
Venezuela - ein Land, vor dem viele Reisende gewarnt werden. Ein Land in wirtschaftlicher Krise. Ein Land mit schwieriger politischer Lage. Und für uns: drei der intensivsten, bewegendsten und schönsten Monate unserer gesamten Südamerika-Reise.
Mit unserem Piccolo tauchten wir ein in eine Welt voller Tepuis, Traumstrände, Polizeikontrollen, Diesel-Abenteuer und vor allem: unglaublicher Menschen. Venezuela. Ein Land, das in den Schlagzeilen oft düster wirkt – und uns doch mit offenen Armen empfangen hat.
Von mitte Dezember 2024 bis mitte Februar 2025 waren wir mit unserem Piccolo in Venezuela unterwegs. Drei Monate voller atemberaubender Landschaften, improvisierter Diesel-Suche, Polizeikontrollen, wilder Natur – und vor allem: unglaublicher Gastfreundschaft.
In diesem Blogbeitrag teilen wir mit Euch unsere Erfahrungen, spannende Begegnungen und unsere 10 schönsten Orte von der Gran Sabana bis in die Anden für eine Reise mit dem eigenen Auto nach Venezuela.

In Venezuela ist es es sehr schwierig, Diesel zu kriegen. Obwohl Venezuela eines der Erdölreichsten Länder der Welt ist... Wir wussten, dass wir in der Gran Sabana nicht tanken können und haben zwei extra 18-Liter Kanister aus Brasilien mitgebracht. Der Grenzübertritt von Brasilien nach Venezuela war unspektakulär – wenn man von den 3,5 Stunden Bürokratie inklusive Mittagspause der Zollbeamten absieht😉.

Unser erstes Ziel in Venezuela war Santa Elena de Uairén, die Grenzstadt zu Brasilien und Ausgangspunkt für Ausflüge in der Gran Sabana. Hier bezahlt man nicht mit der inflationsgeschädigten einheimischen Währung Bolivar, sondern mit Brasilianischen Reales, mit US$ oder mit Gold. Ein erster Hinweis, dass Venezuela anders tickt. Die Gran Sabana ist ein Universum aus weiten Ebenen, Regenwald, Wasserfällen und majestätischen Tepuis (Tafelberge).

1. Die Gran Sabana
Unser erster Ausflug führte uns nach El Pauji in das ehemalige Hippiedorf an der Grenze zu Brasilien. Die Strasse war holprig aber mit Piccolo gut befahrbar. Was etwas anstrengend war, waren die vielen Kontrollposten. Zwei Mal von der Gendarmerie, zwei Mal von der indigenen Bevölkerung. Immer sehr freundlich, aber auch sehr unspeditiv 🤷♀️. El Pauji liegt etwa 75 Kilometer westlich von Santa Elena, nahe an der brasilianischen Grenze. Hier lebten einst viele Hippies, welche aber wegen der politischen Situation in Venezuela das Dorf verlassen haben.

El Pauji ist von unberührter Natur umgeben. Hier findet man eine Mischung aus Savannen und Regenwald sowie diverse Tepuis (Tafelberge). In El Pauji haben wir auch Marco bei unserer Wanderung auf den El Abismo, dem kleinen Berg oberhalb des Dorfes kennengelernt. Er ist in der Schweiz geboren, wohnt aber seit seinem zweiten Lebensjahr in Venezuela. Sein Bruder wohnt heute in Oberrohdorf im Aargau.. wie klein doch die Welt ist.
El Pauji, Gran Sabana: 4.47869, -61.58948

Hinter El Pauji gibt es eine Piste nach Ikabaru. Bereits nach einigen Kilometern mussten wir passen. Hier kam Piccolo an seine Grenzen. Die Absätze auf der 'Strasse' waren so hoch, dass dies ohne Low-Gear nicht fahrbar war. Wir entschieden uns stattdessen für eine Abkühlung in der nahegelegenen Laguna Esmeralda, was eine nette Alternative war. Auch die Motorradfahrer haben kapituliert...

Die Gran Sabana ist auch das Land der Wasserfälle: Quebrada de Jaspe, Naturpools wie El Oasis, Salto Kama Meru, Salto Sakaika und viele weitere Saltos, die sich in die Tiefe stürzen. Überall stehen verlassene Cabañas, Zeugnisse vergangener Touristenzeiten – heute wirkt die Region still, ursprünglich und kraftvoll.
El Oasis, Gran Sabana: 5.13343, -61.09359

2. Wanderung auf den Mount Roraima
Unser Highlight in der Gran Sabana war die Wanderung auf den Mount Roraima. Spontan beschlossen wir mit den Motorradfahrern Marijke aus Holland und Bruno aus der Schweiz für die 66 km lange Wanderung auf den höchsten Tafelberg der Welt. In Santa Elena haben wir Essen für unsere 5tägige Wanderung eingekauft. Anschliessend fuhren wir nach Paraitepui, dem Startpunkt unseres Abenteuers.

Das Dorf wird fast ausschliesslich von den Pemón-Indianern bewohnt, einem indigenen Volk mit einer reichen Kultur und Tradition. Hier treffen wir uns mit Alexander, einem einheimischen Tourguide. Sein Papa, ebenfalls Tourguide, seine Mama und seine Schwester haben uns auf den Berg begleitet. Er selber ist Lehrer im Dorf und musste die Dorfjugend unterrichten.
Fünf Tage wanderten wir über Flüsse, durch Savannen und dichten Nebelwald. Oben erwartete uns Nebel, bizarre Felsformationen und absolute Stille. Vom Maverick Stone aus konnten wir die unendliche Weite der Gran Sabana überblicken – es war ein unvergessliches Erlebnis.
WhatsApp Alexander Ayuso: +58 416 816 69 83

3. Playa Chaguaramas
Nach der rauen Schönheit der Tafelberge zog es uns an die Küste. Unser Favorit: die Playa Chaguaramas die sich zwischen den bekannteren Playa Puy Puy und Playa Medina befindet. Ein Strand wie aus dem Bilderbuch. Keine Hotels, kein Internet, nur wir, der weisse Sand und frische Kokosnüsse, die uns die Locals zum Frühstück brachten. Die lokalen Jungs hier schauen gut zu ihrem Traumstrand.

Sie pflegen und hegen den Rasen und reinigen den Strand Wir hatten den Strand 3 Tage für uns alleine. Einfach nur traumhaft ❤️.
Die Anfahrt war nicht ganz einfach, der Einstieg eher ein Wanderweg als eine Strasse. Aber Piccolo hat das locker geschafft.
Playa Chaguaramas: 10.71130, -62.99136

4. Colonia Tovar
Colonia Tovar ist eine deutsche Kolonie in Venezuela. Hier sieht es ein bisschen aus wie im Schwarzwald 🙂. Die eher reichen Bewohner der nahegelegenen Städte Caracas und Maracay ströhmen hier am Wochenende in Scharen auf den bunten Markt und decken sich mit frischem Gemüse und Süssigkeiten ein. Beim Hotel Freiburg durften wir auf dem Parkplatz übernachten. Der Besitzer Jürgen ist hier geboren und spricht fliessend Deutsch. Seine Eltern sind in den 1950er-Jahren ausgewandert.

Jürgen hat uns einiges über die goldenen Zeiten in Venezuela und dem wirtschaftlichen Untergang erzählt. Auch er kämpft jeden Tag ums Überleben. Für die nötigen Renovationsarbeiten an seinem Hotel fehlt schlicht das Geld.
Colonia Tovar wurde im Jahr 1843 von deutschen Einwanderern aus der Region Kaiserstuhl gegründet. Agustín Codazzi, ein bedeutender venezolanische Geograph hatte die Vision, in den fruchtbaren Gebieten der venezolanischen Berge eine Gemeinschaft anzusiedeln, die von europäischen Einwanderern bewohnt werden sollte.

Diese sollten ihre landwirtschaftliche Expertise einbringen und zur Entwicklung der Region beitragen. Die deutschen Einwanderer brachten ihre Traditionen, Bräuche und ihr landwirtschaftliches Wissen mit. Sie kultivierten das Land, bauten Feldfrüchte an und gründeten eine Gemeinschaft. Die Stadt wurde schnell für ihre landwirtschaftliche Produktivität bekannt, insbesondere für den Anbau von Obst, Gemüse und Blumen. Eine spannende Geschichte.
Hotel Freiburg, Colonia Tovar: 10.40509, -67.28367

5. Parque Nactional Morrocoy
Ein weiteres Highlight war der Morrocoy Nationalpark, ein Paradies aus kristallklarem Wasser, Mangrovenwäldern und Koralleninseln. In Chichiriviche haben wir uns im Innenhof von Hoku-Turismo einquartiert. Mit Cesar, dem Besitzer erkundeten wir die Inselwelt. Der erste Ausflug führte uns zuerst zur Cayo Peroza. Die kleine Koralleninsel liegt nur wenige Kilometer von Chichiriviche entfernt. Wir waren die einzigen Besucher an diesem morgen 😃.

Nach ein paar Stunden holte uns Cesar wieder ab und fuhr mit uns zur Cueva de la Virgen. Die natürliche Höhle ist nur mit dem Boot erreichbar. Sie ist ein beliebter Wallfahrtsort und beherbergt zahlreiche religiöse Statuen und Bilder. Die Besucher bringen oft eigene religiöse Gegenstände mit und hinterlassen sie in der Höhle. Nach dem Spaziergang ging es mit dem Boot weiter durch einen wunderschönen Mangrovenwald und durch den Camino del Amor, dem Liebeskanal. Wunderschön ❤️.

Rechtzeitig zum Mittagessen hat uns Cesar an der Playa Varadero abgesetzt. Was soll ich sagen... einfach nur traumhaft. Das Pünktchen auf dem 'i' war die Lieferung des Mittagessens an den Strand: frischer Fisch und frische Camarones mit Knoblauch, Reis und gebackenen Bananen. Ein Gedicht 😋. Der Ausflug war einfach nur traumhaft 😍.
Hier zeigte sich die Karibik von ihrer schönsten Seite: weisse Strände, ruhige Buchten und tropische Fische.

Der zweite Ausflug im Morrocoy Nationalpark führte uns zur Cayo Sombrero, der angeblich schönsten Insel im Nationalpark. Das Wasser spiegelglatt, kristallklar, türkisblau. Am morgen war es noch still auf der Insel. Cesar hat unsere Hängematten auf der hinteren Seite der Insel aufgehängt. Wir waren alleine, schnorchelten und badeten im warmen Meer. Nur hin und wieder spazierten ein paar Leute vorbei. Gegen Mittag hörten wir von weitem Musik. Auf der Vorderseite der Insel tummelten sich mittlerweile einige Leute.

Ein paar reiche Venezuelaner parkten ihre gemietete Yacht am Strand und machten Party. Ein Boot übertönte das andere mit lauter Musik. Die Girls posierten auf dem Deck für ihre Social Media Fotos. Nach ein paar Minuten habe ich das Schauspiel gesehen und begab mich wieder auf 'unsere' ruhige Seite der Insel wo schon bald unser Mittagessen angeliefert wurde.
Am Nachmittag brachte uns Cesar zur Bajo los Juanes - eine weitere Partyecke zwischen den Inseln.

Hier reihen sich die Boote aneinander. Das Meer ist nicht tief und die schwimmenden Restaurants servieren frischen Fisch. Da wir schon gegessen haben fuhren wir weiter zur Cayo Aleman. Hier waren wir wieder alleine und gönnten uns eine Schlammpackung 🙂. Wir genossen einen weiterern wunderschönen Tag im Morrocoy Nationslpark.
Unser Fazit: Venezuela hat die schönsten Strände in ganz Südamerika ❤️.

'Siéntete como en casa' (fühlt euch wie zuhause), das war nicht nur ein Spruch. In der Einfahrt von Césars Haus durften wir mit unseren Autos stehen so lange wir wollten. Wir haben uns in Césars 'Wohnzimmer' puddelwohl gefühlt und wollten gar nicht mehr weiter ziehen. Doch nach 5 Tagen verabschiedeten wir uns von der ganzen Familie. Was für ein unvergesslicher Aufenthalt hier mit Familienanschluss - einfach nur schön 😍.
Hoku-Turismo Chichiriviche: 10.92619, -68.27082

6. Halbinsel Paraguaná
Die Stadt Coro ist der Ausgangspunkt für die Halbinsel Paraguaná. Von hier fuhren wir an den bekannte Sanddünen vorbei Richtung Adícora und fanden einen tollen Platz mit Schatten neben einer Kitesurf-Schule. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben, aber es wurden dann drei daraus... es war gerade so gemütlich 😃. Adícora liegt am Karibischen Meer zwischen dem Golf von Venezuela und der Karibik.

Auf der Halbinsel Paraguaná befinden sich auch die Salinas de Las Cumaraguas. Die Salinen bestechen durch ihre beeindruckenden Farben, die je nach Tageszeit von intensivem Rot bis zu sanftem Rosa reichen können. Diese Färbung wird durch den hohen Tanningehalt des Wassers verursacht, der von bestimmten Bäumen in der Umgebung stammt. Die örtliche Bevölkerung lebt hauptsächlich von der Salzgewinnung. Die Arbeitsbedingungen sind sehr hart. Die Einheimischen schaufeln das Salz von Hand auf die Schubkarren und dann auf die LKWs. Alles Handarbeit 🙄.

Auf dem Weg zum Cabo San Roman - dem nördlichsten Punkt auf dem Venezuelanischen Festland 'sprang' ein junger Venezolaner vor unser Auto und stoppte uns. Er lud uns ein, bei seiner Familie im Garten zu übernachten. Er ist dabei, in Puerto Escondido den kleinen Campingplatz El Más Allá aufzubauen und freute sich über jeden Gast. Wilmer baut am Meer neben dem Haus seiner Mama einen kleinen Kunstgarten aus Stein. Dieser soll in Zukunft vermehrt Touristen anlocken. Im Garten von Mama Moraima sollen später auch noch Bungalows gebaut werden. Schöne Pläne, ich hoffe sie gehen eines Tages in Erfüllung 🙏.
Camping El Más Allá, Puerto Escondido:
12.17471, -69.95379

Am nächsten morgen machten wir uns auf den Weg, die Halbinsel Paraguaná zu umrunden. Nach einigen Kilometern war der Weg von einem Kaktus blockiert. Dieses Problem konnten die Jungs schnell lösen. Aber nach ein paar weiteren Kilometern hatten wir die Wahl zwischen einer Wasserpiste oder einer Sandpiste. Beides wollten wir nicht. Es war schon fast 16h und wir beschlossen hier zu übernachten.

Neuer Tag, neues Glück... dachten wir... und versuchten auf einer anderen Piste weiter zu kommen, mussten dann aber nach einer Stunde kapitulieren. Der Weg war immer mehr überwachsen von den Bäumen. Wir hätten da mit Piccolo noch knapp durchgepasst. Aber unsere Freunde hatten mit ihrem Sprinter keine Chance.Wir drehten wieder um und verabschiedeten uns von der Vorstellung die Halbinsel Paraguaná zu umrunden.

Am Abend landeten wir auf der wunderschönen Hacienda la Pancha. Eigentlich müsste man vorher reservieren. Aber die nette Besitzerin Elena war sehr spontan und bekochte uns mit einem super leckeren 4-Gang-Menu😋. Übernachten durften wir in unserem Auto - kostenlos! Gar nicht so schlimm, mussten wir umdrehen 😃.
Hacienda La Pancha, Pueblo Nuevo, Paraguaná:
11.94739, -69.85985

7. Laguna Mucubají & Laguna Negra
Die Laguna de Mucubají ist eine der bekanntesten Lagunen Venezuelas. Sie liegt im Nationalpark Sierra Nevada im Bundesstaat Mérida, auf 3'600 m.ü.m. Wir sind von hier bis zur nahegelegenen Laguna Negra gewandert. Die Laguna de Mucubají besticht durch ihre beeindruckende Andenlandschaft, das kalte Klima und die artenreiche Flora und Fauna, darunter der berühmte Frailejón, einer typische Pflanze der Hochanden 🌸.

Die Bergluft, die klare Sicht und die unberührte Natur machten diese Region zu einem Ruhepol nach Wochen tropischer Hitze.
Laguna de Mucubaj: 8.79741, -70.82909
Laguna Negra: 8.78700, -70.80556

8. Termas de Musui
Früh aufstehen zahlt sich aus 🌄. In der Nähe von Mérida befinden sich die Termas de Musui. Die heissen Quellen liegen in einer Schlucht am Fusse des Berges Musui und sind vom Wanderparkplatz zu Fuss in 45 Minuten zu erreichen. Da die Thermen ein beliebter Ort für Touristen und Einheimische sind haben wir gegen eine kleine Gebühr auf dem Wanderparkplatz übernachtet und sind am frühen morgen da hoch gelaufen.

Wer früh kommt, hat die Quellen fast für sich allein. Das warme Wasser zwischen den steilen Felswänden inmitten der kalten Bergluft zu geniessen war ein magischer Moment. Ab 10h kamen dann die ersten Einheimischen und weitere Touristen den Berg hoch. Teils zu Fuss, teils auf dem Pferd.
Termas de Musui: 8.75224, -70.95913

9. Pico Espejo - Mérida
In der Andenstadt Mérida befindet sich die höchste und längste Seilbahn der Welt, die Teleférico de Mérida. Sie ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen in Venezuela. Die moderne Doppelmayr/CWA Seilbahn startet auf knapp 1'500 Meter und fährt in 1.15h auf den Pico Espejo auf 4'765 M.ü.M.. Unterwegs muss man 3x umsteigen. Wir starteten im T-Shirt und als wir oben ankamen hatten wir dann unsere dicken Jacken und die Mützen an.

Leider war der Berg mit Wolken umhüllt als wir oben ankamen, was angeblich fast immer der Fall ist. Am Schluss gab's dann noch einen Apéritiv. Die Ausländer müssen ein VIP-Ticket kaufen wenn sie mit der Gondel fahren wollen. Das beinhaltet nebst einem Pĺatz in der 1. Reihe der Gondel auch einen Gratis-Drink 🍹.
Teleférico de Mérida: 8.59349, -71.14144

In Mérida konnten wir auf dem Parkplatz der Teleférico übernachten. Im gegenüberliegenden Hotel Boutique Teleférico durften wir kostenlos duschen und Wasser auffüllen. Ivan, der nette Parkwächter hat mit seinen Kumpels auf unsere Autos aufgepasst. Und in der La Botana Bar hatte Besitzer Marco so einen Spass an uns, dass er uns an einem Abend gleich 5 Runden Bier offeriert hat. Wir wurden in Mérida gut behütet und versorgt.
Parkplatz Teleférico: 8.59243, -71.14268

10 . Bergdorf Los Nevados
Los Nevados ist ein malerisches Bergdorf im Nationalpark Sierra Nevada. Es ist das höchstgelegene Dorf in Venezuela und liegt auf 2'711 m.ü.M. Die Anreise ist etwas abenteuerlich da das Dorf ziemlich abgelegen liegt. In der Regel erfolgt die Anreise mit Geländewagen von Mérida aus.... oder mit einem VW T5 aus der Schweiz 😃. Die Fahrt war wirklich etwas abenteuerlich. Die letzten Kilometer waren ziemlich ausgesetzt, nur noch einspurig und z.T. sehr steil.

Das kennen wir eigentlich von Peru... aber wir waren trotzdem etwas angespannt und sehr froh, als wir heil ankamen 🙄.
Von Los Nevados aus führen ein paar schöne Wanderungen ins Gebirge. Unter anderem auch auf den Pico Espejo. Da wir uns wegen der ausgesetzten Strasse nicht ganz so wohl fühlten beschlossen wir, am gleichen Tag wieder zurück zu fahren.
Los Nevados: 8.46204, -71.07532
Fazit: Venezuela ist kein Land, das man 'einfach' bereist
Venezuela ist ein Land das fordert – Geduld, Flexibilität, Vertrauen. aber noch viel mehr hat es uns beschenkt. In einem Land, in dem Diesel Mangelware ist und das tägliche Leben oft aus Improvisation besteht, haben wir eine Lebensfreude und Würde gefunden, die uns tief bewegt hat. Ob es der Tankwart war, der sein letztes Kontingent mit uns teilte oder der Soldat am Kontrollposten, der uns statt einer Schikane einen frischen Papayasaft anbot und gleich noch Tipps für den besten einheimischen Whiskey auf den Weg gab. Oder im Zoo von Maturín, wo wir zwischen Tiergehegen schlafen durften oder Posada-Besitzer, die uns ihre gesamte Infrastruktur kostenlos zur Verfügung stellten. Die Gastfreundschaft war grenzenlos. Diese Momente haben uns gezeigt, dass echte Menschlichkeit keine Grenzen kennt. Es macht uns demütig zu sehen, wie Menschen, die selbst fast nichts haben, uns mit einer Selbstverständlichkeit alles gaben.
Wir verliessen dieses Land als 'Glückspilze', die im Überfluss der Schweiz geboren wurden aber in Venezuela gelernt haben, was wahrer Reichtum ist: Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und ein Lächeln, das selbst unter schwierigsten Bedingungen nicht erlischt. Venezuela ist kein einfaches Reiseland, aber es ist ein zutiefst lohnendes. Wir haben uns nie unsicher gefühlt. Wer mit offenem Herzen reist, wird hier mit einer Herzlichkeit belohnt, die wir so nirgendwo sonst auf der Welt erlebt haben. Wir kamen für die spektakulären Landschaften, doch was wir mitnehmen, ist die Wärme der Menschen.
Gracias, Venezuela ❤️
>> Mehr Eindrücke und Bilder aus Venezuela findet ihr auf Polarsteps
>> Hier geht's zu unserem Blog: Overlanding Venezuela: würden wir es wieder tun? Erfahrungen und Tipps

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mutig-los.ch (Samstag, 04 April 2026 06:12)
Vielen Dank für euren absolut lesenswerten Eintrag!
So kommt er mir rüber: Kurz und knackig, emphatisch und weiterführend, witzig und bunt.
Wirklich gut gemacht!!! Bis bald!