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COVID-19: wir erleben den längsten Lockdown der Welt (2/2)

DIe Zeit hier in Argentinien vergeht trotz Lockdown wie im Flug
DIe Zeit hier in Argentinien vergeht trotz Lockdown wie im Flug

Am 17. März 2020 sind wir hier in Chilecito angekommen und haben die letzten Tage des Sommers noch miterlebt. Inzwischen ist der Herbst und der Winter an uns vorbeigeflogen. Die Zeit hier vergeht tatsächlich wie im Flug, trotz Lockdown und der Tatsache, dass wir uns nur im Umkreis von 20 km bewegen können. Immerhin!

 

Die ersten 200 Tage haben wir hinter uns. Was kommt als Nächstes? Wird Argentinien für den kommenden Sommer Lockerungen ankündigen oder gar die Grenzen wieder öffnen? Oder wird uns Uruguay 'Asyl' gewähren? Wir sind selber sehr gespannt wie es weiter geht. Ihr auch? Dann bleibt dran und begleitet uns auf den nächsten 200 Tagen Lockdown... oder Lockout.... was es dann auch immer sein wird...

 

Falls Ihr unsere ersten 200 Tage verpasst habt, könnt Ihr hier im Teil 1 nachlesen was wir erlebt haben.

 


Der Boden ist steinhart: die Eisenrohre werden einbetoniert
Der Boden ist steinhart: die Eisenrohre werden einbetoniert

06.10.2020: wir bauen einen Gewächstunnel

Es ist Frühling in Argentinien und hier in Chilecito wird es ganz schön heiss. Im Sommer soll es über 40 Grad warm werden. Unsere Freundin Leonor hat vor einiger Zeit erwähnt, dass sie gerne ein Gewächshaus in ihrem Garten hätte. Im Sommer soll dies dazu dienen, dem Gemüsegarten Schatten zu verleihen und im Winter soll das Haus das Gemüse vor dem Erfrieren schützen. Gesagt, geplant... an einem Nachmittag nach einem Bier skizzieren Leonor und Pit den Gewächstunnel. Sie besprechen, welches Material benötigt wird und erstellen eine Stückliste. Einige Tage später gehen wir mit Leonor einkaufen.

Der Gewächstunnel schützt vor Sonne und Kälte
Der Gewächstunnel schützt vor Sonne und Kälte

Heute beginnen wir mit dem Bau. Zuerst werden links und rechts der Gemüsebeete Löcher geschaufelt damit kleine Eisenrohre einbetoniert werden können. Diese dienen dazu, die Armierungseisen (Gewächshausstangen) zu befestigen. Nach dem Betonieren werden die Eisen gebogen und links und rechts in die Rohre geführt. Zum Schluss wird das Sonnentuch über das Gerüst gezogen. Fertig! Der Sommer kann kommen. Im Winter kann Leonor das Tuch entfernen und durch einen Plastik ersetzen, welcher das Gemüse vor dem Erfrieren schützen soll. Wir sind gespannt ob das klappt. Aber soooo kalt ist es hier normalerweise im Winter nicht... 

Wunderschöne Wanderung zur Estacion 6
Wunderschöne Wanderung zur Estacion 6

08. - 10.10.2020: mit Zelt und Rucksack in die Berge

Eigentlich haben wir unsere Zeltkarriere 2015 auf dem W-Trek im chilenischen Nationalpark Torres del Paine beendet. Doch als wir vor einem Jahr den Vortrag von @leahikes über 'Leichtwandern' gehört haben, hat uns die Lust auf Trekking mit Zelt und Schlafsack wieder gepackt. Wenn wir schon nicht mit unserem Auto zur Mina la Mejicana hoch fahren können (diese liegt auf über 4.700 m), dann wollen wir ihr wenigstens entgegen laufen. Wir parken unser Auto auf dem Parkplatz der Estación 3, bis da kann man fahren.

Blick auf die Sierra de Famatina
Blick auf die Sierra de Famatina

Danach müssen wir zu Fuss weiter. Wir plaudern mit dem Besitzer der nahegelegenen Finca und sagen ihm Bescheid, dass wir unser Auto für eine Nacht hier stehen lassen. Unser Ziel ist die Estación 5, doch er empfiehlt uns, bis zur Estación 6 hoch zu laufen. Es sei nicht mehr weit, nur etwa eine Stunde von der Estación 5.... Naja, erst mal nicht übertreiben. Wir können da immer noch an einem anderen Tag hoch. Wir sind ja bestimmt noch eine Weile hier. Wir wandern also entlang der einst längsten Transportseilbahn der Welt, der Cable Carril von Chilecito in Richtung Mina la Mejicana, welche auf der Estación 9 liegt.

Cable Carril Chilecito: wir übernachten auf der Estación 5
Cable Carril Chilecito: wir übernachten auf der Estación 5

Nach 2.5 h Aufstieg sind wir bei der Estación 4. Diese kennen wir bereits von einem Tagesausflug. Zum Glück können wir unterwegs immer wieder unsere Wasserflaschen auffüllen. So müssen wir nicht für 2 Tage Wasser mitschleppen. Nach einem kurzen Halt und einer Zwischenverpflegung wandern wir weiter in Richtung Estación 5. Es sind weitere 2.5 h bis wir unser Tagesziel erreichen. Die Aussicht auf die Sierra de Famatina ist bombastisch. Pit nimmt im nahegelegenen Bergbach eine kühle Dusche und ich baue das Zelt auf. Wir geniessen die idyllische Abendstimmung und schauen hinauf zur Estación 6. Hmm, wenn wir schon mal hier sind. Wollen wir morgen nicht  doch da hoch laufen? Es ist ja nur noch eine Stunde?  Morgen hin und wieder zurück, nochmals auf der  Estación 5 übernachten und übermorgen absteigen zur 3. Klingt nach einem guten Plan. Wir rationieren unseren Essensvorrat damit dieser für einen zusätzlichen Tag reicht. Heute gehen wir früh zu Bett denn wir sind ziemlich müde. Kaum haben wir das Licht gelöscht, hören wir Geräusche. Wir denken zuerst an eine Kuh... oder ist es eher ein Vogel? Nach einer halben Stunde stehen wir auf und schauen nach. Wir sehen kein Tier. Zurück in unserem geschützten Raum, wo wir unser Zelt aufgestellt haben, schauen wir in den Schrank. Hallo! Wir schauen in zwei dunkle Knopfaugen einer Maus. Im Schrank befinden sich übrig gebliebene Essensvorräte von anderen Wanderern. Ein Festessen für die kleine Maus. Naja, die wohnt schliesslich länger hier als wir. Also versuchen wir, trotz den Geräuschen einzuschlafen. Die Nacht auf der Luftmatratze war etwas hart und durch den Lärm der Maus unruhig.

Nach der Wanderung geniessen wir das Lagerfeuer
Nach der Wanderung geniessen wir das Lagerfeuer

Am nächsten morgen überlegen wir, ob wir wirklich nochmals eine Nacht hier verbringen möchten. Aber es wird schnell klar. Wir würden es bereuen, wenn wir jetzt schon wieder absteigen würden. Also ist der Plan klar. Wir wandern hinauf zur Estación 6. Nach 2 h sind wir oben... das ist wohl eine argentinische Stunde. Aber der Aufstieg hat sich gelohnt. Der Weg ist etwas steinig und z.T. sehr schmal, aber wunderschön. Die Aussicht zur Sierra de Famatina ist  atemberaubend. Wir teilen uns einen Apfel und essen ein paar Nüsse. Wir müssen ja rationieren... Nach der Pause machen wir uns wieder auf den Weg zurück zur Estación 5. Am Abend kochen wir uns Reis und geniessen das Lagerfeuer.  

 

Geschafft: wir sind wieder bei unserem Piccolo auf der Estacion 3
Geschafft: wir sind wieder bei unserem Piccolo auf der Estacion 3

Am nächsten Tag wachen wir früh auf und machen uns zeitig auf den Rückweg. Die letzten zwei Tage sind wir keiner Seele begegnet, doch heute (es ist Samstag) treffen wir auf vier Herren im mittleren Alter (also etwa in unserem Alter). Auf der Estación 4 treffen wir zudem auf zwei junge Gauchos, welche unterwegs zu ihren Kühen sind die auf der Alp weiden. Nach 4 h sind wir zurück bei unserem Piccolo und freuen uns  auf die kommende Nacht in unserem Luxusmobil.  

Übrigens: unser Rucksack war nicht ganz so leicht wie derjenige von Lea... da haben wir noch Optimierungspotential 🤔. Aber es wanderte sich unerwartet gut mit unserem Gepäck... 

Unser  Lockdown-Begleiter Mati fährt nach Cordoba
Unser Lockdown-Begleiter Mati fährt nach Cordoba

18.10.2020: wir verkriechen uns in die Berge

Wir sind seit 4 Wochen wieder in Phase 1. Die meisten Geschäfte haben zwar wieder geöffnet (wohl eher inoffiziell) aber die Restaurants sind noch geschlossen. Zudem sind die Strassenkontrollen immer noch streng (also zumindest sind sie noch da.... bisher hatten wir keine Probleme diese zu passieren). Die Fallzahlen steigen täglich und die Spitalbetten in Chilecito sind voll. Zudem klettern die Temperaturen in Chilecito auf nahezu 40 Grad. Und das im Frühling! Wir beschliessen, für ein paar Tage in die Berge zu fahren um der Hitze und den Leuten zu entkommen. Heute verlässt uns auch Mati, der Argentinier mit dem T1.6, welcher den Lockdown auch hier in Chilecito verbracht hat und die letzten Wochen mit uns auf dem Campingplatz gewohnt hat. Mati hat nun nach langem hin und her eine Bewilligung erhalten, um nach Cordoba zu seiner (Ex-)Freundin zu fahren.

Wir verziehen uns in die Berge von Santa Florentina
Wir verziehen uns in die Berge von Santa Florentina

Da wir uns immer noch nur in Umkreis von 20 km bewegen können (es sind immer die gleichen 20 km :-)), haben wir nicht viele Möglichkeiten uns zu verkriechen. Unser Wohnort (der Campingplatz) befindet sich am Fusse der Sierra de Famatina und somit können wir ohne Kontrollen den Berg hinauf auf 2'400 m fahren. Wir waren vor ein paar Wochen schon hier Der Platz ist traumhaft.  Wir sind alleine, weit und breit keine Menschenseele. Viel kühler als in Chilecito ist es allerdings nicht aber doch etwa 2 Grad weniger.

Kleine Wanderung zu einem kleinen Wasserfall
Kleine Wanderung zu einem kleinen Wasserfall

Das hängt damit zusammen, dass rund um die Stadt Kontrollposten stehen welche den Einheimischen die Fahrt in die Berge verbietet. Aus guten Grund, denn an den Wochenenden ist hier oben normalerweise die Hölle los. Familien und Freunde veranstalten normalerweise ausgiebige Asados (Grillfeste) und trinken Mate. Beides ist nicht wirklich förderlich zur Bekämpfung des Coronavirus. Wir machen es uns gemütlich und erkundigen die Gegend. Auch wenn wir nicht zum ersten Mal hier sind entdecken wir immer wieder neue Schönheiten der Natur.

Der Rucksack ist voll: wir holen 30 Liter frisches Wasser aus dem Bergbach
Der Rucksack ist voll: wir holen 30 Liter frisches Wasser aus dem Bergbach

Wir bleiben eine Woche auf dem Berg, unternehmen Wanderungen oder geniessen einfach die Aussicht und die Stille. Ab und zu reitet ein Gaucho an uns vorbei oder die Einheimischen der nahegelegenen Finca nutzen den (für argentinische Verhältnisse) ausgezeichneten Handyempfang auf 'unserem' Berg. Um unseren Wasservorrat aufzufüllen, laufen wir 10 Minuten den Berg hinunter und kehren mit 30 Liter frisch gefiltertem Bergwasser wieder zurück. Es fühlt sich fast so an wie vor Corona, als wir noch unbeschwert herumreisen durften....

Gartenarbeiten bei Leonor in Chilecito
Gartenarbeiten bei Leonor in Chilecito

24.10.2020: Gartengestaltung bei Leonor

Heute bekommt Leonor neue Gemüsekisten. Während ich mich mit Leonor um die Umpflanzung von Gemüse und Kakteen kümmere, zimmert Pit zwei grosse Holzkisten ä 40 cm 40 cm x 195 cm. Pit geniesst es, wieder einmal mit Holz zu arbeiten und Leonor gefällt, was Pit ihr geschreinert hat. Nächstes Wochenende kümmern wir uns um den Anstrich der Holzkisten.

Plaza Principal in Chilecito: der Frühling ist da
Plaza Principal in Chilecito: der Frühling ist da

01.11.2020: Die neu gewonnene Freiheit

Seit bald 8 Monaten 'leben' wir nun in Chilecito. Wir haben die Kleinstadt im Nordwesten von Argentinien richtig lieb gewonnen. Nach 5 Wochen sehr strengem Lockdown, herrscht jetzt schon fast wieder Normalzustand. Bis auf die Einschränkung, dass wir Chilecito nicht verlassen und wir seit 6 Wochen keinen Alkohol mehr kaufen können 🤔. Der Frühling zeigt sich in seiner vollen Pracht und die Leute geniessen das tolle Wetter und die neu gewonnene Mini-Freiheit. Wem kommt das bekannt vor? Der Sommer in Europa und die 2. Welle lassen grüssen... Hoffentlich wiederholt sich das Szenario nicht in Südamerika. Aber vielleicht bleibt ja die 1. Welle hier so lange bestehen, dass es keine zweite mehr gibt... 

Lockdown in Argentinien beendet?
Lockdown in Argentinien beendet?

04.11.2020: Lockdown bald beendet?

Vor ein paar Tagen hat eine Deutsche Zeitung darüber berichtet, dass der Lockdown in Argentinien zu Ende ist. Nun, die letzte Verlängerung dauert sicher noch bis zum kommenden Sonntag. Wir warten gespannt, was Alberto Fernandez demnächst verkünden wird. Ob wir schon bald wieder auf der Ruta 40 unterwegs sein werden? Weiter berichten einige Reisende, dass Chile die Grenzen bald öffnen wird. Wir sind gespannt, was an den Gerüchten dran ist 😃🚐.

Die Gemüsekisten werden positioniert
Die Gemüsekisten werden positioniert

07.11.2020: Die Gemüsekisten sind fertig

Heute erhalten die Gemüsekisten von Leonor ihren Anstrich. Wir streichen das Holz 3x mit einem Holz-Schutzlack. Danach kleiden wir die Kisten mit einer Plastikfolie aus, bevor wir sie mit frischer Erde füllen. Leonor verwendet für ihren Permakulturgarten spezielle Erde, welche sie mit Algorobo-Streu, Kuhscheisse und weiteren Zutaten verfeinert. Wir staunen echt über diese fruchtbare Erde in ihrem doch etwas wüstenartigen Steingarten. Schon wieder etwas gelernt!

Wir drehen noch weitere Runden in Chilecito
Wir drehen noch weitere Runden in Chilecito

08.11.2020: Verlängerung!!

Die gute Nachricht:  Donald Trump hat seinen Job verloren.
Die schlechte Nachricht: die Quarantäne in Argentinien wird um weitere 3 Wochen verlängert. Das war wohl eine Zeitungsente, wobei diese Deutsche Zeitung nicht die Einzige war, welche vom Ende des Lockdowns berichtet hat.

ABER: es sind weitere Lockerungen angekündigt worden. Was diese sind, wissen wir allerdings noch nicht. Mal schauen, ob wir uns bald frei in La Rioja bewegen können? Bis dann drehen wir weiter unsere Runden hier in Chilecito, was gar nicht so schlecht ist 😉

Anstehen beim Correo in Argentinien ist alltäglich
Anstehen beim Correo in Argentinien ist alltäglich

11.11.2020: die Argentinische Post

Wir haben immer wieder gestaunt, wie viele Leute täglich vor der Post anstehen. Zum Glück müssen wir keinen Brief versenden. Bis eines Tages unsere Bank in der Schweiz (wir nennen hier keine Namen) verlangte, dass wir ihnen gewisse Unterlagen persönlich unterzeichnet von Argentinien in die Schweiz schicken. Da wir ja immer noch im Lockdown sind, weiss man nie so genau, wann die Post hier geöffnet hat. Bei unserem ersten Versuch, den Brief zur Post zu bringen, war sie dann auch prompt geschlossen. Wir waren in Phase 1 und das war Grund genug, nicht zu arbeiten. 

Nett war er, der Herr beim Correo
Nett war er, der Herr beim Correo

Nach dem Ende der Phase 1 unternahmen wir einen neuen Versuch. Die Kolonnen vor der Post waren aber so lang, dass wir unser Unterfangen auf einen späteren Tag verschoben haben. Am 11.11. war dann die Kolonne nicht mehr so lang. Nach ca. 45 Minuten anstehen vor dem 'Correo' haben wir es bis zu Schalter 1 von 2 geschafft. Wir geben den Brief ab mit dem Hinweis 'bitte Einschreiben in die Schweiz'. Die Angestellte meint, das ist leider nicht möglich da Argentinien noch in der Quarantäne ist! Wir erklären ihr, dass es wichtig ist worauf sie verschwindet. Nach ein paar Minuten kommt ein netter Herr in Krawatte und einem EMS Sendeauftrag. Er wird etwas unsicher als er sagt, dass der Brief 3'750 Pesos (ca. CHF 35) kostet. Wir fragen, ob der Preis möglicherweise für Packetpost ist? Er verneint die Frage und schaut nochmals genau in den Computer. Hier gibt es etwas günstigeres. Eine andere Sendeart aber auch eingeschrieben, nur noch 1'105 Pesos. Wir nehmen den Preis und sind froh, dass wir den Brief endlich los sind.... wir haben ihn nämlich schon seit Wochen mit uns herum getragen.

 

Ach ja, am Schluss erklärt uns der nette Herr, dass der Brief jetzt wohl in Chilecito bleibt bis die Quarantäne im Land aufgehoben wird .Und das kann noch Wochen dauern 🙈.

 

Strassenblockade in Nonogasta
Strassenblockade in Nonogasta

18.11.2020: wir dürfen wieder fahren!!

Die ersten Lockerungen zeichnen sich ab. Die Strecke zwischen Chilecito und der Provinzhauptstadt ist nach 8 Monaten wieder offen. Anscheinend dürfen die Chileciteños ins 200 km entfernte La Rioja fahren. Ohne Bewilligung, ohne PCR-Test und ohne Quarantäne bei der Rückkehr. Ob das auch für uns Ausländer gilt? Das kann uns hier keiner so genau sagen. Wir probieren es einfach aus und fahren los.. Was uns allerdings auch noch stoppen könnte ist die  Strassenblockade ausserhalb von Chilecito. Mal schauen, wie weit wir kommen.

Los Colorados / La Rioja
Los Colorados / La Rioja

Nach dem Einkaufen und einem leckeren Mittagessen im El Rancho de Ferrito fahren wir los. In Nonogasta ist von Weitem die Strassenblockade mit vielen Leuten zu erkennen. Doch unsere Fahrbahn ist frei. Die erste Hürde ist also geschafft. Wir fahren weiter bis Vichigasta. Dort kamen wir vor 8 Monaten, am 17. März  in den Genuss der ersten Gesundheitskontrolle. Der Kontrollposten ist immer noch da. Der nette Polizist stellt uns ein paar Fragen und winkt uns durch. Die zweite Hürde ist auch geschafft.. Genau in der Mitte von Chilecito und La Rioja liegt das kleine Dorf Los Colorados. Im Dorf leben 12 Familien. Es ist Nachmittag, Siesta-Time in Argentinien. 

 

Wir fahren ins Naturreservat von los Colorados
Wir fahren ins Naturreservat von los Colorados

Das Dorf ist leer, zwei kleine Kinder spielen in einer Wasserpfütze. Vor 2 Tagen hat es heftig geregnet. Der erste richtige Regen hier seit 8 Monaten. Auch bei uns auf dem Campingplatz. 5 km ausserhalb des Dorfes liegt ein Naturreservat mit  roten Felsen und einer Höhle, der 'Cueva del Chaco', Die Barriere ist offen und wir fahren durch. Schon von Weitem sind die roten Felsformationen zu erkennen.  Wir fahren bis zu einer Strassengabelung, nehmen die rechte Strasse und fahren zwischen den Felsen hindurch bis zum Ende. Wir befinden uns inmitten einer traumhaften Landschaft. Wir bestaunen die Gegend und suchen uns einen Übernachtungsplatz. 

 

Traumhafter Übernachtungsplatz in los Colorados
Traumhafter Übernachtungsplatz in los Colorados

Es ist sehr idyllisch und ruhig, wir sind die Einzigen hier. Wir machen es uns gemütlich und geniessen  die Stille dieses magischen Ortes. Schön, wieder einmal unterwegs zu sein und das 'Overlander-Leben' auskosten zu können. 

Am nächsten Morgen fahren wir zurück bis zur Strassengabelung. Heute nehmen wir die linke Strasse und fahren bis zur 'Cueva del Chaco'. Diese Höhle diente im 19. Jahrhundert dem Freiheitskämpfer Ángel Vicente Peñaloza im Unabhängigkeitskrieg als Zufluchtsort. Die Geschichte des Ortes reicht jedoch bis in die präkolumbianische Zeit zurück, als die Capayanes ihre Petroglyphen auf grossen roten Steinblöcken druckten, die Teil der Touristenattraktion sind. Diese haben wir allerdings nicht gefunden.

 

Die Cueva del Chaco in Los Colorados
Die Cueva del Chaco in Los Colorados

Wir folgen weiter der Strasse, bis wir zu einem ausgetrockneten Fluss gelangen. Da es vor zwei Tagen stark geregnet hat, ist der Untergrund des Bodes feucht. Wir versuchen, mit unserem Piccolo den Fluss zu überqueren, kehren aber auf halbem Weg um. Es ist zu riskant, hier bleiben wir ziemlich sicher im Schlamm stecken. Stattdessen lassen wir die Drohne steigen und filmen diese wunderschöne Landschaft von oben. Am späten Nachmittag fahren wir zurück ins Dorf und machen uns auf den Weg in Richtung La Rioja. Doch heute ist die Barriere geschlossen. Sie wurde mit einem alten Fernsehkabel festgeschnallt. Nach 10 Minuten konnten wir das Kabel lösen, ohne unseren Seitenschneider...

El Citio de los Colorados
El Citio de los Colorados

Im Dorf begegnen wir einer Frau. Sie fragt uns, ob wir gestern herein gefahren sind. Das Naturreservat darf angeblich nur mit einem Führer besucht werden und im Moment ist es geschlossen wegen des Lockdowns. Ups, da haben wir wohl Glück gehabt. Wir fragen sie, wann das Reservat geöffnet wird und versprechen ihr, wieder zu kommen. Vielleicht zeigt uns der Führer ja dann die Petroglyphen, die wir nicht gefunden haben. Wir verabschieden uns höflich und fahren Richtung La Rioja, bis zur nächsten Strassenkontrolle. Der Polizist hier ist mit seinem Handy beschäftigt und winkt uns, ohne den Kopf zu heben durch. Geschafft: wir sind problemlos im Departement La Rioja angekommen. Beruhigt und glücklich suchen wir uns einen Übernachtungsplatz.

Die Fussgängerzone in La Rioja
Die Fussgängerzone in La Rioja

20.11.2020: wir sind in La Rioja

Wir wachen früh auf und machen uns auf den Weg in die Provinzhauptstadt. Es liegen noch etwa 30 Kilometer vor uns. Abseits der Hauptstrasse, neben einer Schotterstrasse haben wir übernachtet. Das Navi führt uns auf der Schotterpiste direkt in die Stadt. Keine Strassenkontrollen mehr? Die haben wir jetzt wohl elegant umfahren. Um 10h machen wir uns auf, die Stadt zu entdecken. Kleine Fussgängerzonen, viele nette Strassencafés, Läden aller Art, schöne Stadtpärke. La Rioja ist eine nette Kleinstadt, etwas grösser und modernen als Chilecito. Aber es ist sehr heiss hier. Der Parkwächter meint, La Rioja sei eine der heissesten Städte in ganz Argentinien. Hier wird es im Sommer gerne mal 50 Grad. Wir haben heute etwa 32 Grad aber das reicht uns. Nach einem leckeren MIttagessen und einem feinen Glace bei Grido (der wohl bekanntesten Eisdiele in Argentinien), machen wir uns auf den Weg Richtung Norden. Ab 13h ist in Argentinien Siesta und alles geschlossen. Wir wollen eine andere Strasse zurück nach Chilecito nehmen, fahren aus der Stadt hinaus und folgen einer schmalen Strasse Richtung Berge. Es ist wunderschön hier. Nach 15 km halten wir an einer Strassenkontrolle. Der Polizist war sehr nett und fragt, ob wir eine Bewilligung hätten. Die brauchen wir doch nicht, war unsere Antwort. Doch er meint, die Departemente im Norden von la Rioja seien noch nicht offen und wir müssen die direkte Strasse zurück nach Chilecito nehmen. Zur Sicherheit kontaktiert er seinen Chef. Die Antwort war leider negativ. Wir müssen umkehren. Die Strasse nach Norden öffnet leider erst am 25.11. Wir kehren um und beschliessen, im Dezember nochmals da hoch zu fahren. Etwas ausserhalb von La Rioja finden wir einen Übernachtungsplatz bei einem sich im Bau befindenden Campingplatz. Das Tor war offen und wir platzieren uns hinter dem Duschhäuschen, etwas verdeckt von der Strasse.

Zuhause in Chilecito
Zuhause in Chilecito

Am nächsten Morgen wollen wir in La Rioja frühstücken. Wir machen uns zeitig auf den Weg Richtung Zentrum. In der Fussgängerzone setzen wir uns in das nette Café San Ignacio und erhalten die besten Medialunas (Gipfeli), die wir bis jetzt n Argentinien erhalten haben. Da kann auch das Café Tortoni in Buenos Aires nicht mithalten. Da es zwischen den beiden Städten Chilecito und La Rioja nicht viel zu sehen gibt (ausser Los Colorados und das ist ja eigentlich auch noch geschlossen) und wir nicht viel Spielraum haben, weitere Gegenden zu erkundigen, fahren wir am Nachmittag zur Siesta-Zeit nach Hause nach Chilecito. Die Polizisten lassen uns problemlos wieder rein in die Stadt.

 




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Kommentare: 1
  • #1

    Almut & Wolfgang (Samstag, 07 November 2020 21:45)

    Hallo ihr Lieben,
    ihr seid also immer noch im Lockdown. Aber euren Blog ist anzumerken, dass das insgesamt nicht ganz unerträglich ist.
    Uns hat es nun auch erwischt: Eigentlich wollten wir in den nächsten Tagen nach Griechenland, aber da gibt es nun einen Lockdown bis Ende November. Auch Italien macht wieder dicht, deshalb hängen wir im Moment auf Sizilien fest. Das ist noch orange Zone, das heißt, man darf sich im Umfeld des eigenen Ortes noch frei bewegen - also ähnlich wie bei euch.
    Wir wissen noch nicht genau, wie das so wird. Wir stehen im Moment auf einem sehr netten Camping am Meer, insofern könnte alles schlimmer kommen.
    Euch Liebe Grüße und bleibt fröhlich!
    Almut & Wolfgang