehmen wie er ist und euch über so viele schöne Erlebnisse freuen. Dies ist unbezahlbar und egal wo und wie lang an einem Ort, das Reiseleben bleibt spannend und intensiv.
    Wir wünschen euch weiterhin viele schöne und intensive Reisemomente.
    Liebe Grüsse von Flurina und Cyril und Lia (6feet4wheels.com)
    Sind nach unserem 4 monatigen Lockdown in der Türkei wieder unterwegs in Bulgarien und bereuen keine Minute die wir ausgeharrt haben und nicht zurück in die Schweiz kehrten.

  • #4

    Heinz (Freitag, 14 August 2020 12:43)

    Danke für die Einblicke in das (C) Leben in Argentinien.

    Ich hatte den Reisenden ja auch zum dazu geraten dies auszusitzen.

    https://www.4x4tripping.com/2020/03/bedeutung-des-corona-covid-19-lockdown.html

    Aber wer hätte gedacht dass es so lange dauert - und in Europa sich auch gerade schon wieder verschlimmert. Einige Länder sind gerade wieder auf die Risikoliste gewandert - wer aus diesen zurückkommt nach DACH - muss auch wieder in Quarantäne.

    Zumindest diejenigen die wieder einen fixen "Wiedereinstieg" ins Berufsleben haben, wie Beispielsweise ein berufliches 3/6/12 Monate Sabatical - konnten an ein Aussitzen nicht denken. Ich bin mit mehreren in Kontakt, die wieder zurückgereist sind - ihr Fahrzeug noch irgendwo in Südamerika.

    Euch schönes Aussitzen, drücke euch die Daumen dass es bald wieder losgehen kann!

    Heinz

  • #5

    Jan & Marita (Samstag, 05 September 2020 01:59)

    Hallo Ihr Zwei
    Super Blog. Wir sind voll mit Euch dabei.
    Liebe Grüsse
    J & M

    www.MaJanta.net

  • #6

    Liliane (Samstag, 03 Oktober 2020 10:09)

    Super spannender Bericht, hervorragend geschrieben. Danke für das Teilen eurer Erfahrungen, Gedanken und Gefühle. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute, gute Gesundheit, liebe Freunde und Weisheit in den Entscheidungen Grüessli us de Schwiiz

  • #7

    Mathias (Sonntag, 04 Oktober 2020 13:53)

    Sehr interessant geschrieben! Ich befinde mich seit Dezember 2019 in Vietnam. Ausser einem 2 wöchigem Lockdown, den ich direkt am Strand mit schwimmen im Meer verbracht habe, gibt es bei uns zum Glück keine Einschränkungen und ich bin auch kurz nach dem Lockdown auch innerhalb von Vietnam geflogen. War interessant Eure Situation zu erfahren.